Bauer auf dem Acker

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Vor- und Nachauflauf sind in der Sojabohne Trumpf

Resistenzen gegen Sulfonylharnstoffe machen Vorauflaufbehandlungen in der Sojabohne notwendig. Zugleich ist mit Artist ein breit wirksames Vorauflaufmittel verloren gegangen. Welche Herbizidstrategien heuer Erfolg versprechen.

Sojabohne gewinnt in den Fruchtfolgen weiter an Bedeutung. In puncto Pflanzenschutz gibt es einiges zu beachten.

Notfallzulassungen

Zur Bekämpfung von Drahtwurm und Saatenfliege in der Sojabohne wurden Force Evo (Pfl.Reg.Nr.: 3737-0) und Belem 0.8 MG (Pfl.Reg.Nr.: 4067-0) zur Bekämpfung der Reiswanze Sivanto Prime beantragt. Belem 0.8 MG ist in der Sojabohne bereits mit 12 Kilogramm pro Hektar (kg/ha) zur Saat mit den Indikationen Saatenfliege und Drahtwurm zugelassen. Auch Pulsar Plus hat in der Sojabohne für die Splittinganwendung mit zweimal einem Liter je Hektar eine Zulassung erhalten.

Vorauflaufherbizide

Nachdem sich Resistenzen bei Amarant und Weißem Gänsefuß immer mehr ausbreiten, wird eine Vorauflaufbehandlung generell empfohlen. Vorauflaufmittel werden drei bis fünf Tage nach der Saat ausgebracht und haben eine Wirkung auf viele ein- und zweikeimblättrige Samenunkräuter. Auch das Auftreten von Ambrosia ist ein weiterer Grund, warum auf eine Vorauflaufbehandlung nicht verzichtet werden soll.

Neophyten wie Schönmalve, Stechapfel und Spitzklette lassen sich aber nur im Nachauflauf mit dem Wirkstoff Imazamox bekämpfen. Auch Wurzelunkräuter können nur im Nachauflauf korrigiert werden. Für die Verträglichkeit der Vorauflaufmittel ist eine Saattiefe von zumindest drei Zentimetern einzuhalten. Für eine gute Wirksamkeit der Vorauflaufmittel sind weiters ein feinkrümeliges Saatbeet und eine entsprechende Bodenfeuchtigkeit notwendig.

Spectrum Plus (Wing P, Star Dimethenamid-P+Pendimethalin) sollte in der Sojabohne aus Verträglichkeitsgründen nur mit 2,5 Liter pro Hektar (l/ha) verwendet werden. Das gleiche gilt für die Kombination aus max. 1,5 l/ha Stomp Aqua + 2 l/ha Successor 600 oder auch 1 l/ha Spectrum + max. 1,5 l/ha Stomp Aqua. Eine Anwendung von Pendimethalin (Stomp Aqua, Spectrum Plus) bei der Sorte ES Comandor und Cypress wird nicht empfohlen.

Nach dem Wegfall des Wirkstoffes Metribuzin ist Proman nun das einzige Herbizid zur Bekämpfung der Ambrosie im Vorauflauf. Zur Absicherung der Hirseleistung und zur Wirkungsverstärkung auf Amarant und Ambrosie sollten aber 2 bis 2,5 l/ha Proman noch mit 0,75 bis 1 l/ha Spectrum kombiniert werden.

Auch der Soja-Pack kann im Vorauflauf eingesetzt werden. Dabei kommen 2 l/ha Successor 600 und 0,25 l/ha Reactor zum Einsatz. 2 l/ha Successor 600 und 0,25 l/ha Reactor können noch mit 1 l/ha Stomp Aqua kombiniert werden, um die Wirkung auf Amarant, Melde, Ehrenpreis, Stiefmütterchen und Knöterich zu verstärken.

In der Praxis werden auch Mischungen von 2 bis 2,5 l/ha Proman, 0,75 bis 1 l/ha Spectrum und 0,25 l/ha Reactor eingesetzt. Auch 1,5 l/ha Conaxis (Fertigformulierung von Dimethenamid-P und Clomazone) können mit 2 bis 2,5 l/ha Proman kombiniert werden.

Mittel für den Nachauflauf

Meist findet man in der Sojabohne mit einer reinen Vorauflaufbehandlung nicht das Auslangen. Imazamox (Pulsar 40, Pulsar Plus) ist dabei der bedeutendste Wirkstoff. Damit ist eine Wirkung auf Spitzklette, Schönmalve und Stechapfel gegeben. Ambrosie kann bis zum Zweiblattstadium korrigiert werden. Zudem wird auch der Schwarze Nachtschatten sehr gut bekämpft.

Damit die Druschfähigkeit gegeben ist, muss unbedingt auch der Schwarze Nachtschatten bekämpft werden. Aufwandmengen von 0,75 l/ha Pulsar 40 + Netzmittel sind dafür notwendig. Wenn auch noch Hirsen ein Thema sind, können 0,75 l/ha Pulsar 40 mit 1,25 bis 1,5 l/ha Focus Ultra kombiniert werden. Zu Pulsar 40/Pulsar Plus sollte aus Verträglichkeitsgründen ausschließlich das Gräsermittel Focus Ultra dazugegeben werden. Mit 0,75 l/ha Pulsar 40 kann auch Winde gut bekämpft werden.

Spitzklette, Schönmalve und Stechapfel

Spitzklette, Schönmalve und Stechapfel laufen oft in Wellen auf. Mit Pulsar Plus können zweimal 1 l/ha eingesetzt werden. Auch Pulsar Plus sollte, wenn notwendig, nur mit dem Gräsermittel Focus Ultra kombiniert werden. Sind auch Quecke und Johnsongras in der Sojabohne zu bekämpfen, so sind zum Beispiel 2,5 bis 3 l/ha Focus Ultra zu verwenden. Müssen Winde und Distel in der Sojabohne bekämpft werden, sollte eine Splittinganwendung von jeweils 7,5 g/ha Harmony SX und 0,1 % Netzmittel erfolgen. Dazu können, wenn notwendig, alle Gräsermittel dazugegeben werden. Keinesfalls sollten Mischungen von Harmony SX + Pulsar 40/Pulsar Plus + Gräsermittel eingesetzt werden.

Resistenter Amarant

Resistener Amarant

Schwarzer Nachtschatten

Schwarzer Nachtschatten

Schönmalve

Schönmalve

Erwachsene Reiswanze

Erwachsene Reiswanze

Sclerotinia-Mycel an den Schoten

Sclerotinia-Mycel an den Schoten

Ambrosie

Ambrosie

Spitzklette

Spitzklette

Stechapfel

Stechapfel

Raupe des Distelfalters

Raupe des Distelfalters

Grüne Reiswanze

Die aus Ostafrika stammende Wanze war anfänglich nur im Mittelmeerraum verbreitet. Aufgrund der Klimaerwärmung breitet sie sich auch zunehmend Richtung Norden aus. Die Grüne Reiswanze befällt Gemüse, Obst und im Ackerbau vor allem Hülsenfrüchte. Die Weibchen der Grünen Reiswanze legen zuerst ihre gelblichen und später rot gefärbten Eier in Gelegen auf der Blattunterseite ab. Die daraus schlüpfenden Larven durchlaufen fünf sehr unterschiedlich gefärbte Larvenstadien. Sie halten sich meist gruppenweise auf den Pflanzen auf, wo sie genauso wie die erwachsenen Tiere vor allem an Früchten, aber auch an Blättern saugen. Die milden Winter ermöglichen ihnen ein Überleben. Werden Hülsen in der Sojabohne zum Zeitpunkt der Kornfüllung angesaugt, können Körner nicht oder nur mangelhaft ausgebildet werden. 2026 wurde eine Zulassung von Sivanto Prime zur Bekämpfung der Reiswanze nach Artikel 53 beantragt.

Distelfalter

Sojabohnenbestände sollten auf den Befall der Raupen des Distelfalters kontrolliert werden. Man findet auf den Blättern ein bis vier Zentimeter große, dunkle Raupen mit einem dichten schwarzen Haarkleid und hellgelben seitlichen Punkten. Die Blätter rollen sich leicht ein, man findet die Raupen in einem Gespinst. Eine allgemeine Zulassung für saugende und beißende Insekten in der Sojabohne hat Karate Zeon (RegisterNr.: 3061-0), Wirkstoff Lambda Cyhalothrin (Pyrethroid). Die Aufwandmenge je Hektar beträgt 0,075 l/ha.

Sclerotinia sclerotiorum

Sclerotinia kann am besten durch Einhaltung einer dreijährigen Anbaupause kontrolliert werden. Dabei ist zu beachten, dass die Anbaupause auch zu anderen sclerotiniaanfälligen Kulturen wie Sonnenblume, Kreuzblütlern, anderen Leguminosen sowie Zwischenfrüchten dieser anfälligen Familien einzuhalten ist. Die Sortenanfälligkeit ist ein weiteres Kriterium, wobei die meisten Sorten eine mittlere Anfälligkeit haben.

Als Pflanzenstärkungsmittel kann Trifender WP (Bodenpilz Trichoderma asperellum) gemeinsam mit Knöllchenbakterien auf das Saatgut aufgebracht werden. Dabei werden 200 g/100 kg Saatgut eingesetzt. Alternativ kann 1 kg Trifender WP auch vor der Saat seicht eingearbeitet werden. Im Stadium der Blüte haben Produkte wie 1 l/ha Propulse oder auch 1 l/ha Amistar Gold eine Zulassung. Propulse hat auch eine Zulassung bei Diaporthe.

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