LKÖ-Präsident Moosbrugger spricht

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Moosbrugger: Vorgaben aus Brüssel belasten Betriebe

Die GAP gilt zwar als unverzichtbar, doch weder Finanzierung noch Eigenständigkeit sind gesichert. Hinzu kommen ständig neue Belastungen ohne Differenzierung der Ausgangslage in einzelnen Mitgliedsstaaten.

Die Diskussionen rund um das EU-Agrarbudget, steigende Auflagen für landwirtschaftliche Betriebe, die Zukunft der Tierhaltung oder die Entwicklung der Lebensmittelpreise sind Brennpunkte der Agrarpolitik, betreffen aber Landwirtschaft, Politik und Gesellschaft gleichermaßen. „Daher braucht es einen offenen Austausch über praktikable Lösungen, Planungssicherheit für unsere landwirtschaftlichen Betriebe und faire Rahmenbedingungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette“, betonte Bauernbund-Landesobfrau Michaela Langer-Weninger im Zuge des 140. Landesbauernrates.

Betriebe brauchen dringend Entlastungen

Zu Gast war Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, der die Versorgungssicherheit ins Zentrum seiner Ausführungen rückte: „Langfristig geht es um die Frage: Können wir die Bevölkerung zuverlässig mit Lebensmitteln versorgen?“

Gerade die jüngsten geopolitischen Entwicklungen hätten gezeigt, wie schnell Versorgungsketten unter Druck geraten können. Energie, Düngemittel und Transportwege seien dabei besonders kritische Faktoren. Für ihn ist klar: Die Landwirtschaft und ihre gesamte Wertschöpfungskette müssen als Teil der Grundversorgung verstanden werden.

Ein zentrales Problem für die Betriebe sind die stark gestiegenen Produktionskosten. Besonders im Energiebereich sieht Moosbrugger dringenden Handlungsbedarf. „Wir brauchen Entlastungen und zwar nicht nur beim Treibstoff, sondern entlang der gesamten Produktion.“

Ein Schwerpunkt liegt für Moosbrugger auf der Stärkung der Widerstandsfähigkeit der Landwirtschaft. Dazu zählen insbesondere Maßnahmen im Waldbereich sowie Anpassungen an den Klimawandel. „Der Waldumbau und die Weiterentwicklung bestehender Programme sind zentrale Aufgaben für die kommenden Jahre“, erklärte er. Ziel sei es, die Betriebe langfristig stabiler gegenüber Krisen zu machen – sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch.

Es braucht Entlastungen und zwar nicht nur beim Treibstoff.

Josef Moosbrugger

EU: GAP, Renaturierung und Freihandel

Auf europäischer Ebene sieht Moosbrugger die Gemeinsame Agrarpolitik weiterhin als unverzichtbares Instrument. Während die finanzielle Ausstattung aus seiner Sicht derzeit weniger gefährdet ist, bereitet ihm eine andere Entwicklung Sorgen: „Die Eigenständigkeit der Agrarpolitik steht zunehmend unter Druck.“

Die EU-Entwaldungsverordnung sieht er als Beispiel für mangelnde Differenzierung. „Wir haben in Österreich kein Entwaldungsproblem – im Gegenteil, die Waldfläche nimmt zu“, stellte er klar. Einheitliche Regelungen für alle Mitgliedsstaaten würden daher oft an der Realität vorbeigehen. Positiv bewertete er jedoch, dass es gelungen sei, Anpassungen und Aufschübe zu erreichen. Dies zeige, dass sich Einsatz auf europäischer Ebene lohne.

Auch zum Thema Renaturierungsverordnung hat er eine klare Meinung: „Ich bin nicht gegen Renaturierung – aber sie darf nicht zulasten der Landwirtschaft gehen.“ Kritisch sieht er vor allem offene Finanzierungsfragen und mögliche Flächenverluste. „Wir reden hier von massiven Eingriffen und hohen Kosten, ohne dass die Finanzierung geklärt ist.“ Eine Zweckentfremdung der Agrargelder lehnt er entschieden ab. „Wenn man die GAP für Renaturierung verwendet, verliert sie ihren ursprünglichen Auftrag.“

Ein weiteres zentrales Thema sind internationale Handelsabkommen. Diese würden die heimische Landwirtschaft zunehmend unter Druck setzen, insbesondere wenn unterschiedliche Produktionsstandards gelten. „Das ist ein massives Wettbewerbsproblem“, betonte Moosbrugger. Sein Zugang ist klar: „Was nicht unseren Anforderungen entspricht, hat auf dem europäischen Markt nichts verloren.“ Selbst kleinere Importmengen könnten Märkte beeinflussen und Preisdruck erzeugen. Daher brauche es klare Regeln und konsequente Kontrollen – nicht nur an den Grenzen, sondern entlang der gesamten Produktionskette.

Renaturierung darf nicht zulasten der Landwirtschaft gehen.

Josef Moosbrugger

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