In Österreich wird laut aktuellen Daten bereits jeder dritte land- und forstwirtschaftliche Betrieb von einer Frau geführt, in Summe rund 28.000 Höfe. Bäuerinnen sind als Betriebsführerinnen, Unternehmerinnen, Verarbeiterinnen und Wissensvermittlerinnen im Einsatz und sichern damit nicht nur hochwertige Lebensmittel, sondern auch die Pflege der Kulturlandschaft und den Zusammenhalt im ländlichen Raum.
Neben der Arbeit am Hof leisten Frauen weiterhin überdurchschnittlich viel unbezahlte Care- und Hausarbeit, was ihre finanzielle Absicherung im Alter schwächt. 2023 lag die durchschnittliche Pension von Bäuerinnen um rund ein Drittel unter jener ihrer männlichen Kollegen. Das ist eine Lücke, die mit kürzeren Versicherungszeiten und niedrigeren Beiträgen erklärt wird.
UNO-Jahr 2026 als Chance für Bäuerinnen
Die Vereinten Nationen haben 2026 zum „International Year of the Woman Farmer“ erklärt, um die Leistungen von Frauen in den Agrarsystemen sichtbar zu machen und strukturelle Hürden abzubauen. Ziel ist es, weltweit auf ungleichen Zugang zu Land, Finanzierung, Bildung und Beratung aufmerksam zu machen und Investitionen in die wirtschaftliche Stärkung von Frauen zu lenken. In Österreich sehen bäuerliche Vertretungen das Themenjahr als Chance, Anliegen von Bäuerinnen – von fairer sozialer Absicherung bis zu besseren Förderzugängen – auf die politische Agenda zu setzen. Denn ohne Verbesserungen bei Finanzierung und Ressourcen droht sich die bestehende Pensions- und Einkommenslücke für Frauen am Land zu verfestigen.
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Infografik Betriebsführung im Ländervergleich
„Stalleinblicke“: Frauen in der Tierhaltung zeigen ihren Alltag
Eine konkrete Initiative rund um das Themenjahr ist die Kooperation zwischen Bäuerinnen-Organisationen und der Nachhaltigen Tierhaltung Österreich. Unter dem Titel „Stalleinblicke“ sollen 2026 auf der Social-Media-Plattform StadtLandTier tierhaltende Bäuerinnen aus allen Bundesländern ihren Hofalltag, ihre Motivation und ihren Zugang zu Tierwohl und Qualitätsproduktion vorstellen.
Die Beiträge sollen zeigen, wie Bäuerinnen ihre Betriebe mit Fachwissen und Unternehmergeist führen und welche Rolle sie für Versorgungssicherheit und regionale Wertschöpfung spielen. Gleichzeitig soll das Projekt Bilder vom „typisch männlichen Betriebsleiter“ aufbrechen und mehr junge Frauen ermutigen, Verantwortung am Hof zu übernehmen.
Gleichstellung in der Landwirtschaft: mehr als ein Lippenbekenntnis
Auf europäischer Ebene spiegelt der Gleichstellungsindex, den das Europäische Institut für Gleichstellungsfragen berechnet, den langsamen, aber stetigen Fortschritt wider: 2025 lag der EU-Schnitt bei 63,4 Punkten, Österreich kam auf etwas über 61 Punkte. Trotz Verbesserungen in den vergangenen Jahren sehen bäuerliche Vertreterinnen weiter großen Handlungsbedarf. Bundesbäuerin Irene Neumann-Hartberger fordert daher, Gender-Aspekte systematisch in allen agrarpolitischen Entscheidungen mitzudenken, etwa bei Fördermodellen und Investitionsprogrammen, die gezielt auf Diversifizierung mit geringeren Investitionshöhen ausgerichtet werden könnten. „Es reicht nicht, rechtlich gleichgestellt zu sein, Frauen müssen ihr Potenzial entfalten können – dazu braucht es gleiche Chancen und verlässliche Rahmenbedingungen“, betont sie.
Untersuchungen der Europäischen Investitionsbank zeigen, dass Unternehmerinnen im Schnitt weniger risikofreudig, aber kreditverlässlicher sind, stärker in Weiterbildung investieren und in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung oft besser abschneiden. Davon würden am Ende Familien, ländliche Regionen und die Demokratie gleichermaßen profitieren, wenn mehr weibliche Expertise in agrarische Gremien und Entscheidungsprozesse einfließt.
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