Norbert Totschnig und Eva Schulev-Steindl

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Wie Forschung die österreichische Landwirtschaft fit für 2030 machen soll

Mit dem Forschungsprogramm 2026–2030 fördert das Landwirtschaftsministerium wissenschaftliche Projekte, die Bauern das Leben und Wirtschaften erleichtern sollen, von der Rettung der heimischen Esche bis zum mRNA-basierten Pflanzenschutz.

Das Land steht vor „einer Zeit großer Umbrüche“. Mit diesen Worten skizzierte Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig die Ausgangslage bei der Präsentation des neuen Programms für Forschung und Entwicklung 2026–2030. Vorgestellt hat er es heute (Dienstag) gemeinsam mit Boku-Rektorin Eva Schulev-Steindl in Wien. Das Programm des Agrarministeriums (BMLUK) soll bis 2030 Orientierung geben, mit acht thematischen Schwerpunkten von Klima und Biodiversität bis zu Wasser, Boden und Ernährung.

„Fundierte Forschungsergebnisse sind wichtige Grundlagen für politische und wirtschaftliche Entscheidungen“, betonte Totschnig. Das Ressort sei „eines der forschungsintensivsten im Bund mit über 400 laufenden Projekten jährlich“. Allein zwischen 2021 und 2024 seien mehr als 60 Millionen Euro pro Jahr in Land- und Forstwirtschaft investiert worden.

Die Projekte

Wie konkret Ressortforschung wirkt, zeigt die Rettung der heimischen Esche. Durch das Eschentriebsterben sind rund 30 Millionen Bäume im Land abgestorben. Gemeinsam mit dem Bundesforschungszentrum für Wald und der Universität für Bodenkultur konnten resistente Nachkommen identifiziert und nachgezüchtet werden. Mehr als 4.000 Jungpflanzen sind bereits verfügbar.

Innovativ geht auch „Aspirna“ vor: mRNA-basierte Sprays sollen gezielt den Stoffwechsel von Schädlingen ausschalten, ohne Nützlinge zu beeinträchtigen. Parallel wird an einem Zulassungsverfahren gearbeitet, das Nachhaltigkeit und technologischen Fortschritt verbindet.

Mit „Sien-Sol – Die Bodenpioniere 2050“ wird an gut 200 Standorten Humusaufbau, Kohlenstoffspeicherung und Wasserrückhalt verbessert. Und „Wildcon“ analysiert Bewegungsräume von Tieren, um Barrieren abzubauen und Lebensräume besser zu vernetzen.

 

Starke Partnerschaft mit der Boku

Eine zentrale Rolle nimmt die Boku ein. Rektorin Schulev-Steindl unterstrich die Bedeutung der Drittmittelförderung: „Mit dem Forschungsprogramm wird ein wichtiger Impuls für neue Projekte gegeben. Wissenschaftlich erarbeitete Lösungen finden damit ihren Weg in die praktische Anwendung.“

2024 arbeitete die BOKU an 439 Forschungsprojekten, 138 davon extern finanziert. Mit rund 50 Projekten und 35 Millionen Euro Fördervolumen war das BMLUK wichtigster externer Partner. Projekte wie „Cien-Sol“, das von der FAO ausgezeichnet wurde, „Coolspot“ zur Nutzung urbaner Erholungsräume bei Hitze oder „Solagri“ zur Agri-Photovoltaik zeigen die thematische Breite.

Auch der 2020 eingerichtete Österreichische Waldfonds, mit 430 Millionen Euro dotiert, stärkt die Zusammenarbeit. Eine neu besetzte Stiftungsprofessur für Holzbau an der BOKU ist Teil davon.

210 Millionen Euro Wertschöpfung

Neben ökologischen Effekten hat die Ressortforschung auch wirtschaftliche Bedeutung. Zwischen 2022 und 2024 wurden rund 3.000 Arbeitsplätze gesichert und ein gesamtwirtschaftlicher Effekt von 210 Millionen Euro erzielt, davon etwa 100 Millionen Euro jährliche Wertschöpfung im ländlichen Raum.

„Mit dem Programm für Forschung und Entwicklung 2026–2030 gestalten wir unsere Zukunft von der Landwirtschaft bis zum Umweltschutz aktiv und vorausschauend“, so der Minister. Und Schulev-Steindl ergänzte: „Transdisziplinäre, praxisnahe Forschung ist der Schlüssel, um tragfähige Lösungen für die großen Zukunftsfragen zu entwickeln.

Weitere Informationen:RNA-Interferenz als neue Hoffnung für den Pflanzenschutz

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