Tiroler Bauernbund kritisiert Anzeigen gegen von Wolfsrissen betroffene Schafhalter
Der Tiroler Bauernbund übt scharfe Kritik an Anzeigen gegen Schafhalter, deren Tiere von Wölfen gerissen wurden. Bauernbunddirektor Dr. Peter Raggl bezeichnet das Vorgehen als „zynisch“ und „realitätsfremd“ und warnt vor weitreichenden Folgen für die Almwirtschaft in Tirol.
„Die vermehrten Anzeigen gegen von Wolfsrissen betroffenen Schafhalter in unterschiedlichen Teilen Tirols ist an Geschmacklosigkeit und Realitätsferne kaum mehr zu überbieten. Während Bauernfamilien die Folgen eines Wolfsangriffs bewältigen müssen, Tiere verlieren und mit den schrecklichen Bildern gerissener Schafe konfrontiert sind, sitzen selbsternannte Tierschützer hunderte Kilometer entfernt in ihren Büros und verfassen Anzeigen gegen die Opfer. Das ist völlig inakzeptabel“, reagiert Bauernbunddirektor Dr. Peter Raggl.
Bauernbund weist Verantwortung der Tierhalter zurück
Raggl weist insbesondere den Vorwurf zurück, Tierhalter würden durch den Almauftrieb trotz Wolfspräsenz gegen geltendes Recht verstoßen.
„Die erst vor wenigen Wochen beschlossenen Leitlinien zum Vollzug des Tierschutzgesetzes halten ausdrücklich fest, dass der Auftrieb von Weidetieren trotz Wolfspräsenz grundsätzlich zulässig ist und jede Situation individuell zu beurteilen ist. Wer daraus pauschal einen Gesetzesverstoß konstruiert, ignoriert bewusst die geltende Rechtslage."
Warnung vor Folgen für Almwirtschaft und ländlichen Raum
Nach Ansicht des Tiroler Bauernbundes geht die Diskussion über einzelne Fälle hinaus. Aufgrund der zunehmenden Wolfspräsenz in Tirol sieht Raggl die traditionelle Almwirtschaft unter Druck.
„Noch bedenklicher ist jedoch die Konsequenz einer solchen Rechtsauffassung. Wolfspräsenz gibt es mittlerweile in weiten Teilen Tirols. Würde man der Argumentation der Wolfsbefürworter folgen, wäre die Almwirtschaft in ihrer heutigen Form vielerorts nicht mehr möglich. Das käme einem schleichenden Ende einer über Jahrhunderte gewachsenen Bewirtschaftungsform gleich – mit gravierenden Folgen für die Landwirtschaft, die Pflege unserer Kulturlandschaft, den Tourismus, den Schutz vor Verwaldung und letztlich für den gesamten ländlichen Raum. Wer die Almbewirtschaftung infrage stellt, greift damit ein wesentliches Fundament Tirols an.“
Genau jene Organisationen, die den Wolf um jeden Preis schützen wollen, tragen Mitverantwortung für die heutige Situation.
Peter Raggl
Direktor Tiroler Bauernbund
Kritik an fehlender Wertschätzung für Bauern
Der Bauernbunddirektor sieht in den Anzeigen zudem mangelnde Wertschätzung gegenüber der Arbeit der Bauern.
„Unsere Bäuerinnen und Bauern bewirtschaften unter schwierigsten Bedingungen die Almen, erhalten die Kulturlandschaft und versorgen die Bevölkerung mit hochwertigen Lebensmitteln. Statt Dank und Unterstützung erhalten sie von ideologisch motivierten Aktivisten Anzeigen und Unterstellungen. Dieses Verhalten ist letztklassig.“
Bauernbund kritisiert NGOs und Tierschutzorganisationen
Kritik richtet Raggl auch an NGOs und Tierschutzorganisationen, die aus seiner Sicht Maßnahmen zur Regulierung des Wolfsbestandes verhindert oder verzögert hätten.
„Genau jene Organisationen, die den Wolf um jeden Preis schützen wollen, tragen Mitverantwortung für die heutige Situation. Sie haben notwendige Managementmaßnahmen verzögert, blockiert und rechtlich bekämpft. Das Ergebnis sind immer mehr Wolfsrisse, immer mehr Tierleid und immer größere Belastungen für die Bauernfamilien.“
Forderung nach konsequenter Entnahme von Problemwölfen
Der Tiroler Bauernbund spricht sich erneut für die konsequente Entnahme von Problem- und Risikowölfen aus und verweist auf den bestehenden Tiroler Weg im Wolfsmanagement.
„Es ist höchste Zeit, dass Problem- und Risikowölfe konsequent entnommen werden. Tirol hat in den vergangenen Jahren einen Abschussweg geschaffen, der hinsichtlich Geschwindigkeit, Praxistauglichkeit und Rechtssicherheit europaweit seinesgleichen sucht. Während andere Regionen noch über Zuständigkeiten diskutieren, können in Tirol konkrete Problem- und Risikowölfe per Verordnung rasch entnommen werden. Wer selbst dieses System noch bekämpft, macht deutlich, dass es nie um Herdenschutz oder Tierwohl gegangen ist, sondern ausschließlich um die kompromisslose Durchsetzung einer ideologischen Agenda auf dem Rücken unserer Bauern und ihrer Tiere.
Die bestehenden Abschussverordnungen sind nicht willkürlich, sondern die behördliche Bestätigung einer konkreten Gefährdungslage. Das Problem ist nicht der Bauer. Das Problem ist der Wolf. Wer nach einem Wolfsriss zuerst den Tierhalter anzeigt, anstatt das verursachte Tierleid zu verurteilen, hat den Bezug zur Realität verloren. Solche Aktionen helfen keinem einzigen Tier, sondern dienen ausschließlich der politischen Inszenierung.“
Bauernbund fordert Ende der Anzeigen
Abschließend fordert der Tiroler Bauernbund ein Ende der Anzeigen gegen betroffene Tierhalter.
„Der Tiroler Bauernbund fordert daher, diese unsägliche Form der Bauernverfolgung sofort einzustellen. Unsere Bauernfamilien brauchen Schutz und Unterstützung – und keine ideologisch motivierten Anzeigen aus der Distanz“, so Raggl abschließend.