Schon zu Beginn seines Vortrags beim diesjährigen Akra-Karner Symposium in Neulengbach stellt der Bodenkundeexperte, Hans Unterfrauner, klar: Beim Stickstoff gehe es nicht in erster Linie um die ausgebrachte Menge, sondern um die effiziente Nutzung. Ein erheblicher Teil des Stickstoffs werde nicht pflanzenwirksam. Verluste über Luft und Wasser seien Realität, denn „der Boden ist keine Badewanne, sondern ein offenes Ökosystem. Und offene Ökosysteme sind per Definition davon geprägt, dass es Verluste geben wird.“ Für ihn ist das jedoch kein alleiniges Problem des verwendeten Düngers, sondern Ausdruck des Bodensystems.
Wirtschaftsdünger enthalten wertvolle Nährstoffe. Entscheidend sei jedoch, ob der Boden diese Nährstoffe auch halten und steuern könne. Wenn Struktur und Nährstoffverhältnisse nichtzutreffend sind, steige das Risiko von Verlusten. Die Diskussion müsse daher weg von der reinen Mengen-Betrachtung und hin zur Frage der Effizienz.
Unterfrauner spricht von einem System, in dem Stickstoff nicht alleinsteht, denn dieser wirke mit Kalzium, Magnesium, Kalium und Phosphor zusammen. Sollte dieses Verhältnis aus dem Gleichgewicht geraten, könne auch die Stickstoffverwertung darunter leiden.
Struktur, Basensättigung und KAK
Ein zentraler Punkt des Vortrags ist die Kationenaustauschkapazität (KAK), also die Fähigkeit des Bodens beim vorliegenden pH-Wert positiv geladene Nährelemente zu binden. Unterfrauner betont diesbezüglich die Bedeutung der Basensättigung. Entscheidend sei, wie basische Kationen wie Kalzium, Magnesium und Kalium verteilt sind, denn Verhältnisse beeinflussen die Struktur des Bodens. Er unterstreicht auch die Bedeutung stabiler Ton-Humus-Komplexe als Voraussetzung für funktionierende Prozesse im Boden. Ist das Gefüge gestört, könne der Boden Nährstoffe nicht optimal nutzen. Wirtschaftsdünger wirken in diesem Zusammenhang nicht isoliert. Ihre Effizienz hängt davon ab, wie das Bodensystem „eingestellt“ ist. Ist die Struktur gut, könne Stickstoff besser gehalten und umgesetzt werden. Ist das jedoch nicht der Fall, entstünden Verluste.
Der Bodenkundler bringt damit auch eine wirtschaftliche Perspektive in den Diskurs ein. Jedes verlorene Kilogramm Stickstoff sei ein Kostenfaktor. Effizienz bedeute daher, vorhandene Nährstoffe besser zu nutzen, anstatt nur über zusätzliche Gaben nachzudenken. „Es gibt jedoch einfachste und kostengünstige Methoden, um die Stickstoffverluste bei der Ausbringung von Wirtschaftsdüngern deutlich zu reduzieren“, ist Unterfrauner überzeugt und bringt dem Publikum Versuchsergebnisse der Firma Akra näher, bei denen Schweinegülle mit Wasser verdünnt, beziehungsweise zusätzlich ein Güllezusatz „Akra-WD“ beigesetzt wurde. Unterfrauners Zahlen zufolge ließen sich die Stickstoffverluste bei Verdünnung mit Wasser um 10% reduzieren, bei zusätzlicher Beigabe der unternehmenseignen Ölmixtur seien sogar Reduktionen um ein Viertel möglich.
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Wer seine Böden und deren Entwicklungen im Griff hat, kann aus Wirtschaftsdüngergaben mehr herausholen.
Die richtige Entscheidungsgrundlage finden
Ein weiterer Schwerpunkt seines Vortrags galt der Bodenanalytik. Unterfrauner kritisiert, dass übliche Analysemethoden oft nur einen Teil der Realität abbilden. Für ihn genügt es nicht, pflanzenverfügbare Gehalte in absoluten Zahlen zu betrachten. Daher setzt er auf die fraktionierte Bodenanalyse. Diese unterscheidet zwischen wasserlöslichen Anteilen, austauschbaren Nährstoffen und Reservefraktionen und deren Verhältnis zueinander. Dadurch werde sichtbar, welche Potenziale im Boden vorhanden sind. Nicht alles, was gebunden ist, sei verloren. Entscheidend sei, ob das System in der Lage ist, Reserven zu mobilisieren. Insbesondere im Zusammenhang mit Wirtschaftsdüngern sieht Unterfrauner hier einen wesentlichen Ansatzpunkt. Wer nur Momentwerte betrachtet, könne die langfristige Entwicklung des Bodens nicht beurteilen. Die fraktionierte Analyse liefere die Grundlage, um gezielt zu steuern und Ungleichgewichte zu erkennen. Er spricht davon, dass Analytik nicht Selbstzweck sein dürfe. Sie soll dabei helfen, das System zu verstehen, um auf dieser Grundlage anschließend die richtigen Entscheidungen für den Boden zu treffen. Wirtschaftsdünger seien Teil dieses Systems. Ihre Wirkung hänge davon ab, wie gut das Zusammenspiel von Struktur, Basensättigung und biologischer Aktivität funktioniere.
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