Bäuerin und Bauer blicken auf ein großes Feld.

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Umfrage: Wie zufrieden sind Bäuerinnen und Bauern mit der OÖ Landwirtschaftskammer?

Eine Umfrage erhob die Zufriedenheit mit den Leistungen der OÖ Landwirtschaftskammer. Bäuerinnen und Bauern pochen auf eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung bei Lebensmitteln, eine gesicherte Inlandsversorgung, Bürokratieabbau und faire Regeln.

Wie zufrieden sind Oberösterreichs Bäuerinnen und Bauern mit ihrer Landwirtschaftskammer? Dieser Frage stellte sich die Institution, indem sie vom Umfrageinstitut „KeyQuest“ mit einer landesweiten Befragung beauftragte. Insgesamt 804 Landwirtinnen und Landwirte aus allen Teilen Oberösterreichs und quer durch alle Produktionssparten und Altersgruppen wurden dafür telefonisch kontaktiert und teilten ihre Einschätzung, wie sie das Leistungs- und Informationsangebot der Kammer empfinden. Zuletzt wurde eine derartige Umfrage zu Beginn der Corona-Zeit im Jahr 2020 getätigt – und damit in einer Phase hohen Vertrauens in staatliche Institutionen. „Seither haben sich die Rahmenbedingungen deutlich verändert“, so Oberösterreichs LK-Präsident Franz Waldenberger. Die Ergebnisse der zwischen Ende November und Mitte Dezember 2025 geführten Interviews habe man daher mit Spannung erwartet. Schließlich habe sich aber gezeigt, „dass die Landwirtschaftskammer als verlässlicher Partner wahrgenommen wird und unsere Leistungen auf sehr hohem Niveau bewertet werden“, so Waldenberger.

Im internationalen Vergleich gut aufgestellt

Die heimische Landwirtschaft werde in vielen Bereichen als im internationalen Vergleich gut aufgestellt wahrgenommen (siehe Grafik unten), wie die erstmals abgefragten Stärken und Schwächen. Allerdings werden die Rahmenbedingungen auch in Oberösterreich immer unkalkulierbarer, weshalb die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit ein zentrales Thema für Bäuerinnen und Bauern ist. Die Frage nach wichtigen Aufgaben der Agrar- und Interessenspolitik für die Zukunft zeigte ein klares Bild: 98 Prozent nannten die verpflichtenden Herkunftskennzeichnung für Lebensmittel, 97 Prozent eine Sicherung der Inlandsversorgung und 96 Prozent stimmten dem Punkt „Verhinderung neuer Dokumentationspflichten und Abbau bestehender Auflagen“ zu. Im Vergleich zu 2020 deutlich gestiegen sind die Nennungen beim Punkt „Faire Regeln für Agrarimporte aus Nicht-EU-Ländern“ (von 89 auf 94 %).

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Gesellschaftliche Anerkennung wird unterschätzt

Erstmals erhoben wurde auch die Frage nach dem vermuteten Stellenwert der Landwirtschaft in der Gesellschaft. „Dieser sehen nur 53 Prozent als hoch an“, so Johannes Mayr von KeyQuest, der darauf verweist, dass die Bevölkerung hier ein positiveres Bild habe. Allerdings würde die empfundene gesellschaftliche Anerkennung auch vom Ausmaß direkter Konsumenten-Kontakte abhängen.

Bei den Kernaufgaben der Landwirtschaftskammer rangieren die Punkte Unterstützung bei Förderungen sowie Beratungsleistungen für Landwirte ganz oben (jeweils 96 %). Gleich danach folgen die Vertretung der Interessen und die landwirtschaftliche Aus- und Weiterbildung. „Im Vergleich zu 2020 zeigen sich hier nur geringfügige Veränderungen“, weiß Mayr. Lediglich der Bereich Öffentlichkeit und Kommunikation mit Nicht-Landwirten werde mit 84 % aktuell etwas weniger stark gewichtet als noch vor fünf Jahren.

Kammer-Leistungen werden intensiv genutzt

Landwirtschaftskammer-Direktor Karl Dietachmair verweist auf die hohe Kontaktrate – durchschnittlich 4,5 Kontakte pro Betrieb und Jahr: „Unsere Leistungen werden intensiv genutzt und sind eine unverzichtbare Unterstützung in der bäuerlichen Unternehmensführung.“ Die mit Abstand wichtigste Kategorie sei der Bereich Mehrfachantrag und Förderungen (89 %). Der Bereich Weiterbildung und Ländliches Fortbildungsinstitut (LFI) habe an Bedeutung gewonnen und sei bereits für 55 % der Bäuerinnen und Bauern ein Anlass für den LK-Kontakt. Bei den Informationsangeboten zeige sich eine klare Verschiebung hin zu digitalen Kanälen, so Dietachmair.

Generell nehme die Themenvielfalt in der Landwirtschaft kontinuierlich zu – und damit auch die Anforderungen an die Kammerarbeit. „Gleichzeitig sind wir in der interessenspolitischen Arbeit immer stärker mit der Abwehr überzogener Produktionsauflagen und überbordender Regulatorik konfrontiert“, so Dietachmair, der nicht zuletzt auch die im Bundesländervergleich „seit einigen Jahren“ niedrigste Kammerumlage betont.

Selbständigkeit und Natur

Was schätzen Landwirtinnen und Landwirte selbst an ihrem Beruf? Darauf mussten die Befragten eigene Antworten finden. Am häufigsten genannt wurde dabei die Arbeit in und mit der Natur (47 %). Freie Zeiteinteilung und Flexibilität nannten 37 %, Selbständigkeit und Eigenverantwortung 29 %. In Summe schätzen also zwei Drittel diese Art von Freiheit. Ebenso vorne dabei: Die Arbeit mit Tieren (21 %) und das „Gestalten können“.

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Von links: Franz Waldenberger, Johannes Mayr, Karl Dietachmair

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