Ein rot-weiß-rotes Multitalent

Ansprechendes Design trifft beim Steyr Profi 4145 ecotech S-Control 8 auf effiziente Technik. Foto: Krönigsberger

Steyr als österreichischer Technologieführer des CNHI-Konzerns offeriert eine Reihe von Innovationen in der „Maschine des Jahres 2018“ aus der Profi-Baureihe. Wir konnten einen Steyr Profi 4145 ecotech S-Control 8 mit der höchsten Ausbaustufe des Lenksystems und einem neu von Steyr vertriebenen Bodensensor ausgiebig testen.

Die Steyr Profis mit Vierzylindermotor und 116 bis 145 PS Nennleistung gibt es in drei Grundvarianten: Der „Profi Classic“ ist die Basisausführung mit Konstantstrom- oder Load-Sensing-Hydraulik, mechanischen Steuergeräten und 16/16- oder 17/16-Ganggetriebe. Vielfältig konfigurierbar ist der „Profi“ mit dem neuen S-Control 8-Getriebe, alternativ 86 l/min-Konstantstrom- oder 134 l/min-Load-Sensing-Hydraulikpumpe und maximal vier mechanischen beziehungsweise sieben elektrischen Steuergeräten. Die Stufenlosversion „Profi CVT“ schließlich ist mit 134 l/min Load-Sensing-
Hydraulik­-pumpe und max. sieben elektrischen Steuergeräten erhältlich. In der Typenbezeichnung von Steyr steht „4“ für Vierzylinder, gefolgt von in etwa der typischen Leistung bei Nenndrehzahl. Alle drei Versionen gibt es auch als 6145 Profi mit Sechszylindermotor.

Motor geht beherzt zur Sache

Steyr setzt im Profi einen äußerst kraftstoffeffizienten Motor ein. Laut Herstellerinformation ist der Vierzylinder im DLG-PowerMix-Vergleich „sparsamster seiner Klasse“, kombiniert mit einem modernen Getriebe, das einen besonders hohen Wirkungsgrad (ca. 93 %) erreicht. (Prüfbericht zu googeln mit: DLG Pruefberichte profi 4145 S-Control 8)
Der Motor unseres Test­traktors Steyr Profi 4145 ecotech mit S-Control 8 geht jedenfalls beherzt zur Sache und lässt den sieben Tonnen schweren Traktor beileibe nicht träge erscheinen, im Gegenteil: Im ganzen Drehzahlbereich nimmt er auch unter Last gut „Gas an“ und liefert vom Standgas weg beeindruckend Leistung ab. Die etwa zehn PS Mehrleistung im Vergleich zum jüngst getesteten New Holland T6, dem CNHI-Konzernbruder mit baugleichem Getriebe, setzt er bei gleicher Last an derselben Steigung auch in eine deutlich merkbare höhere mögliche Arbeitsgeschwindigkeit um.

„S-Control 8“-Getriebe nahe am Stufenlosgetriebe

Die wesentliche Neuerung beim Profi ist das Doppelkupplungsgetriebe. Es wartet vor- und rückwärts mit acht Lastschaltstufen in drei Gruppen auf und wird bei Steyr unter „S-Control 8“ vermarket (bei New Holland heißt es Dynamic Command). „S-Control 8“ nimmt eine Mittelstellung zwischen einfachen Lastschaltgetrieben und dem stufenlosen „CVT“ von Steyr ein. Bedienung und Funktionalität des neuen Doppelkupplungsgetriebes sind eng am Stufenlosgetriebe angelehnt, der Bedienhebel an der Multicontroller-Armlehne ist identisch. Die Lastschaltstufen wechseln blitzschnell und praktisch ruckfrei.
Die Gruppen werden manuell oder automatisch gewechselt, und zwar dank speed­matching immer in die optimal passende Lastschaltstufe, jedoch mit kurzer Zugkraftunterbrechung. Während schwerer Zugarbeiten empfiehlt es sich also, innerhalb der Gruppe zu bleiben. Durch große Überlappungen fällt das auch leicht: Die Gruppe A reicht bis 10,7 km/h, B von 4,3 bis 18,1 km/h bei Nenndrehzahl. In der Gruppe C erreicht der Profi 40 km/h bereits bei sparsamen 1600 UpM, 50 km/h schon deutlich unter der Nenndrehzahl.
S-Stop II ergänzt den Komfort: Durch Treten der Bremspedale kuppelt der Traktor selbst aus und fährt nach Loslassen der Pedale wieder dosiert im passenden Gang los.

Komfortable Kabine

Die Kabine ist auch nachts ein komfortabler Arbeitsplatz.
Foto: Krönigsberger

Der Arbeitsplatz ist komfortabel, dominiert von pflegeleichten grauen Kunststoffteilen, und geräumig; mit nur 69 dB(A) am Fahrerohr ist die Kabine behaglich leise. Trotzdem ist der Fahrer nicht zu viel von der Umgebung abgeschottet und bleibt akustisch über die Arbeit des angebauten Gerätes auf dem Laufenden – für Praktiker optimal. Beim Aufstieg zur Kabine ist CNHI allerdings zugunsten eines größeren Dieseltanks und von AdBlue­-Komponenten Kompromisse eingegangen: Er ist nun deutlich schmäler und weniger tief. Größer könnte auch der Wischbereich des Frontscheibenwischers sein.
Die vorderen Dachscheinwerfer sind nur eingeschränkt verstellbar – nichtsdestotrotz machen die 16 verbauten, sehr hellen LED-Arbeitsscheinwerfer die Nacht zum Tag.
Die Vierpfostenkabine mit rahmenlosen, riesigen Türen ermöglicht eine ausgezeichnete Sicht rundum und auf die Anbauräume, der Auspuff bei der rechten A­-Säule engt das Sichtfeld nicht wesentlich ein. Auf der A-Säule befindet sich ein informatives LCD-Display. Es bietet alle Infos inklusive Tastenfeld für Bordcomputerfunktionen an dieser Stelle – denn der Profi hat kein herkömmliches Armaturenbrett mehr.
Den rechten Arm hat der Profi-Fahrer auf der Multicontroller-Armlehne mit ICP (Intuitivem Control Panel) und Hydraulik-Joystick. Das ICP erleichtert den Zugriff auf vielerlei Funktionen wesentlich.
Alle Möglichkeiten der Elektronik eröffnet erst der S-Tech 700 Touchscreen, z. B. bei „Quick Turn II“, der neuen Lenkung, deren Übersetzungsverhältnis in drei Stufen oder mit dem S-Tech 700-Monitor sogar in einem weiten Bereich frei verstellbar ist.

Zu den Testberichten des von Steyr vertriebenen Bodensensors und des RTK-Lenksystems. Eine Fotogalerie zum Traktortest finden Sie hier.

Fazit zum Steyr Profi: In Österreich gefertigter Allrounder

Mit dem neuen S-Control 8-Doppelkupplungsgetriebe im „Profi“ kommt Steyr dem Komfort eines Stufenlosgetriebes recht nahe – bei gleichzeitig viel höherem Wirkungsgrad. Der Profi ist eine in Österreich gefertigte, nahezu perfekte Allroundmaschine, die je nach Kundenwunsch umfangreich individualisierbar ist.

 

Steyr Profi 4145 ecotech S-Control 8: Technische Daten

Abmessungen und Gewicht des Steyr Profi 4145 ecotech S-Control 8
Grafik: Krönigsberger

Motor/Abgasreinigung
• 4-Zylinder von FPT Industrial (NEF) mit 4485 cm³, erreicht Abgasnorm Stufe 4 ohne Partikelfilter und ohne Abgasrückführung
• Leistung: Nennleistung (ECE R120): 145 PS (107 kW);
Maximalleistung: 155 PS (114 kW) bei 1800 UpM; max. Boostleistung: 175 PS (129 kW); Leistung laut Zulassungsschein: 175 PS (129 kW); Zapfwellenleis­tung: max. 135 PS (99 kW), mit Boost 155 PS (114 kW)
• Dieseltank: 210 oder 250 Liter, plus 31,4 Liter AdBlue (Verbrauch: ca. 6 – 8 % der verbrauchten Dieselmasse)
• Motorölwechsel: 10 Liter alle 600 Std. mit API CJ-4 /ACEA E9-Öl
• Kraftstofffilter, Getriebe- und Luftfilterwechsel alle 600 Std.
• Getriebe- + Hydraulikölwechsel: 64 – 76 Liter alle 1200 Stunden

„S-Control 8“-Getriebe
• 8 x 3 Semi-Powershift: 3 Gänge mit je 8 Lastschaltstufen (Doppelkupplungsgetriebe mit sehr kurzen Schaltzeiten), optional plus ca. 1:10-Kriechganguntersetzung aller Gänge (dann 48V/48R).

Zapfwelle/Hydraulik
• 540, 540E und 1000 UpM bei 1969, 1546 und 1893 Motor-UpM
• 3-Gang Wegzapfwelle optional
• Heck-EHR Cat II/III, auf Wunsch Radar-Schlupfregelung, Spreizmaß Cat II
• Maximal 7718 kg (bzw. durchgehend 5216 kg 610 mm hinter den Koppelpunkten) Hubkraft Heck mit 90 mm Hubzylindern in den Koppelpunkten mit der 134 Liter/min CCLS-Pumpe, max. erlaubte Hinterachslast: 7300 kg
• Front-EHR (Cat II): Hubkraft 2803 kg durchgehend, max. Vorderachslast: 4100 kg oder 4900 kg je nach Vorderachse
• Maximal zulässiges Gesamtgewicht: 9500 kg, optional 10.500 kg
• Max. 4 + 3 elektrische, zeit- und mengenprogrammierbare Steuergeräte; Load Sensing und Power Beyond möglich
• Entnehmbare Hydraulikölmenge: 15 Liter bei Normalfüllstand, bis zu ca. 35 Liter mit erlaubter Überfüllung im Standbetrieb
• Gemeinsamer Ölhaushalt Getriebe und Hydraulik, Standardfüllmenge: ca. 70 Liter, Überfüllung auf 81 Liter erlaubt

Prospektdownload und weitere Daten: https://www.steyr-traktoren.com/de-at/landwirtschaft

Otto Krönigsberger

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