Nachdem bereits vergangenes Jahr die Forschungsergebnisse zu Waldökologie, Genetik und Baumartenwahl vorgestellt wurden, standen diesmal Forsttechnik und Logistik im Fokus. Bei der Veranstaltung organisiert in Kooperation mit dem Österreichischen Walddialog des Forstwirtschaftsministeriums, dem Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) sowie der Boku University wurden vergangene Woche an zwei Tagen die neuesten Forschungsergebnisse aus insgesamt 16 Projekten vorgestellt. Sie alle wurden aus den Mitteln des Waldfonds unterstützt.
Turbo für praxisnahe Forschung
Der Fonds wurde als Zukunftspaket für Österreichs Wälder im Jahr 2020 beschlossen und umfasst ein Gesamtbudget in der Höhe von 430 Millionen Euro. Viele der zehn Maßnahmen richten sich direkt an die Bewirtschafter, Maßnahme 8 umfasst Forschung zu „klimafitten Wäldern“. „Das Besondere am Waldfonds ist, dass wir praxisorientierte Forschung unterstützen können“, so BMLUK-Sektionschefin Elfriede Anna Moser. Für die Forsttechnik und Logistik konnten im Rahmen des Waldfonds insgesamt Mittel von über zwei Millionen Euro bereitgestellt werden.
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Bei der Tagung: Boku-Forsttechnik-Prof. Karl Stampfer, Boku-Rektorin Eva Schulev-Steindl, BMLUK-Sektionschefin Elfriede Anna Moser, BFW-Direktor Peter Mayer und Boku-Vizerektor Gerhard Mannsberger
Bislang mit blauem Auge davon gekommen
Das Geld ist gut investiert. Denn die Herausforderungen angesichts des Klimawandels sind groß. Das zeigen die schon seit vielen Jahren deutlich erhöhten Schadholzmengen. Während in einigen deutschen Bundesländern und in Tschechien das Schadholz in manchen Jahren fast den ganzen Holzeinschlag ausmachte, sind in Österreich in dem Extremjahr 2019 11,7 Mio. Erntefestmeter ohne Rinde angefallen, also 62 Prozent. „Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen“, attestierte Herbert Kohlross von der Unternehmensberatung Forstwirtschaft. Es sei hierzulande in den letzten 15 Jahren gut gelungen, die Schadholzmengen sehr gut im Normaleinschlag unterzubringen. Freilich, das muss nicht so bleiben. „Die alten Lehrbücher, die besagen, dass sich der Borkenkäfer über 1000 Meter nicht aufhält, sind vollkommen obsolet. Gleichzeitig werden die häufigeren Extremwetterereignisse dafür sorgen, dass wir mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit mit zukünftigen Borkenkäferkatastrophen rechnen müssen“, so Kohlross.
Risiko Buchdrucker
Im Projekt RawLog unter der Leitung von Priv.-Doz. Gernot Hoch (Boku) entstand ein innovatives System zur Risikoanalyse des Buchdruckers an der Fichte. Alle Werkzeuge wurden im neu entwickelten Borkenkäfer-Dashboard (erreichbar über borkenkaefer.at) zusammengeführt, ein Gemeinschaftsprojekt der Boku und des BFW. Hochauflösende Karten zur Anfälligkeit von Standorten und Beständen, zu Schäden des Vorjahres, zur aktuellen Buchdruckerentwicklung und Trockenheitssituation bieten zentralen Hilfen für das Risikomanagement.
Abtransport und richtige Lagerung
Frisches Schadholz in Rinde wiederum begünstigt die Vermehrung des Borkenkäfers. „Wenn Schadholz in großer Menge anfällt, ist zuerst das Wichtigste: Es muss raus aus dem Wald, insbesondere wenn es sich um Nadelholz handelt – aus phytosanitären Gründen und um die Holzqualität möglichst zu erhalten“, so ManTra-Projektleiter Prof. Peter Rauch von der Boku. Ist ein Nahtransport direkt zum Kunden oder ein Ferntransport aus der Krisenregion (etwa Export bei Container und Schiffstransport) nicht möglich, wird ein Zwischenlager außerhalb des Waldes benötigt.
Nasslager
Frisches Holz mit hoher Feuchtigkeit eignet sich für Nasslager oder das Einschweißen in Folie. Im Waldfonds-Projekt ManTra wurden die Nasslager nach Kapazitäten, Ausstattung und Layout in Anwendungstypen unterteilt. Es entstanden praxisnahe Tools, mit denen sich optimale Layouts sowie Betriebs- und Investitionskosten berechnen lassen. Sie stehen kostenlos unter holzlogistikplattform.at zur Verfügung. Zudem wurden erstmals die in Österreich vorhandenen Lager erfasst. Sie bieten Kapazitäten von 1,1 Mio. Festmetern in Nasslagern und 600.000 Festmetern in Trockenlagern.
Trockenlagerung
Bei trockenem Holz wie es etwa nach Borkenkäferbefall vorkommt, können Trockenlager genutzt werden. „Beim Trocknen des Rundholzes, sei es durch Absterben oder in einem Trockenlager, entstehen Risse und das Splintholz verfärbt sich blau“, so Priv.-Doz. Michael Grabner von der Boku, der das Projekt InnoLa leitet. Dadurch mindere sich der Wert des Holzes, obwohl die Holzqualität, insbesondere die Festigkeit, über mehrere Jahre weitgehend erhalten bleibe.
Eine Form der Trockenlagerung ist die Stehendlagerung von bereits abgestorbenen Bäumen, die kein phytosanitäres Risiko mehr darstellen und nicht rechtzeitig geerntet wurden. Bislang wurden im Projekt SchadQual sechs Waldstandorte beprobt, die Bäume waren zu dem Zeitpunkt schon drei bis sieben Jahre abgestorben. Hier nur ein interessantes Detail: Die Stammfüße bis etwa 1,5 Meter waren nass – mit einer Feuchtigkeit von über 100 Prozent im Splintholz, darüber schloss abrupt trockenes Holz (ca. 20 % Feuchtigkeit) mit Trocknungsrissen an. Das feuchte Holz wird von Insekten und Pilzen befallen, was langfristig die Standfestigkeit der Bäume beeinträchtigt.
Entrindung
Die Entrindung stellt eine Möglichkeit der Borkenkäferbekämpfung dar, wenn das Holz nicht schnell aus dem Wald gebracht werden kann. In den Projekten BarkOff und DeBark wurde die Rinde im Zuge der Ernte mit einem Mastseilgerät und Prozessoraggregat sowie mit einem Harvesteraggregat durchgeführt. Durch den zusätzlichen Arbeitsschritt ging die Produktivität des Prozessors um ca. 35 Prozent zurück, jene des Harvesters um rund 25 bis 49 Prozent. Je nach Bauart der Walzen beim Prozessor blieben 13,8 bzw. 6,2 Prozent Restrinde auf den abgelängten Blochen zurück, beim Harvesteraggregat waren es im Schnitt 25 Prozent.
Forststraßen
Gleich zwei Projekte unter Univ. Prof. Karl Stampfer, Leiter des Boku-Instituts für Forsttechnik, beschäftigen sich mit Forststraßen. Sie sind die Grundlage für die Bewirtschaftung von Wäldern. Gleichzeitig können die Wege die hydrologischen Verhältnisse der Umgebung negativ beeinflussen. „Das heißt, sie erzeugen einen Oberflächenabfluss und dieser kann im schlechtesten Fall bei Starkregenereignissen dann zu einem Spitzenabfluss und in weiterer Folge zu Erosionen führen“, sagte Stampfer.
Im Forschungsprojekt RetForst wurde untersucht, wie Forststraßen gestaltet werden können, damit sie das Niederschlagswasser gezielt speichern und an den Wald abgeben. Ein Schwerpunkt war die Entwicklung geeigneter Substratmischungen. Dabei zeigte sich, dass die Korngrößenverteilung entscheidend ist – denn Feinanteile erhöhen die Stabilität, verringern jedoch die Infiltration. Besonders Kalkmarmor und Granit sollen sich als geeignete Materialien herausgestellt haben. Weniger gut sieht es derzeit mit den Kosten aus: 20 Euro pro Tonne.
FutureWoodTrans
In dem Projekt unter der Leitung der TU Graz wurden automatisierte Technologien erforscht. In Zusammenarbeit mit Palfinger Epsilon entstanden robotisierte Hebesysteme für das Be- und Entladen der Lkw. Ein weiterer Bereich konzentrierte sich auf das vollautomatisierte Fahren auf Forstwegen. Zudem wurden die Potenziale der Elektrifizierung von Maschinen untersucht. Im Herbst 2025 startete auf Basis der erfolgreichen Arbeit das vierjährige Folgeprojekt Auto-Forst.
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Im Projekt FutureWoodTrans wurden Roboter-Hebesysteme zum Be- und Entladen von Holz entwickelt.
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