BauernZeitung Vom Champignon- zum Maiszüchter – wie ist es Ihnen in der Anfangszeit ergangen und was waren damals die Herausforderungen?
Der Schritt war ein großer – fachlich wie organisatorisch. Als ich zur Saatbau Linz kam, war die Maiszüchtung wirtschaftlich nicht erfolgreich. Es wurde viel Geld investiert, aber man konnte am europäischen Markt nicht richtig Fuß fassen. Ich habe daher intensiv mit Züchtungspartnern in ganz Europa zusammengearbeitet, viele Gespräche geführt und ein umfassendes Literaturstudium betrieben. Besonders wichtig war es, ein Zuchtschema zu entwickeln und damit einen klaren Züchtungsablauf zu etablieren.
BauernZeitung Mit einem vergleichsweisen kleinen Team konnte man sich erfolgreich gegen internationale Züchtungskonzerne behaupten. Was war das Erfolgsrezept?
Wenn man versteht, wie Maiszüchtung funktioniert, erkennt man bestimmte Hebel. Einer davon ist die gezielte und frühe Selektion in aufspaltenden Generationen, um große Pflanzenpopulationen effizient zu reduzieren – ohne dabei die genetische Variabilität zu stark einzuschränken. Ein wichtiges Werkzeug war das sogenannte „Early Testing“. Dabei werden sehr früh Testkreuzungen durchgeführt, um ungeeignetes Material rasch auszuscheiden. Das spart enorme Kosten und Ressourcen. Heute arbeiten wir ausschließlich mit der Dihaploidentechnologie und genomischer Selektion in der Linienentwicklung. Unterstützt von einer fortschrittlichen Versuchstechnik mit RTK, NIRS und Drohneneinsatz. Unser Vorteil gegenüber großen internationalen Konzernen liegt in unserer Beweglichkeit. Große Konzerne sind oft weniger flexibel, während wir schneller reagieren können.
BauernZeitung Ein entscheidender Schritt war 1995 der Aufbau des Winterzuchtgartens in Chile. Wie sehr hat das die Geschwindigkeit und Qualität der Züchtungsarbeit verändert?
Das war ein Meilenstein, durch den wir die Entwicklungszeit von Inzuchtlinien halbieren konnten. Statt nur einer Generation pro Jahr sind zwei möglich – das verkürzt die Züchtungsdauer erheblich.
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Taucher arbeitete mehrere Wochen pro Jahr im Winterzuchtgarten in Chile.
BauernZeitung Welche Zuchtziele stehen aktuell im Vordergrund und wie haben sich diese in den letzten Jahrzehnten verändert?
Das zentrale Kriterium ist nach wie vor die Ertrag-Wasser-Relation. Eine Sorte muss unter gegebenen Bedingungen effizient Ertrag liefern. Weitere wichtige Eigenschaften sind: Standfestigkeit sowie Pflanzen- und Kolbengesundheit. Der Landwirt setzt heute voraus, dass eine Sorte ökonomisch funktioniert. Welche Rolle spielt der Klimawandel in der Züchtungsarbeit? Züchtung bedeutet immer Selektion unter bestimmten Umweltbedingungen. Vor 15 Jahren haben wir mit einem reinen Zahnmaiszüchtungsprogramm begonnen, um den wärmeren klimatischen Bedingungen besser gerecht werden zu können. Man kann nicht wissen, wie das Klima in 20 Jahren exakt aussieht. Daher suchen wir keine Spezialisten für eine Extremumwelt, sondern möglichst stabile Sorten, die in unterschiedlichen Umwelten gut performen. Österreich ist hier ein sehr guter Züchtungsstandort. Auf kleinem Raum haben wir sehr unterschiedliche Umweltbedingungen. Diese Vielfalt ermöglicht es, Umweltstabilität gezielt zu prüfen.
BauernZeitung Welche Bedeutung hat eine starke regionale Saatgutzucht für die österreichische Landwirtschaft – gerade in Zeiten globaler Abhängigkeiten?
Eine sehr große. Als ich begonnen habe, lag die Saatmaisvermehrungsfläche bei rund 80 Hektar. In Spitzenzeiten waren es bis zu 6.000 Hektar. Auch bei den Verkaufszahlen gab es eine enorme Entwicklung: 1995 wurden etwa 20.000 Einheiten verkauft, hauptsächlich Fremdsorten. In Spitzenjahren waren es bis zu einer Million Einheiten, davon 600.000 bis 700.000 aus Eigenzüchtung. Damit bleibt die gesamte Wertschöpfungskette im Land – von der Linienvermehrung bis zur Hybridproduktion. Das stärkt die heimische Landwirtschaft und reduziert Abhängigkeiten.
BauernZeitung Die Erträge steigen jährlich im Schnitt um etwa 200 Kilogramm pro Hektar. Gibt es physiologische Grenzen?
Der Ertragszuwachs beim Mais ist bemerkenswert. Allerdings stammt er nicht ausschließlich aus der Züchtung. Auch Fortschritte in Bodenbearbeitung, Pflanzenschutz, Düngung und Management tragen dazu bei. Natürlich gibt es Grenzen – aber bislang wurden sie noch nicht erreicht. Der Züchtungsfortschritt ist weiterhin klar erkennbar.
Der Ertragszuwachs beim Mais ist bemerkenswert. Natürlich gibt es Grenzen – aber bislang wurden sie noch nicht erreicht. Der Züchtungsfortschritt ist weiterhin klar erkennbar.
Robert Taucher
BauernZeitung Welche Rolle werden neue Züchtungsmethoden wie die Genschere Crispr/Cas spielen?
Crispr-Cas wird oft mit großen Versprechungen wie Ertragssteigerung oder Stresstoleranz verbunden. Meiner Meinung nach ist das im Mais deutlich komplexer, als es oft dargestellt wird. Ertrag ist ein hochkomplexes Merkmal, das von vielen Genen beeinflusst wird. Ohne konventionelle Züchtung wird man hier keine großen Sprünge machen. Monogene Eigenschaften lassen sich gezielt bearbeiten – aber für einen kleineren Züchter bedeutet das meist zusätzlichen Aufwand und hohe Kosten. Solche Technologien müssten zugekauft werden. Im Bereich Datenanalyse und genomischer Selektion hingegen hat sich enorm viel getan. Jede unserer Linien wird genomisch analysiert. Wir arbeiten mit großen Datenmengen, Kalibrationsmodellen und Vorhersagesystemen zur Berechnung potenzieller Hybriden. Dafür beschäftigen wir eigene Bioinformatiker. Das ist heute ein integraler Bestandteil moderner Züchtung.
BauernZeitung Wie sehen Sie die Zukunft der Maiszüchtung unter dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz?
Die Zukunft wird stark datengetrieben sein. Die klassische Züchtung bleibt das Fundament, aber sie wird durch genomische Analysen, Vorhersagemodelle und leistungsfähige Rechensysteme ergänzt. Entscheidend bleibt jedoch das züchterische Know-how – die Fähigkeit, aus genetischer Vielfalt unter realen Umweltbedingungen die besten Kombinationen zu selektieren.
Zur Person
Über drei Jahrzehnte prägte Robert Taucher die Maiszüchtung der Saatbau Linz, baute Strukturen auf, trieb Innovationen voran und schuf ein Umfeld, das heute international konkurrenzfähig ist.
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