Schon vor dem Nahostkonflikt sahen sich Marktfruchtbetriebe mit sehr hohen Produktionskosten sowie zu geringen Erlösen konfrontiert. Seit dem Kriegsbeginn im Iran hat sich die Lage weiter verschärft. Die Betriebsmittel haben sich durchschnittlich um weitere 150 Euro pro Hektar verteuert – davon entfallen zwei Drittel auf höhere Düngerkosten und ein Drittel auf höhere Dieselkosten. Währenddessen sind die internationalen Notierungen für Weizen (aktuell 218 Euro pro Tonne), Mais (210 Euro pro Tonne) und Raps (491 Euro pro Tonne) nur kurzfristig leicht angestiegen und stagnieren mittlerweile wieder, auf Grund der global guten Versorgungslage.
Kostensteigerungen bis zu 180 Euro pro Hektar
Bei düngeintensiven Kulturen wie Weizen oder Mais beträgt die Kostensteigerung sogar bis zu 180 Euro pro Hektar. „Der Deckungsbeitrag betrug bei acht Tonnen guter Mahlweizenqualität zuletzt 340 Euro je Hektar. Zieht man davon die gestiegenen Kosten ab, bleiben jetzt 160 Euro pro Hektar über. Für viele Betriebe rechnet sich so die Produktion nicht mehr. Ackerbau ist derzeit kaum noch rentabel“, erklärte LKOÖ-Präsident Franz Waldenberger.
Für viele Ackerbaubetriebe rechnet sich die Produktion so nicht mehr.
Franz Waldenberger
LKOÖ-Präsident
Übervolle Lager bei Weizen, Mais und Soja
Kurzfristig werde nicht damit gerechnet, dass es bei den Agrarrohstoffen größere Preissprünge nach oben geben könnte: „Wir haben derzeit übervolle Lager bei Weizen, Mais und Sojabohnen. Internationale Marktbeobachter sagen, es müsste schon zu einer groben Missernte weltweit kommen, damit die Preise anspringen“, betonte Pflanzenbaudirektor Helmut Feitzlmayr.
Die Zerstörung von Anlagen zur Düngemittelproduktion im Nahen Osten sowie die Sperre der Straße von Hormus – über die 35 Prozent des weltweiten Harnstoffbedarfs und circa die Hälfte des global gehandelten Schwefels transportiert werden – könnten weltweit jedoch zu Versorgungsengpässen mit Dünger führen. „Es wird dann weniger eingesetzt. In der Folge werden Menge und Qualität, insbesondere beim Weizen, zurückgehen. Dadurch könnte es zeitverzögert zu einer Verknappung und damit steigenden Preisen bei Agrarrohstoffen kommen“, so Feitzlmayr.
Dünger-Zölle aussetzen, Agrardiesel einführen
Seit der letzten Einlagerung im Juni 2025 ist der Preis für Harnstoff um 50 Prozent auf 900 Euro pro Tonne und NAC um 47 Prozent auf 550 Euro pro Tonne gestiegen. Dazu beigetragen haben auch die seit 1. Jänner 2026 in der EU geltenden CO2-Zölle (CBAM) auf Dünger, die importierten Harnstoff um 55 Euro pro Tonne und NAC um 120 Euro pro Tonne verteuert haben. Bei Letzterem ist man auf Grund der hiesigen Düngemittelhersteller gut selbst versorgt, weshalb sich die hohen Importzölle bislang nur teilweise ausgewirkt haben. Doch das ist erst der Beginn der jährlichen Kostensteigerungen bis 2034, die zum Schutz der europäischen Düngerindustrie eingeführt worden sind. „Die höheren Kosten tragen hier allerdings die Bäuerinnen und Bauern“, so Waldenberger, der zwei Möglichkeiten sieht, um wettbewerbsfähig zu bleiben: „Entweder CBAM wird ausgesetzt oder Agrarimporte werden ebenso mit Zöllen belegt.“
Entlastung fordert Waldenberger auch auf nationaler Ebene und zwar in Form der Wiedereinführung des Agrardiesels: „Europaweit beträgt die durchschnittliche Vergütung für landwirtschaftlichen Diesel 31 Cent. Wir brauchen auch für unsere Betriebe mindestens diesen Wert“, betonte Waldenberger.
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Sorgenvolle Minen bei Waldenberger und Feitzlmayr
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