Teilnehmer aus vier Ländern nämlich Italien, der Schweiz, Deutschland und Österreich versammelten sich bei der Tagung „Innovationen im Alpenraum“, besser bekannt unter dem früheren Namen „Landtechnik im Alpenraum“. „Wir wollen damit den Blickwinkel öffnen und die Gesamtheit des alpinen Raums und die damit verbundenen Herausforderungen beleuchten“, betonte Heinrich Prankl, Leiter für Forschung und Innovation am Francisco Josephinum in Wieselburg.
Neben dem Namen hat sich auch der Veranstaltungsort geändert. Erstmals fand die Tagung im Innovationszentrum vom Traktorenwerk Lindner in Kundl statt. Hausherr David Lindner erklärte gleich zu Beginn wie man sich als kleiner Hersteller gegen die vier globalen Player, die gemeinsam mit mehr als 80 Prozent in Österreich den Traktorenmarkt dominieren, behaupten kann: „Es geht darum Nischen zu nutzen und innovativ zu sein.“ So bietet man vor allem technische Sonderlösungen bereits ab Werk an.
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Megatrends treffen auf spezielles Terrain
Michael Reder, Produktmanager bei Reform, sprach über die spezifischen Herausforderungen der Berglandtechnikbranche. „Die Bewirtschaftung von Steilflächen gestaltet sich oft schwierig. Auf Grund der komplexen Bedingungen haben die Bergbauern hohe Ansprüche an die Technik. Das heißt aber nicht, dass alles was technisch möglich auch sinnvoll ist.“
Megatrends wie Digitalisierung, Elektrifizierung und Autonomie seien jedoch auf dem Vormarsch, werden in Nischen aber mit speziellen Herausforderungen konfrontiert. Stefan Lindner betonte in diesem Zusammenhang, dass moderne Technologien Zeit brauchen, um am Markt eingeführt zu werden: „Es geht um Innovationen in kleinen Schritten.“
Robotik auch für Bergland bald marktreif
Wiewohl laut Franz Handler, Abteilungsleiter für Landwirtschaftliche Verfahrenstechnik in Wieselburg, die Robotik-Technologie auch für die Berglandwirtschaft langsam reif werde. So zeigte er Chancen, aber auch klare Grenzen auf. Der Einsatz von Robotern im Grünland beginne lange vor dem ersten Einsatz am Feld. Zentrale Voraussetzung ist laut Handler die genaue Kenntnis der Fläche: „Wir sprechen hier vom sogenannten digitalen Zwilling.“ Erst durch die Verknüpfung von Karten-, Wetter- und Maschinendaten entsteht eine fundierte Planungsbasis für den Robotereinsatz.
„Im Berggebiet braucht es viel mehr Daten“, so Handler und verwies unter anderem auf Hanglagen, Bodenfeuchte, Hindernisse sowie den Zustand der Grasnarbe, welche allesamt die Einsatzmöglichkeiten maßgeblich beeinflussen. Auch die Navigation bleibt eine Herausforderung – insbesondere dort, wo RTK-GNSS-Signale durch Gelände oder Bewuchs gestört werden.
Arbeitswirtschaftlich sind Roboter derzeit noch kein Ersatz für klassische Technik, da bei kleinen, autonomen Einheiten höhere Nebenzeiten anfallen, wie etwa für Transport und Rüstung. Und: „Autonomer Schlagwechsel ist technisch und verkehrsrechtlich nicht möglich“, so Handler. Ihr Potenzial könnten Roboter aber in Randzeiten entfalten. „Die verfügbare Feldarbeitszeit außerhalb der Dienstzeit der Bedienungsperson kann umso besser ausgenützt werden“, erklärt Handler. Besonders bei größeren Schlägen können sie eigenständig weiterarbeiten und so Arbeitsfenster erweitern.
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Einsatz von Drohnen als Ergänzung
Im alpinen Raum eröffnen auch Drohnen neue Möglichkeiten – insbesondere dort, wo steiles Gelände und schwer zugängliche Flächen den Arbeitsalltag prägen. Für Stefan Hölzl-Strohmayr vom Drohnenring Österreich steht vor allem der praktische Nutzen im Vordergrund: „Drohnen ermöglichen eine schnelle Übersicht über große Flächen und reduzieren Kontrollgänge im schwierigen Gelände.“ Gerade in der Tierüberwachung und im Monitoring bieten sie damit einen klaren Mehrwert.
Aber auch in der Instandhaltung von Hütten und alpiner Infrastruktur kommen Drohnen bereits zum Einsatz. Oftmals sind betroffene Bereiche nur schwer erreichbar, während Kontrollen mit erheblichem Zeit- und Sicherheitsaufwand verbunden sind. „Drohnen ermöglichen hier eine effiziente visuelle Erfassung“, so Hölzl-Strohmayr.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Einsatz von Agrardrohnen. Im Berggebiet sind zahlreiche Flächen für klassische Maschinen kaum oder nur mit großem Aufwand zugänglich. „Drohnen ermöglichen hier eine gezielte Bewirtschaftung, insbesondere bei Maßnahmen wie dem Kalken oder der Düngung. Dadurch können auch schwer zugängliche Teilflächen effizient behandelt werden.“ Dabei bleibt die Rolle der Technologie klar definiert. „Drohnen sind keine Ersatzlösung, sondern eine gezielte Ergänzung bestehender Arbeitsweisen“, betont Hölzl-Strohmayr. Entscheidend sei weniger die Technik selbst als vielmehr deren Einbindung in bestehende Abläufe.
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Spotspraying und Roboter gegen den Ampfer
Über den neuesten Stand der Technik bei der Ampferbekämpfung informierte Thomas Meindl von der Innovation Farm. Die Plattform hat den „Rumbojet 880“ von der Firma Allgäu Automation, ein Gerät das mittels Spotspraying gezielt Einzelpflanzen behandelt, bei einem Versuch getestet. Fazit: Die Ampferbekämpfung durch Spotspraying ist in der Praxis angekommen. Das Einsparungspotential von Pflanzenschutzmittel liegt zwischen 92 und 99 Prozent. Umgerechnet am Beispiel Harmony SX lassen sich Mittelkosten in der Höhe von 65 bis 72 Euro pro Hektar einsparen. Der Erfolg sei aber stark von der Geräteeinstellung abhängig: „Ein fixer Fahrer ist daher zu empfehlen, der überbetrieblich im Einsatz ist, da er mit den Einstellungen vertraut ist. Eine gemeinschaftliche Anschaffung ist sinnvoll. Es gibt den Wunsch von vielen Landwirten, den Rumbojet als Dienstleistung anzubieten“, so die Schlussfolgerung von Meindl.
Vorgestellt wurde auch Roboter zur automatisierten herbizidfreien Ampferbekämpfung. Dabei handelt es sich um den „Pratum“ von der Firma Paltech ebenfalls aus dem Allgäu. Der autonome Grünlandroboter bekämpft den Ampfer rein mechanisch und eignet sich damit auch für Biobetriebe. Der Roboter bohrt die Pflanze inklusive Wurzel aus dem Boden und die behandelte Stelle wird automatisch nachgesät. Die Innovation Farm wird dazu heuer im Herbst ein Praxisversuch machen.
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