Gastkommentar der Woche: Hören wir auf, stark zu sein

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Die Arbeitssaison ist in vollem Gange und die bäuerlichen Familien tragen enorme Last. Arbeitstage ohne Ende, wirtschaftlicher Druck, Unsicherheit, Verantwortung für Tiere, Kinder, Eltern, Hof. Viele Bäuerinnen und Bauern funktionieren momentan einfach – aus Pflichtgefühl, aus Tradition und weil man gelernt hat, stark zu sein. Doch in vielen Begegnungen quer durch Österreich höre ich, dass immer öfter aus Müdigkeit stille Erschöpfung wird. Gerade auf den Höfen glaubt man noch oft, alles alleine schaffen zu müssen. Nicht jammern, durchhalten, weitermachen. In der Businesswelt lassen sich längst alle coachen oder begleiten. Manager besuchen Leadership-Seminare, arbeiten mit Trainern oder holen sich Unterstützung, um mit Druck und Verantwortung besser umgehen zu können. Niemand sieht das dort als Schwäche. Im Gegenteil: Es gilt als Zeichen von Professionalität. Warum nicht auch die Bauernschaft? Auch sie tragen Verantwortung. Auch sie stehen unter Dauerbelastung. Und auch sie dürfen sich Hilfe holen, bevor aus Erschöpfung Resignation wird. Sich psychotherapeutische oder therapeutische Unterstützung zu suchen, bedeutet nicht aufzugeben. Es bedeutet, Verantwortung für sich selbst und die Familie zu übernehmen.

Wenn wir wollen, dass unsere Bauernschaft Zukunft hat, dann müssen wir auf die Menschen hinter den Höfen achten. Kein Betrieb kann bestehen, wenn die Menschen daran innerlich zerbrechen. Stärke heißt heute nicht mehr, alles still auszuhalten. Stärke heißt auch, Hilfe anzunehmen, bevor man nicht mehr kann oder andere von sich wegdrängt.

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