Die Ergebnisse wurden im renommierten Fachjournal PNAS (Proceedings of the National Academy of Science) veröffentlicht. Im Zentrum der Studie standen Kalifornische Eichen (Quercus lobata), deren Samenproduktion über mehr als zehn Jahre in einer stark zerschnittenen Agrarlandschaft untersucht wurde. Viele der Bäume standen weit entfernt von anderen Eichen – mit überraschenden Folgen: Die isolierten Bäume erhielten zu wenig Pollen und produzierten dadurch deutlich weniger Eicheln.
„Wir konnten erstmals zeigen, dass Isolation die natürliche Synchronisation der Samenproduktion stört“, erklärt Mario Pesendorfer vom Institut für Waldökologie der Boku. „Normalerweise tragen Eichen in bestimmten Jahren gleichzeitig besonders viele Früchte – dieses Phänomen nennt man Mastsaat. Isolierte Bäume verlieren jedoch diesen gemeinsamen Rhythmus – und das bereits, wenn sie nur wenige hundert Meter voneinander entfernt stehen.“
Bedeutung für Wälder und Artenvielfalt
Mastsaaten spielen eine zentrale Rolle für die Naturverjüngung von Wäldern und für viele Tierarten, die sich von Samen ernähren. Zudem sind sie wichtig für die Gewinnung von forstlichem Vermehrungsgut. Wenn einzelne Bäume weniger Samen produzieren und nicht mehr synchron mit anderen Bäumen fruchten, kann dies langfristige Folgen für die Regeneration von Wäldern haben.
Die Forschungsarbeiten basieren auf einer außergewöhnlich langen Datensammlung: Die Samenproduktion der Kalifornischen Eiche wird bereits seit 1980 für hunderte Individuen dokumentiert. Seit 2014 arbeitet Mario Pesendorfer gemeinsam mit Erstautor Ian Pearse (United States Geological Survey, USGS) und dem renommierten Eichenforscher Walter Koenig (Hastings Natural History Reservation, University of California Berkeley) an dieser Langzeitstudie.
Die Erkenntnisse sind auch für Österreich relevant: „Bei uns sieht man oft einzelne alte Eichen in Feldern oder Weinbergen stehen. Es ist gut möglich, dass diese Bäume ähnliche Probleme haben und deshalb weniger erfolgreich Samen bilden“, so Pesendorfer. Auch bei heimischen Weißtannen führt die Fragmentierung von Beständen zu Pollenmangel und geringeren Keimraten. Angesichts der hohen Nachfrage nach klimaangepassten Baumarten kann das bereits zu Engpässen bei der Aufforstung führen.
Fragmentierung als unterschätzte Folge
Die Studie zeigt, dass nicht nur der Klimawandel, sondern auch die Zerstückelung von Landschaften tiefgreifende Auswirkungen auf Wälder haben kann. Wenn Bäume zu weit voneinander entfernt stehen, leidet ihre Fortpflanzung – selbst bei windbestäubten Arten wie Eichen.
Die Forschenden sehen darin einen wichtigen Hinweis für Naturschutz, Landschaftsplanung und Forstwirtschaft: Einzelbäume sind ökologisch wertvoll, benötigen für eine langfristig stabile Fortpflanzung aber ausreichend nahe Nachbarbäume derselben Art.
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