Der Götterbaum (Ailanthus altissima) wächst schnell und überall, verdrängt heimische Baumarten und lässt sich in seiner Ausbreitung kaum stoppen: Für Kommunen, Gemeinden, Infrastruktur, die Land- und Forstwirtschaft und Privatpersonen in ganz Europa wird die aus China stammende Laubbaumart und ihre Wurzeln immer mehr zu einem Problem. Götterbaumpollen gelten zudem als relevantes Allergen.
Entwicklung aus Österreich macht Karriere
Mit Ailantex steht eine in Österreich entwickelte biologische Bekämpfungsmethode gegen die hochinvasive Baumart zur Verfügung, die von Forschenden der Universität für Bodenkultur Wien (Boku) entwickelt wurde. Registrierung und Vertrieb erfolgen durch die biohelp GmbH, ein Tochterunternehmen der RWA. Produziert wird das Mittel ebenfalls in Österreich.
Seit 2017 ist das Produkt Ailantex zur Bekämpfung des Problembaums im Einsatz. „Da die reguläre EU-Zulassung derzeit noch ausständig ist, wurde Ailantex in mehreren Ländern im Rahmen von Notfallzulassungen genehmigt – neben Österreich auch in Tschechien, der Slowakei, Frankreich, Deutschland sowie im Jahr 2024 in Griechenland“, so die RWA in einer Aussendung. Internationale Versuche fänden unter anderem in Kroatien, Ungarn, Spanien, Griechenland, Deutschland und der Schweiz statt. In weiteren Ländern befänden sich zusätzliche Versuchsvorhaben und Notfallzulassungen in Planung oder bereits in konkreten Gesprächen.
Christoph Metzker, Vorstandsdirektor der RWA Raiffeisen Ware Austria: „Ailantex ist ein Beispiel für die nachhaltige Innovationskraft der RWA durch starke Kooperationen und Forschungspartnerschaften: Dass ein Produkt aus Österreich europaweit Beachtung findet, unterstreicht unseren Anspruch, bei praxisnahen Lösungen in den Lead zu gehen“, so Metzker.
So funktioniert der Einsatz
„Wir bieten eine Lösung an, die in der Praxis funktioniert. Ailantex vereint Natur und Technologie, um die Ausbreitung des Götterbaums nachhaltig einzudämmen“, betont Michael Groß, Geschäftsführer biohelp GmbH. Im Gegensatz zu flächigen chemischen Anwendungen erfolgt die Behandlung punktgenau direkt am Baum.
Ailantex basiert auf einem natürlich vorkommenden Welkepilz. Der Pilz wird gezielt in den Stamm des Götterbaums eingebracht und breitet sich über das Leitgewebe der Pflanze aus. Dadurch kommt es zu Welkeerscheinungen und in weiterer Folge zum Absterben des Baumes.
Umfangreiche Untersuchungen sollen eine hohe Wirtsspezifität gegenüber dem Götterbaum belegen. Eingesetzt werden kann das Mittel hierzulande laut RWA in Forst, Nichtkulturland (Gleisanlagen), auf landwirtschaftlich nicht genutzten Flächen (etwa Leitungstrassen), im Zierpflanzenbau, auf Wegen und Plätzen, sowie im Wein- und Obstbau (Kern-, Stein- und Beerenobst, Walnüsse).
Götterbaum: ein Multitalent
Der Götterbaum (Ailanthus altissima) ist als invasiver Neophyt bekannt und hat sich aus seiner ursprünglichen Heimat China und dem nördlichen Vietnam verbreitet. In Europa wurde er als Zierpflanze bereits 1780 in Berlin gepflanzt. Aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich der Götterbaum massiv verbreitet. Seit 2019 steht er auf der EU-Liste der invasiven Arten (EU regulation 2019/1262).
Der Götterbaum ist eine sehr robuste Pflanze. Er verträgt Luftverschmutzung, Hitze, Dürre, hohen Salzgehalt, Herbizide, Schnitt und wächst auch auf festem Erdreich und unfruchtbaren oder kontaminierten Böden. Da er auch im Stadtklima gut gedeiht, gilt er als „klimafitter“ Baum. Außerdem ist er konkurrenzstark, da er einen allelopathischen (hemmenden) Effekt auf andere Pflanzen und die Keimung ihrer Samen hat. Durch seine Wurzeln kann er auch Infrastruktur beschädigen.
Götterbaum und Allergien
Laut MedUni wurden die allergenen Proteine des Götterbaums mehrfach beschrieben. Klinische Daten sollen „durchaus bedeutende Sensibilisierungsraten“ in China und (im kleineren Rahmen) auch in Teilen Europas zeigen. Allerdings sei der Götterbaumpollen in den Standardtests derzeit nicht verfügbar und auch große Studien zu Sensibilisierungsraten in Österreich und großen Teilen Europas würden fehlen.
Von der MedUni Wien wurde nun nach eigenen Angaben die längste Datenreihe (48 Jahre) zu Pollen des Götterbaums analysiert und publiziert. Temperatur und Sonnenscheinstunden zeigen demnach die höchste Korrelation mit den Pollenkonzentrationen. Außerdem zeigt sich ein Anstieg der Gesamtpollenmenge des Götterbaums, ein früherer Start und eine frühere Saisonspitze. In Metropolen wie Wien kommt der „urban heat island“-Effekt hinzu, der diesen Trend verstärken kann. Katharina Bastl vom Pollenservice Wien der MedUni Wien erklärt: „Zum ersten Mal wurde der Anstieg der Pollenkonzentrationen beim Götterbaum wissenschaftlich belegt. Man muss mit einer Fortsetzung dieses Trends bei der derzeitigen Entwicklung der globalen Erwärmung ausgehen.“
:quality(60))
:quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:quality(60))
:quality(60))