Traktor auf dem Feld wirbelt Staub auf.

Copyright © LK OÖ

Bangen um Ernte: LK OÖ fordert Freigabe von Flächen zur Futternutzung

Die vergangenen Wochen mit ihren fehlenden Niederschlägen haben bereits Ertragsverluste von bis zu 50 Prozent beim ersten Schnitt gebracht.

Oft sind die „Eisheiligen“ (11. bis 15. Mai), die traditionell das Ende der Frostperiode bedeuten, gefürchtete Tage. Heuer bringen sie voraussichtlich eine leichte Entspannung der seit Wochen andauernden Trockenheit mit sich. Die heuer außergewöhnlich trockene Wetterlage setzt der heimischen Landwirtschaft enorm zu. Seit Beginn der Vegetationsperiode fehlen Niederschläge – regional betrachtet beträgt das Defizit ungefähr 30 bis 50 Prozent.

Wasserdefizite im Boden: über Wochen verschärft

Laut „GeoSphere Austria“ zählt der April 2026 zu den trockensten seit Beginn der Messungen. Schon im März lagen die Niederschlagsmengen in weiten Teilen Oberösterreichs deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt, was bereits bestehende Wasserdefizite im Boden weiter verschärfte. „Viele Böden sind komplett ausgetrocknet und die Sorgen um die Ernte wachsen täglich. Auch der Wind verschärft die Lage zusätzlich“, informierte Oberösterreichs Agrarlandesrätin bereit in der vergangenen Woche.

Besonders unter Druck stehen viehhaltende Betriebe. „Die vergangenen Wochen haben gezeigt, wie rasch sich die Situation zuspitzen kann. Viele Betriebe beobachten bereits erhebliche Ertragsverluste und sorgen sich um die weitere Entwicklung in den kommenden Monaten“, so Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Oberösterreich. Daten aus der Praxis und Ertragsauswertungen zeigten schon Verluste beim ersten Schnitt in der Höhe von 40 bis 50 Prozent. „Der erste Schnitt im Grünland ist der wichtigste und ertragreichste Schnitt des Jahres, der oft 40 Prozent des Gesamtertrags ausmacht“, betont Langer-Weninger. Entscheidend seien nun die nächsten Wochen.

Auch im Ackerbau hat sich die fehlende Bodenfeuchtigkeit bei zahlreichen Kulturen zuletzt schon in Form von ersten Wachstumsverzögerungen bemerkbar gemacht. Jungpflanzen entwickeln sich nur eingeschränkt, während sich Trocken- und Hitzestress mit steigenden Temperaturen zusätzlich verstärken.

Für die Betriebe verschärft sich die Lage zusätzlich durch hohe Produktionskosten. Energie, Diesel und Betriebsmittel bleiben teuer, während die Erträge unsicherer werden. „Neben dem schon vereinbarten Agrardiesel für 2027 und 2028 fordern wir daher weitere Entlastungsmaßnahmen für das Jahr 2026“, so Langer-Weninger.

Bauernhöfe stehen mehrfach unter Druck

Auch die Landwirtschaftskammer Oberösterreich verweist auf die wirtschaftliche Belastung von bäuerlichen Betrieben. „Viele Höfe stehen derzeit gleich mehrfach unter Druck. Sinkende Ertragserwartungen bei gleichzeitig hohen laufenden Kosten machen die Situation für zahlreiche Betriebe äußerst herausfordernd“, so Waldenberger. Es brauche daher nun rasche und praxisnahe Maßnahmen für eine schnelle Hilfe und mehr Flexibilität:

  • eine frühere Nutzung von Biodiversitätsflächen im Grünland

  • flexiblere Regelungen bei Acker-Biodiversitätsflächen

  • zusätzliche Entlastungen bei Betriebsmittelkosten

Die vergangenen Wochen haben gezeigt, wie rasch sich die Situation zuspitzen kann. Viele Betriebe beobachten schon erhebliche Ertragsverluste.

Franz Waldenberger

Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ

Erleichterungen können lediglich abfedern

„Diese von uns geforderten Erleichterungen bezüglich der Nutzung von Biodiversitätsflächen können insgesamt die prognostizierten Defizite nicht ausgleichen, aber für unsere Bäuerinnen und Bauern wären es in der aktuellen Situation wichtige Entlastungen. Mit der Nutzung von Grundfutter von Brache- beziehungsweise Biodiversitätsflächen soll der zusätzlich notwendige Import von Futtermitteln entsprechend reduziert werden und auch in dieser Ausnahmesituation eine wiederkäuergerechte Fütterung sichergestellt werden“, erklärt Waldenberger.

Zusätzlich wird die Landwirtschaftskammer Beratungsschwerpunkte setzen, um vorhandene Futterpotenziale bestmöglich zu nutzen. Dabei geht es etwa darum, den Zwischenfruchtanbau nach der Räumung erster Getreideflächen gezielt für die Futterproduktion einzusetzen oder auf Gemischtbetrieben zu prüfen, ob Getreidebestände gegebenenfalls als Ganzpflanzensilage (GPS) genutzt werden können.

Mehr Wetterextreme, mehr heftige Unwetter

Was die zunehmenden Wetterextreme durch den fortschreitenden Klimawandel zugleich bedeuten: Auf lange Trockenperioden folgen immer häufiger heftige Unwetter, wie sich das erst vergangene Woche im Innviertel zeigte (siehe Artikel rechts). Umso wichtiger sei ein verlässlicher Schutzschirm für die bäuerlichen Familienbetriebe, betont die Landesrätin. Gemeinsam mit dem Bund unterstützt das Land OÖ die Bäuerinnen und Bauern und übernimmt 55 Prozent der Versicherungsprämie der Hagelversicherung.

Neben dem bereits vereinbarten Agrardiesel für 2027 und 2028 fordern wir weitere Entlastungsmaßnahmen für das Jahr 2026.

Michaela Langer-Weninger

Agrarlandesrätin Oberösterreich

Weitere Artikel