Jedes Ei erzählt seine Geschichte

Eier sind Vorreiter bei der Herkunftskennzeichnung: Land, Haltungsform und Betrieb sind auf jedem Ei ersichtlich und prägen das Kaufverhalten nachhaltig. Bio-Eierbäuerin und Landtagsabgeordnete Nicole Leitner spricht mit uns über die aktuelle Lage am Eiermarkt.

Nicole Leitner

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BauernZeitung: Frau Leitner, zu Ostern steigt die Nachfrage nach Eiern traditionell deutlich. Wie bereiten Sie Ihren Betrieb darauf vor?

Nicole Leitner: Die Öster­reicherinnen und Österreicher essen zu Ostern unglaubliche 60 Millionen gefärbte Eier. Das sind pro Kopf im Schnitt 7 Eier. Für uns bedeutet das, dass wir gut planen müssen und schon früh beginnen, passende Eier zurückzuhalten. In diesem Jahr habe ich etwa 4.500 Eier färben lassen, diese sind aber nicht für den Handel gedacht, sondern nur direkt bei uns im Hofladen zu erwerben.

Wie groß ist Ihr Betrieb und wie vermarkten Sie die Eier?

Ich habe 2012 angefangen, Hühner zu halten, zu Beginn hatte ich 30 Stück. Seitdem haben wir die Anzahl kontinuierlich gesteigert und mittlerweile leben ca. 4.500 Hühner, aufgeteilt auf drei Herden, bei uns. Alle Eier werden in Bio-Qualität produziert. Vermarktet werden die Eier direkt ab Hof, aber auch der Handel und die Gastronomie sind verlässliche Abnehmer.

Wie hat sich die Eierproduktion, seitdem Sie Hühner halten, verändert?

Wir sind sehr stolz darauf, dass es uns gelungen ist, mit Kastner’s Bio Ei in den vergangenen Jahren eine starke Marke aufzubauen. Unser Absatz ist stabil, grundsätzlich muss man aber sagen, dass sich die Situation vor allem im Bio-Bereich für uns Produzenten nicht zum Besseren gewandelt hat. Die Vorgaben, der rechtliche Rahmen und die Kostensteigerungen haben schon viele Betriebe zum Aufgeben gezwungen. So zum Beispiel hat Bruderhahn die Produktion deutlich verteuert, die gestiegenen Kosten können aber nicht an die Konsument/innen weitergegeben werden. Da fragen sich schon viele, wie lange sich das noch ausgeht und steigen von Bio auf Freilandhaltung um. In diesem Bereich können die Kosten einfach noch besser abgedeckt werden.

Wir sind stolz darauf, mit Kastner‘s Bio Ei in den vergangenen Jahren eine starke Marke aufgebaut zu haben.

Nicole Leitner

War das für Sie noch nie eine Option?

Ehrlich gesagt sprechen wir immer wieder darüber. Aber ich bekenne mich klar zum Biogedanken und stehe da voll dahinter. Darum ist ein Umstieg auf Freilandhaltung aktuell keine Option für uns.

Gleichzeitig herrscht aber beim Ei – im Gegensatz zu vielen anderen landwirtschaftlichen Produkten – ein starkes Bekenntnis zu Qualität und Haltungsform. Wie sehen Sie das?

Seit 2004 ist es EU-weit vorgeschrieben, Land, Haltungsform und sogar den Betrieb auf jedem einzelnen Ei zu kennzeichnen. Für die Konsument/innen ist das mittlerweile ein gewohntes Auswahlkriterium geworden – sie greifen gezielt zu Eiern, deren Herkunft sie nachvollziehen können. Gerade im Bio- und Freilandbereich merken wir, dass die Nachfrage dadurch gestiegen ist. Eier sind damit Vorreiter in Sachen Transparenz und das hat die Einkaufsgewohnheiten nachhaltig verändert. Auch weil die Menschen ein Bild davon im Kopf haben, wie Hühner gehalten werden.

Wie gut kann Österreich die Nachfrage nach Eiern abdecken?

Zumindest im Handel sehr gut. 2024 gab es hierzulande rund 7,4 Millionen Legehennen, die jährlich etwa 2,2 Milliarden Eier legen. Damit können wir rund 95 Prozent der Nachfrage durch heimische Betriebe abdecken. Dennoch muss man auch hier klar nach Haltungsform unterscheiden, denn im Bio-Bereich können wir die Nachfragen aktuell nicht mehr abdecken.

Welche Haltungsformen dominieren in Österreich?

Ein Großteil der Legehennen wird in Bodenhaltung gehalten – etwa 56 Prozent. Freilandhaltung macht rund 31 Prozent aus, Biohaltung rund 13 Prozent. Aber gerade im Bio-Bereich können wir - wie schon erwähnt - die Nachfrage nicht abdecken und dort, wo die Herkunft der Eier nicht ersichtlich ist, wie etwa in verarbeiteten Produkten, sind viele ausländische Eier versteckt, auch aus der Käfighaltung, die ja in Österreich seit 2020 strengstens verboten ist.

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60 Millionen gefärbte Eier essen die Österreicher zu Ostern. Vor allem im Bio-Bereich kann die Nachfrage kaum gedeckt werden.

Wie ist das möglich?

Eier in verarbeiteten Produkten, egal ob das Nudeln betrifft oder Gerichte in der Gastronomie, müssen nicht – wie das einzelne Ei im Supermarkt – gekennzeichnet werden. Durch die fehlende Transparenz ist in diesen Bereichen meist der Preis ausschlaggebend für die Kaufentscheidung und so wird oft zum billigen, ausländischen Flüssigei gegriffen - dann auch aus Käfighaltung. Hier wünschen wir uns, dass bei den verarbeiteten Produkten die Herkunft der Eier künftig angegeben werden muss.

Vor allem der Bio-Bereich steht unter Druck. Dort können wir die Nachfrage nach heimischen Produkten aktuell nicht abdecken.

Nicole Leitner

Wie treffen Sie die gestiegenen Kosten bei Energie und Futtermittel?

Wir haben schon vor vielen Jahren damit begonnen, unseren Hof möglichst unabhängig aufzustellen. Wir haben eine Photovoltaikanlage, die einen großen Teil des Strombedarfs deckt, unser Lieferauto ist elektrisch. Außerdem bauen wir viel Getreide selbst an, das wir dann für die Fütterung verwenden. So leben wir einen funktionierenden Kreislauf und das fühlt sich nicht nur gut an. Es stabilisiert uns auch die Produktionskosten.

Wie sehen Sie die Zukunft der heimischen Eierproduktion?

Entscheidend ist, dass die heimischen Betriebe weiter gestärkt werden - und das geht ausschließlich über die Qualität unserer Produkte. Ich bin überzeugt, dass die Konsument/innen Qualität und Herkunft schätzen, und das gibt uns Planungssicherheit für die nächsten Jahre.

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Unter der Marke Kastner‘s Bio Eier verkaufen Nicole und Bernhard Leitner ihre Eier im eigenen Hofladen in Anif.

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