Blick auf die Steiermark.

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Freiwillig arbeiten, wo andere Urlaub machen

Wenn die Arbeit am Bauernhof zur Herausforderung wird, schafft „Freiwillig am Bauernhof“ Abhilfe. Gleichzeitig eröffnet es den Teilnehmern einen intensiven Einblick in das Leben und Arbeiten in der Landwirtschaft.

Mit dem Sommer beginnt auf vielen Bauernhöfen die arbeitsintensivste Zeit des Jahres. Heuarbeit, Almpflege und zahlreiche weitere Tätigkeiten verlangen vollen Einsatz – oft mehr, als mit den vorhandenen Händen am Betrieb allein zu bewältigen ist. Zusätzliche Unterstützung ist daher besonders in diesen Wochen gefragt. Genau hier setzt das Projekt „Freiwillig am Bauernhof“ an: Es bringt Menschen zusammen, die anpacken möchten, und Betriebe, die Hilfe brauchen.

Was dabei entsteht, ist für beide Seiten von Vorteil. Während landwirtschaftliche Betriebe dringend benötigte Unterstützung erhalten, erleben Freiwillige eine Zeit, die sich deutlich vom gewohnten Alltag unterscheidet – geprägt von Natur, körperlicher Arbeit und neuen Eindrücken.

Begegnungen, die bleiben

Wie so ein Einsatz aussehen kann, beschreibt Tristan aus München. Für zehn Tage unterstützte er während seines Einsatzes eine Familie in der Steiermark. Schon die Anreise bedeutete für ihn einen bewussten Wechsel: raus aus der Stadt, hinein in eine neue Umgebung.

Harte körperliche Arbeit scheute er nicht.

Tristan beim Mähen.

Tristan freundete sich schnell mit den Tieren am Hof an.

Schottisches Hochlandrind

Am Hof angekommen, erwarteten ihn nicht nur neue Aufgaben, sondern auch zahlreiche Begegnungen. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm die gemeinsamen Momente mit der Familie – Gespräche, Abende am Lagerfeuer und das Miteinander im Alltag.

Die Arbeit reichte von Mähen über Füttern bis hin zur Stallarbeit. Tätigkeiten, die körperlich fordernd sind, aber gleichzeitig einen direkten Bezug zur täglichen Arbeit am Hof vermitteln.

Tiere, Natur und Alltag am Hof

Auch die Tiere prägten seinen Aufenthalt: der Familienhund, Kühe mit eigenem Charakter oder Katzen, die regelmäßig ihren Weg zum Jausentisch fanden. Ebenso intensiv erlebte Tristan die Natur – von ruhigen Momenten bis hin zu unerwarteten Begegnungen.

Der Alltag am Hof brachte für ihn viele neue Eindrücke mit sich und unterschied sich deutlich von seinem bisherigen Lebensrhythmus.

Beim Zäunen waren Kraft und richtige Technik gefragt.

Beim Zäunen

Harte körperliche Arbeit scheute er nicht.

Tristan beim Mähen.

Neue Erfahrungen – auch für sich selbst

Neben der praktischen Mitarbeit war der Einsatz für Tristan auch eine persönliche Erfahrung. Die körperliche Arbeit stellte neue Anforderungen, gleichzeitig entstand eine andere Form des Tagesablaufs: aktive Arbeit am Vormittag, ruhigere Phasen am Nachmittag.

Diese Kombination aus Tätigkeit, Umgebung und neuen Perspektiven machte den Aufenthalt für ihn zu einer prägenden Zeit.

Unterstützung mit Struktur

Organisiert wird „Freiwillig am Bauernhof“ seit 2015 über einen Verein, der aus einer Initiative im Tiroler Oberland hervorgegangen ist und mittlerweile auch in der Steiermark und in Vorarlberg aktiv ist. Jährlich werden zahlreiche Einsätze vermittelt.

Für die Dauer der Mitarbeit sind die Freiwilligen unfallversichert, die Vermittlung erfolgt über die jeweilige Projektleitung. Betriebe und Helferinnen und Helfer werden dabei gezielt zusammengebracht.

Es ist eine Erleichterung, weil man statt zwei Hände dann vier Hände hat. Und es macht auch meistens viel Spaß mit den Leuten, weil man zusammenarbeitet. Es gilt herauszufinden, welche Fähigkeiten der oder die Freiwillige mitbringt.

Doris Schröck

Bäuerin

Entwicklung in den Bundesländern

Seit 2019 ist diese Initiative bzw. dieses Projekt auch in der Steiermark und in Vorarlberg vertreten. In der Steiermark wurden im Jahr 2025 insgesamt 86 Einsätze auf 42 Betrieben durchgeführt. Die Zahl der Einsätze ist dort seit 2021 gestiegen.

In Vorarlberg zeigt sich hingegen ein anderes Verhältnis: Dort stehen vergleichsweise viele Freiwillige einer geringeren Zahl an Betrieben gegenüber.

So funktioniert "Freiwillig am Bauernhof"

Für Betriebe:

  • Mitgliedschaft im Verein (20 bis 25 Euro jährlich)

  • Vermittlung von Freiwilligen

  • Organisation und Versicherung inklusive

Für Freiwillige:

  • Alter: 18 bis 75 Jahre

  • EWR-Staatsbürgerschaft erforderlich

  • Körperliche und geistige Fitness notwendig

  • Interesse an Landwirtschaft Voraussetzung

  • Aufrechte Krankenversicherung

  • Mitnahme von Kindern nicht möglich

Rahmenbedingungen:

  • Einsätze von einzelnen Tagen bis zu mehreren Wochen

  • In Tirol auch Tageseinsätze möglich

  • Unterkunft und Verpflegung am Hof

  • Unfallversicherung während des Einsatzes

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