Melkroboter

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Umstellen auf Melkroboter: So geht’s

Automatische Melksysteme (AMS) erfreuen sich zunehmender Beliebtheit auf den Höfen im Land. Was es für eine gelungene Umstellung zu beachten gilt.

Mehr Flexibilität bei steigender Milchleistung. In Zeiten immer knapperer Arbeitszeitressourcen spricht vieles für die Umstellung auf Automatische Melksysteme, vulgo Melkroboter. Immer mehr Betriebe wagen den Schritt: Vor wenigen Wochen wurde die Rekordmarke von 2.200 Betrieben, die auf Melkroboter setzen, geknackt. Grund genug, einen genaueren Blick auf die Stellschrauben für eine gelungene Umstellung zu wagen. Hier ein Überblick mit Expertise aus der bestehenden Fachliteratur.

Damit das AMS am Hof alle Effizienzversprechen einhält, müssen zuerst die Voraussetzungen im Stall, der Herde und beim Zugang des Betriebsführers stimmen beziehungsweise angepasst werden. Das betrifft zuallererst die baulichen Voraussetzungen. Hierzu ist eine Fachberatung bei LK und Herstellern jedenfalls ratsam.

Es wird zwischen gelenktem, selektiv gelenktem und freiem Kuhverkehr unterschieden. Vor allem bei Umbauten bestehender Ställe ist auf die Umsetzbarkeit und die unterschiedlichen Stärken und Schwächen der Varianten zu achten.

Gesunde Herde

Noch bevor der Händler für das neue AMS kontaktiert wird, lohnt ein Blick in die Gesundheitsdaten der eigenen Herde. Nur gesunde Kühe lassen sich auf den Roboterbetrieb umstellen. Experten zufolge ist insbesondere die Eutergesundheit der Herde entscheidend. Kenntnisse über die auftretenden Keime können vorab hilfreich sein. Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass chronisch kranke Tiere und Neuinfektionen aus der Trockenstehzeit mit der Umstellung auf AMS nicht nachweislich verbessert werden können. Im schlimmsten Fall steigt der Arbeitsaufwand gegenüber dem Melkstand sogar, da tierindividuelle Behandlungen durch einzelnen Zutrieb mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Abläufe überdenken

Oberstes Ziel beim Melken am AMS-Hof ist es, dass die Kühe freiwillig den Melkstand besuchen und sich der Zeitaufwand für den Bauern so reduziert. Entsprechend rät die Literatur, bei der Umstellung auch das gesamte Management rund um den Stall auf den Roboter auszurichten. Alle Arbeiten, die bisher im Melkstand nebenbei gelaufen sind, müssen nun klug in den Arbeitsablauf integriert werden. Dazu zählen:

  • Einmelken von Kalbinnen,

  • Brunftüberwachung und Besamungen,

  • Ablauf für Kühe, die antibiotisch behandelt wurden,

  • Vereinbarkeit mit Weide oder Auslauf sowie

  • Fütterung, Zeitpunkt und Lockfuttergaben.

Gut auf den Umzug vorbereiten

Wenn der Einzug in den neuen Stall beziehungsweise die Umstellung des Melksystems näher rückt, sollten nochmals alle Abläufe gut durchdacht werden. Tun sich die Kühe am ersten Tag mit dem Roboter schwer, kann das massive Auswirkungen auf die Eutergesundheit und die Akzeptanz des Systems haben. Fachleuten zufolge darf mit dem Roboter weder ein dramatischer Anstieg der Zellzahlen noch ein Einbruch der Milchmenge einhergehen. Um dies zu verhindern, ist auf einiges zu achten:

  • Zustand der Euter und Auswahl der verwendeten Zitzengummis,

  • Korrekte Einstellung des Melksystems mit dem Techniker des Herstellers,

  • Dippmittelauswahl und Funktionalität im System,

  • Rationsgestaltung auf den Umzug angepasst.

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Eine Einteilung in Gruppen und Schichtbetrieb sind zu Beginn sinnvoll.

Praktiker raten beim Umzug zuvor auch zu einer Milchkontrolle unmittelbar vor dem Wechsel, um gute Referenzdaten parat zu haben. Kühe, die kurz vor dem Trockenstellen sind, sollten außerdem nicht mehr umgestellt werden, so ein Tipp. Um die Kühe an die neue Umgebung zu gewöhnen, ist auch eine vorherige Verwendung des Roboters als Kraftfutterstation denkbar. Ist dies baulich möglich, assoziieren die Tiere den Roboter mit etwas Positivem. Drei Tage Eingewöhnungsphase würden schon zu positiven Effekten führen, heißt es.

Umstellung mit bekannten Gesichtern

Wenn sich die Türen das erste Mal zum Melken öffnen, sollten die Kühe außerdem von ihnen vertrauten Personen, die bisher die Melkarbeit übernommen haben, begleitet werden. Wenn diese vor dem Roboter das Euter berühren (anrüsten), dann weiß ein Gutteil der Herde Bescheid, was folgt. Läuft alles glatt, ist für problemlose Kühe nach dem ersten Melkgang klar, wie das System funktioniert, die Nervosität lässt nach.

Lässt man die Kühe zu früh mit dem Roboter allein, kann das Gegenteil der Fall sein und die Tiere werden von Mal zu Mal nervöser. In Deutschland raten Fachberater am Beginn der Umstellung zur Gruppenteilung der Herde. So bleibt der Tagesrhythmus (Melken vs. Fressen und Ruhen) zunächst erhalten. Mehr als fünf bis sieben Kühe pro Stunde und Roboter sind beim Einmelken demnach ohnehin nicht realistisch. Wenn baulich möglich, kann auch ein Wechsel zwischen Melkstand und Roboter in der Anfangsphase eine Option sein.

Ein Schichtbetrieb mit drei Melkungen binnen 24 Stunden unter Aufsicht wird an den ersten zwei Tagen nahegelegt. Wenn 70 Prozent der Herde eigenständig zum Melken gehen, kann auf Normalbetrieb umgestellt werden.

Daten im Blick behalten

Haben sich die Bewirtschafter und die Kühe an ihr neues AMS gewöhnt, folgt für Erstere ein weiterer wichtiger Schritt für den langfristigen Erfolg. Die Daten, die der Roboter minütlich aus Sensoren generiert, gilt es nämlich zu nutzen. Nur dann kann rechtzeitig reagiert werden. Hier bedarf es eingangs einer umfassenden Einführung in die Technik, um die vorhandenen Werte wie Melkintervalle, misslungene Melkungen, Milchmenge, Kraftfutterrest und Eutergesundheitsdaten richtig zu deuten. Dann steht einem langfristigen Erfolg mit der neuen Melktechnik nichts mehr im Wege.

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