Pflügen am Acker

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Zivildiener als Retter in der Not

Krankheit, Unfall oder ein Todesfall – auf vielen Bauernhöfen kann ein plötzlicher Notfall den Betrieb erheblich belasten. In solchen Situationen leisten Zivildiener wertvolle Unterstützung.

Von einem Tag auf den anderen kann sich das Leben auf einem landwirtschaftlichen Betrieb grundlegend ändern. Krankheit, Unfall oder der Tod des Betriebsführers bringen viele Höfe an ihre Grenzen. Wo plötzlich eine zentrale Arbeitskraft fehlt, kommt die landwirtschaftliche Betriebshilfe durch Zivildiener ins Spiel. Sie helfen schnell und unbürokratisch und entlasten die betroffenen Familien in schwierigen Zeiten.

Die Organisation und Betreuung der Einsätze übernimmt die Abteilung Landwirtschaftsförderung des Amtes der NÖ Landesregierung. Ziel ist es, in Notlagen eine zuverlässige Unterstützung zu gewährleisten und den bäuerlichen Betrieb vorübergehend abzusichern. In Niederösterreich sind rund 20 Zivildiener das ganze Jahr über im Einsatz und unterstützen etwa 70 landwirtschaftliche Betriebe.

Voraussetzung: Traktorführerschein und Interesse

Zivildiener, die auf landwirtschaftlichen Betrieben eingesetzt werden, bringen oft praktische Erfahrung mit, etwa durch einen eigenen landwirtschaftlichen Hintergrund. Ein Traktorführerschein und Interesse an der Landwirtschaft sind Voraussetzung. Vor dem Einsatz absolvieren die jungen Männer eine einwöchige Schulung an der Landwirtschaftlichen Fachschule Gießhübl. Hier werden Kenntnisse in Nutztierhaltung, Pflanzen- und Obstbau, Waldwirtschaft und Technik aufgefrischt und vertieft. Neben der fachlichen Vorbereitung werden auch Vorträge zu psychischer Gesundheit und Umgang mit Stresssituationen angeboten.

Der 20-jährige Maximilian Meissinger hat diese Schulungswoche bereits hinter sich. Der Absolvent der HBLFA Raumberg-Gumpenstein leistet derzeit seinen Zivildienst auf einem Milchviehbetrieb im Mostviertel. „Den Hof führt eine Bäuerin mit mehreren Kindern. Vor geraumer Zeit ist der Ehemann bei einem Arbeitsunfall verstorben. Seitdem unterstützen Zivildiener, um die Familie zu entlasten“, erzählt Meissinger. Sein Arbeitstag beginnt früh mit dem Melken, gefolgt von Fütterung, Ausmisten und Maschinenwartung. Zusätzlich hilft er bei der Feldarbeit und künftig auch im Forst. „Die Arbeit ist vielfältig und die neun Stunden täglich sind gut geregelt. Man arbeitet von Montag bis Freitag, das Wochenende ist frei.“ Der Zivil-

diener lebt direkt im Bauernhaus und fühlt sich vollständig in den Alltag der Familie integriert: „Es ist wichtig, ein gutes Verhältnis zu den Menschen auf dem Hof zu pflegen. Ich bin hier wirklich Teil der Familie geworden.“

Die größte Herausforderung sei nicht die körperliche Arbeit, sondern der sensible Umgang mit den emotional belasteten Familienmitgliedern. „Viele Betriebe erleben gerade einen schweren Schicksalsschlag. Da zuzuhören, sich einzufügen und die Familie zu unterstützen, ist manchmal anspruchsvoller als die landwirtschaftlichen Arbeiten selbst“, betont Meissinger.

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Maximilian Meissinger ist derzeit auf einem Milchviehbetrieb im Einsatz.

Mit Sinn und Verantwortung

Für Maximilian ist der Zivildienst mehr als nur ein Pflichtprogramm. „Ich komme aus der Landwirtschaft und wollte etwas Sinnvolles tun. Ich kann den Betrieb mitgestalten und dazu beitragen, dass die Existenz der Familie gesichert wird. Das gibt einem ein sehr gutes Gefühl.“ Besonders die gemeinsame Zeit mit den Kindern und das direkte Mitwirken am Erhalt des Hofes empfindet er als bereichernd. „Es ist eine einzigartige Erfahrung, in eine neue Familie einzutauchen, Verantwortung zu übernehmen und echten Zusammenhalt zu erleben.“

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