Blühende Obstbäume am Wegesrand.

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Kulturerbe in Gefahr: Ohne Wildbienen kein Überleben für Streuobstwiesen

Das Kulturerbe sorgt für Artenreichtum, muss aber bewusst erhalten werden. Dabei helfen nicht nur verschiedene Initiativen, sondern auch Wildbienen.

Streuobstwiesen gelten heute als „Hotspots der Biodiversität“, bis zu 5.000 Arten finden sich darin. Trotz ihrer ökologischen Bedeutung sind aber massiv bedroht: Gab es vor knapp 100 Jahren noch 35 Millionen Bäume in Österreich, so sind es heute nur mehr etwa 4,2 Millionen. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft und damit einhergehend ein schwindendes Wissen um Sortenvielfalt und Verarbeitung, der hohe Pflegeaufwand bei vergleichsweise geringe wirtschaftlicher Rentabilität sind Gründe für den Rückgang. Ein Viertel dieser großkronigen Bäume, die seit 2023 als nationales immaterielles Unesco-Kulturerbe anerkannt sind – ist dabei in Oberösterreich zu finden.

Agrarlandesrätin Michaela Langer-Weninger betont, dass Streuobstwiesen mehr als nur schöne Kulisse sind. „Streuobstwiesen sind über Generationen gewachsene Kulturlandschaften und zugleich ein zukunftsfähiges Modell für nachhaltige Landwirtschaft. Wer sie erhält, bewahrt wertvolles Wissen und alte Sorten und stärkt gleichzeitig Biodiversität, regionale Wertschöpfung und Lebensqualität im ländlichen Raum“, so Langer-Weninger.

Projekt wies Artenvielfalt in Streuobstflächen nach

Die Universität für Bodenkultur Wien zeigt mit dem nun veröffentlichten Endbericht des Forschungsprojektes „DivMoSt“, dass fehlende Pflege, mangelnde Nachpflanzung und der fortschreitende Verlust alter Bäume die Zukunft des Lebensraumes Streuobstwiese zunehmend gefährden. Für das Projekt wurden 23 Testgebiete in allen Bundesländern mit 1.170 Streuobstflächen (gesamt 232 Hektar) untersucht. In nur einem Jahr wurden dort beispielsweise 225 Bienenarten, 65 Tagfalter- und 31 Heuschreckenarten nachgewiesen. Ebenso sind dort 23 der 31 in Österreich bekannten Arten von Fledermäusen – ein Teil davon ist von „gefährdet“ bis hin zu „vom Aussterben bedroht“ eingestuft – gesichtet worden.

Damit ein Genuss aus Streuobst überhaupt möglich ist, braucht es zuerst eine erfolgreiche Bestäubung. Die Arbeit von Wild- und Honigbienen sowie anderen blütenbestäubenden Insekten ist dabei von zentraler Bedeutung. Zwar bleibt ohne Insekten-Bestäubung nicht zwangsläufig die gesamte Ernte aus, jedoch leidet die Fruchtqualität – etwa in Form, Geschmack und Zuckergehalt.

Streuobst-Initiativen versorgen mit Informationen

- Der Verein „Streuobst Österreich“ vernetzt Organisationen und Personen, die in diesem Bereich aktiv sind. www.streuobst.at

- Das Bienenzentrum OÖ ist Ansprechpartner für Fragen rund um Bienen und Biodiversität. www.bienenzentrum.at

Zusammenspiel von Honig- und Wildbienen

Besonders Wildbienen spielen eine zentrale Rolle bei der Bestäubung: Viele ihrer Arten sind auf Obstbäume und Wiesenpflanzen angepasst beziehungsweise spezialisiert. Ein weiterer Vorteil ist, dass Wildbienen und Hummeln auch bei niedrigen Temperaturen und unter ungünstigen Witterungsbedingungen aktiv sind, also genau dann, wenn Honigbienen kaum fliegen. Damit sie ihre wichtige Bestäubungsleistung erbringen können, benötigen sie geeignete Lebensräume wie offene Bodenstellen, Totholz und strukturreiche Wiesen unter den Obstbäumen. Entscheidend sei das Zusammenspiel von Honig- und Wildbienen, erklärt Theresa Frühwirth vom Bienenzentrum OÖ. entscheidend. „Zwar ist die Honigbiene eine bekannte und wichtige Bestäuberin von Obstbaumblüten, doch weder die einzige noch die effektivste“, so Frühwirth. Viele Wildbienenarten würden eine Schlüsselrolle bei der Bestäubung übernehmen. „Während der Obstbaumblüte im Frühjahr sind Hummeln besonders effiziente Bestäuber“, so Theresa Frühwirth.

Hervorheben lässt sich auch die kulinarische Qualität der Streuobstprodukte, zeichnen sich doch die Früchte alter, vielfältiger Sorten durch intensiven Geschmack aus. Spezialitäten daraus bedeuten authentischen Genuss und regionale Identität.

Mostschänken setzen auf kulinarische Qualität

Das machen sich Mostschank-Betreiber wie Christoph Stockhammer vom „Weilbacher Mostbauern“ in Weilbach zunutze: „Als Mostschank-Betreiber legen wir großen Wert darauf, die Qualität unserer Produkte selbst in der Hand zu haben. Deshalb haben wir in den letzten zwei Jahrzehnten rund acht Hektar Streuobstgärten gepflanzt, um hochwertiges Obst für die Herstellung von Most und Säften zu gewinnen“, so Stockhammer.

Rainer Silber, Obmann von Streuobst Österreich und Geschäftsführer im Naturpark „Obst-Hügel-Land“, verweist auf dafür notwendige faire Preise, da die Nutzung der Früchte eng mit dem Erhalt der Bestände zusammenhängt.

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Rainer Silber, Michaela Langer-Weninger und Theresa Frühwirth (v.l.)

Obstbaumschnitt im Hausgarten: Broschüre und Videos

Das Leader-Büro Mostlandl Hausruck hat eine neue Broschüre herausgebracht: „Obstbaumschnitt in der Streuobstwiese im Hausgarten“ heißt sie. Die Broschüre steht zum kostenlosen Download (www.mostlandl-hausruck.at/initiative-streuobst) bereit. Dort gibt es auch kurze Videos, in denen Schnitttechniken an Obstbäumen gezeigt werden.

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