Werbeverbot für Fleisch: Stadtpolitik auf Irrwegen

Thomas Weber

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Es ist natürlich Symbolpolitik, wenn die Stadt Amsterdam ankündigt, ab Sommer 2026 Werbung für Fleisch zu untersagen, um das Klima zu schützen. Wer die Augen nicht völlig vor der Realität verschließt, muss die Fakten anerkennen: Die Welt isst zu viel Fleisch, auch Europa, auch wir in Österreich. Versuche, den maßlosen Fleischkonsum zu lenken, sind deshalb sinnvoll – und notwendig. Aus Sicht des Klimaschutzes macht es aber einen gewaltigen Unterschied, ob wir Fleisch essen, das von flächengebunden gefütterten Weidetieren stammt oder solches aus Intensivtierhaltung.

Verbote, die solche Unterschiede ignorieren und Fleischessen in einem Atemzug mit Schweröl verfeuernden Abgasschleudern auf hoher See nennen, sind weltfremd. Das ist intellektuell genauso unredlich wie wenn Spitzenpolitiker ihre öffentliche Aufmerksamkeit missbrauchen, um den täglichen Fleischkonsum zu verherrlichen, wie das etwa in einem Nachbarland passiert. Beides ist Symbolpolitik und sorgt für verhärtete Fronten in einem Kulturkampf, in dem alle Beteiligten eigentlich nicht mehr miteinander reden wollen.

Das Amsterdamer Werbeverbot ist aber gleich auf mehreren Ebenen verkehrt. Weder passt es zum liberalen Image der Stadt, noch ist es wirklich durchsetzbar. Es beschränkt sich auf Werbeflächen im unmittelbaren Einflussbereich der Stadt. Anzeigetafeln von Restaurants sind ebenso wenig betroffen, wie digitale Werbung. Damit schaufelt die Amsterdamer Stadtpolitik Werbegeld ausgerechnet zu US-BigTech-Unternehmern, die gerade versuchen, Trumps illiberale T-Rex-Politik zu zementieren.

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