Wenn Betriebsmittelkosten steigen, bietet die Sojabohne aufgrund ihrer biologischen Stickstofffixierung großes Potenzial. Der Sojaanbau befindet sich in Österreich auf einem Allzeithoch. 2025 lag die Anbaufläche bei 85.600 Hektar (ha), davon rund 34.000 ha in Bio. Bei konstanter Fläche konnten deutliche Ertragssteigerungen erzielt werden: Konventionell wurde ein Ertragsmittel von 31,8 dt/ha erzielt, um gut 3,7 dt/ha mehr als 2024. Dies ist – neben der letztjährigen günstigen Witterung – auch auf die kontinuierliche Entwicklung neuer Sorten zurückzuführen.
Züchtungsziele sind eine sichere physiologische Abreife mit hoher Ertragsstabilität. Die Reifezeit einer Sorte richtet sich nach Anbauregion, klimatischen Bedingungen und Vegetationslänge, weshalb standortangepasste Sorten eine grundlegende Voraussetzung für einen erfolgreichen Anbau darstellen. Darüber hinaus sind eine rasche und gleichmäßige Jugendentwicklung, eine gute Standfestigkeit, eine geringe Verunkrautung sowie verlustarme Ernte entscheidend. Ebenso ist die Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten wie Sklerotinia, Diaporthe/Phomopsis und Peronospora ein wesentliches Selektionskriterium, besonders für feuchtere Anbaugebiete. Für Speisesoja sind zudem ein hoher Proteingehalt, gute Kornausbildung, ein heller Nabel sowie geringe Samenfleckigkeit zentral. Die amtliche Sortenwertprüfung erfolgt in vier Reifegruppen: 0000 (sehr früh), 000 (sehr früh bis früh), 00 (früh bis mittelspät) und 0 (mittelspät). Der überwiegende Teil der Anbaufläche (rund 95 %) entfällt auf die beiden mittleren Reifegruppen, was sich in den Prüfserien widerspiegelt. Innerhalb einer Reifegruppe variiert die Reifezeit zwischen den Sorten um etwa sechs bis neun Tage, weshalb in der Sortenbeschreibung zusätzlich eine feinere Reifebenotung innerhalb der jeweiligen Gruppe vorgenommen wird.
Die Neuzulassungen
Im Dezember wurden acht neue Sojabohnensorten aus drei Reifegruppen registriert. Reifegruppe 000: Die hellnabelige Arvenna zeigt eine rasche Jugendentwicklung. Bei einer mittleren Wuchshöhe ist sie gut standfest. Mit einer Note 4 gehört sie zu den späteren 000-Sorten, ist aber deutlich früher reifend als beispielsweise Ancagua, Ascada und Azolia. Mit einem sehr hohen Proteingehalt zeigt die Sorte gute Ertragsleistungen in Korn und Qualität.
Reifegruppe 00: Die Sorte Canarix hat einen dunkelbraunen Nabel und blüht weiß. Sie ist raschwüchsig und standfest. Sie gehört mit einer Note 5 zu den frühen 00-Sorten und ist tendenziell früher reif als Annabella oder Simpol. Mit einer guten Blattgesundheit zeigt sie besonders im Trockengebiet gute Ertragsleistungen. Aosta gehört auch zu den früher reifenden 00-Sorten (Reife 5). Ihre Jugendentwicklung ist stark ausgeprägt und bei einer mittelhohen Wuchshöhe ist sie gut standfest. Für ihre frühe Reife ist Aosta sehr ertragsstark – besonders in den Gunstlagen. Die hellnabelige GL Hanni (6) zeigt bei einer hohen Wuchshöhe eine gute Standfestigkeit. Sie ist eine ölbetonte Sorte mit einer geringen Kornausfallanfälligkeit. Sie zeigt stabil hohe Ertragserwartungen, insbesondere an gut wasserversorgten Standorten. GL Neele gehört zu den spät reifenden 00-Sorten (6) und befindet sich ähnlich wie Delphi PZO an der Grenze zur 0-Reifegruppe. Sie zeigt sehr gute Ertragsleistungen an allen Anbaugebieten. Darüber hinaus zeichnet sich die Sorte mit einem sehr hohen Proteingehalt aus (Bestnote 9).
Reifegruppe 0: Die schwarznabelige Altaja ist raschwüchsig, mittelhochwachsend und mittelstandfest. Sie reift ähnlich wie Ezra (8). Sie ist eine ölbetonte Sorte und zeigt an allen Standorten überdurchschnittliche Ertragsleistungen (+2 bis +4 %). GL Loreen reift ähnlich wie Allumia (8), ist raschwüchsig und standfest. Sie ist eine proteinbetonte Sorte und zeigt hohes Leistungsniveau in Korn- und Proteinertrag. Ihre Krankheitsanfälligkeit lässt sich als gering bewerten. Die Sorte GL Cordula (Reife 8) hat einen dunkelbraunen Nabel.
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Bei sehr hoher Pflanzenhöhe ist sie äußerst standfest. Sie zeichnet sich mit einer guten Blattgesundheit aus und zeigt überdurchschnittliche Ertragsleistungen im Trockengebiet.
Bewährte Sorten
Reifegruppe 000: Im frühen 000-Reifebereich (2) sind besonders die weit etablierte Abaca und die etwas neuere Arietta zu nennen. Beide sind sehr rasch in der Jugendentwicklung und zeigen gute Standfestigkeit. Arietta ist über alle Anbauregionen betrachtet tendenziell noch etwas früher dran. Beide bringen verlässliche, gute Ertragsleistungen bei geringer Krankheitsanfälligkeit. Die beiden Sorten Aforia und Paprika bilden das mittlere 000-Reifesemgment (3) ab. Besonders Paprika ist eine weit verbreitete Sorte mit erwiesenem Leistungspotenzial im Korn- und Ölertrag. Aforia zeigt ebenso ein hohes Ertragsniveau im mittleren Reifesegment. Für das späte 000-Anbaugebiet (4) hat sich Adelifa lange bewährt: sehr raschwüchsig, geringe Krankheitsanfälligkeiten und bekannt für ein hohes Leistungspotenzial. Eine weitere vielversprechende Sorte mit ähnlicher Reife ist die Sorte Azolia, gut standfest mit einer mittleren Anfälligkeit gegenüber Sklerotinia. Mit sehr guten Erträgen in Korn und Qualität ist sie die leistungsstärkste Sorte im sehr späten 000-Reifesegment.
Reifegruppe 00: Im frühen 00-Reifebereich (5) haben sich Annabella und Simpol mit verlässlichen Ertragsleistungen etabliert. Aralia und Astronomix stellen bereits eine vielversprechende Alternative dar. Beide sind sehr raschwüchsig und gut standfest. Bei tendenziell früherer Reife zeigt die proteinbetonte Astronomix sehr gute Leistungen in gut wasserversorgten Regionen. Aralia zeichnet sich besonders in Kärnten und der Südsteiermark aus. Für das späte 00-Anbaugebiet (6) hatten sich lange die Sorten Lenka und Altona als geeignet erwiesen. Inzwischen gibt es auch weitere interessante Sorten. Zu erwähnen sind insbesondere Algebra, Australia und Delphi PZO, die eine attraktive Alternative darstellen. Auf sehr hohem Leistungsniveau überzeugt Algebra mit der Bestnote 9 im Kornertrag sowie ebenso hohem Proteinertrag, während Australia bei ähnlicher Leistungsfähigkeit früher abreift. Delphi PZO liefert in Gunstlagen gute Erträge, ist jedoch nur eingeschränkt für Standorte mit hohem Sklerotinia-Risiko geeignet.
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Erläuterungen zur Tabelle „Eigenschaften“
Niedrige Noten bedeuten eine geringe Ausprägung und hohe Noten eine starke Ausprägung der Eigenschaft – unabhängig davon, ob dies bei dem betreffenden Merkmal günstig ist oder nicht.
• 1 = sehr gering ausgeprägt, d. h.: sehr frühreif, sehr kurzwüchsig, sehr geringe Lagerneigung (sehr gute Standfestigkeit), sehr geringer Kornausfall, sehr geringe Krankheitsanfälligkeit, sehr geringe Erträge, sehr geringe Tausendkornmasse, sehr geringer Rohprotein- bzw. Ölgehalt
• 9 = sehr stark ausgeprägt, d. h.: sehr spätreif, sehr langwüchsig, sehr starke Lagerneigung (sehr geringe Standfestigkeit), sehr starker Kornausfall, sehr hohe Krankheitsanfälligkeit, sehr hohe Erträge, sehr hohe Tausendkornmasse, sehr hoher Rohprotein- bzw. Ölgehalt
Sämtliche Eigenschaften aller gelisteten Sorten sind abrufbar in der Österreichischen Beschreibenden Sortenliste 2025 oder im interaktiven Tool „Sortenfinder“.
www.baes.gv.at/pflanzensorten/oesterreichische-beschreibende-sortenliste
www.ages.at/service/service-landwirtschaft/agrar-online-tools/sortenfinder
Voraussetzungen
Grundvoraussetzung, um Zuchtfortschritt zu nutzen, ist eine einwandfreie Saatgutqualität mit einer Mindestkeimfähigkeit von mehr als 80 Prozent. Originalsaatgut wird amtlich auf Keimfähigkeit geprüft. Eine hohe Saatgutqualität gewährleistet raschen und lückenlosen Feldaufgang, fördert die Unkrautunterdrückung und hebt den Hülsenansatz, wodurch Ernteverluste reduziert werden.
Sojabohnen erreichen einen Rohproteingehalt von über 40 Prozent (in der Trockensubstanz). Voraussetzung dafür ist die biologische Stickstofffixierungsleistung mittels Rhizobien, die in unseren Böden nicht natürlich vorkommen. Aus diesem Grund ist eine fachgerechte Beimpfung bzw. Inokulation des Sojasaatgutes unerlässlich. Selbst bei vorbeimpftem Saatgut („saatfertiges Saatgut“) empfiehlt sich kurz vor der Aussaat eine zweite Beimpfung mit Flüssig- oder Torfsubstrat.
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