Die vergangene Saison startete mit einem Paukenschlag für die heimischen Rübenproduzenten: Die Agrana-Zuckerfabrik in Leopoldsdorf wurde für immer geschlossen. Kein Einzelfall, denn insgesamt ereilte innerhalb der EU vier Fabriken das gleiche Schicksal. Heuer folgten bereits zwei weitere Werke. Rübenbauern-Präsident Ernst Karpfinger sprach in diesem Zusammenhang von „der schwersten Krise seit der Liberalisierung des europäischen Zuckermarktes.“
Schere zwischen Kosten und Preisen geht auseinander
Ursache war eine seit Jahren angespannte wirtschaftliche Situation, die sich durch massive Marktverwerfungen weiter verschärfte. Insbesondere die zahlreichen Freihandelsabkommen werden als Auslöser des Preisverfalls ausgemacht.
Das Problem seien aber nicht nur die sinkenden Zucker- und damit Rübenpreise, sondern vielmehr die auseinandergehende Schere zwischen Kosten und Preisen. „In den vergangenen 20 Jahren sind die Produktionskosten um 65 % gestiegen, während die Rübenpreise durch die fallenden Zuckerpreise um 25 % gesunken sind“, so Karpfinger. Über mehrere Jahre hinweg konnte dies durch Produktivitätssteigerungen, Züchtung und effizientere Technik ausgeglichen werden. Hier sei man jetzt aber an Grenzen gestoßen. „Wir haben keine Pflanzenschutzmittel mehr und weil uns die EU den Zugang zu neuen Züchtungstechniken verwehrt, bringen wir auch dort nichts weiter. Die Krankheiten und Schädlinge werden aber mehr“, erklärte der Rübenbauern-Präsident.
Europaweit wurden die Anbauflächen im vergangenen Jahr infolge sinkender Preise um rund zehn Prozent reduziert. Gute Ernten in nahezu allen Anbauregionen konnten aber die Überversorgung des Marktes nicht maßgeblich reduzieren. Die Zuckerpreise bleiben unter Druck und seien gegenwärtig zu niedrig für positive Ergebnisse: „Ein Weißzuckerpreis von 600 bis 650 Euro pro Tonne wäre notwendig“, erklärte der Obmann der oö. Rübenbauerngenossenschaft Martin Bäck.
Gute Erträge und hohe Zuckergehalte in OÖ
Auf Basis der bisher geltenden Branchenvereinbarung ergibt sich für die heimischen Rübenbauern für die Ernte 2025 voraussichtlich ein Rübenpreis von etwas mehr als 41 Euro pro Tonne. Die oberösterreichischen Betriebe profitieren hier von den guten Erträgen in der vergangenen Saison. Diese lagen mit durchschnittlich 96 Tonnen pro Hektar um 17 Tonnen höher als im bundesweiten Schnitt. Zudem war der durchschnittliche Zuckergehalt mit 17,3 % Pol. bei der Übernahme um 1,5 % höher als im Jahr davor. Das erste Jahr ohne Leopoldsdorf machte eine Anpassung der Logistik notwendig.
Alle Rüben, die erst ab Dezember abgeholt wurden (circa 150.000 Tonnen), waren mit Vlies abgedeckt. Das bringe nicht nur einen großen Nutzen für die Agrana sondern auch für die Rübenbauern: „Die Qualität bzw. die Verarbeitbarkeit der oberösterreichischen Rüben sowie der Zuckergehalt waren bis zum Schluss der Kampagne auf einem hohen Niveau“, betonte Bäck die Vorteile der Rüben aus zugedeckten Feldrandmieten.
Neues Preismodell für die nächsten drei Jahre
Der Mindestpreis für Lieferrechts-Rüben wird für die nächsten drei Kampagnen angehoben – bis zu einem Weißzuckerpreis von 450 Euro um drei und bei einem Zuckerpreis von 500 Euro um vier Euro. Ab einem Zuckerpreis von circa 560 Euro erfolgt eine Abflachung mit niedrigeren Rübenpreisen als im bisherigen System. Trotzdem wird das neue Modell von der oö. Rübenbauerngenossenschaft goutiert: „Der Drei-Jahresvertrag ist positiv, weil er Planbarkeit für Landwirtschaft und Industrie bietet“, so Bäck, der auch auf den notwendigen Erhalt des Frachtkostendeckels verwies.
Produktion anpassen, Freihandel überdenken
Auch für heuer gibt es innerhalb der EU bereits geplante Flächenreduktionen. Eine Anpassung der Produktion sei unumgänglich. Für Bäck dabei entscheidend: „Mit neuen Freihandelsabkommen dürfen diese Mengen nicht kompensiert werden.“
Laut Karpfinger brauche es in diesem Zusammenhang auch ein Umdenken in der europäischen Handelspolitik. „Sensible Agrarprodukte, wie Zucker, müssen künftig konsequent aus Freihandelsabkommen – etwa den laufenden Verhandlungen mit Indien, Australien und Thailand – ausgenommen werden“, fordert der Rübenbauern-Präsident. Denn ohne rasche politische Kurskorrekturen würden weitere Produktionsrückgänge sowie ein Verlust der Versorgungssicherheit mit Zucker aus heimischen Rüben drohen.
Agrana-COO Franz Ennser berichtete indes über das laufende Einsparungsprogramm im Konzern, welches im Zuckerbereich bereits zu 70 Prozent erfüllt sei. Das Segment soll so aufgestellt werden, dass man langfristig wettbewerbsfähig sein werde: „Der Leitstandort Tulln wird dahingehend weiterentwickelt.“
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