Gespräch im Hofladen

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Konsumenten wollen Einblicke in die Landwirtschaft - Bauern müssen sich nicht verteidigen

Eine Studie macht unterschätztes Interesse an der Landwirtschaft deutlich – und auch, wie wichtig Transparenz und direkte Kommunikation geworden sind.

Selbstbild und Fremdbild stimmen beim Menschen nicht immer überein. Besonders deutlich zeigt sich die Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung, die Bäuerinnen und Bauern von sich selbst haben, und jener, die die Gesellschaft von ihnen hat. Das bestätigt eine kürzlich präsentierte Studie des Marktforschungsinstituts „Key Quest“. Auftraggeber der Studie war der Dachverein „Nachhaltige Tierhaltung Österreich“ (NTÖ).

89 % der Bevölkerung haben positives Bild

Laut der Studie – befragt wurden 3.520 Landwirtinnen und Landwirte sowie 1.297 Personen ohne landwirtschaftlichen Hintergrund – haben 89 Prozent der Bevölkerung ein positives Bild von Österreichs Bäuerinnen und Bauern. 45 Prozent geben zudem an, sich aktiv für landwirtschaftliche Themen zu interessieren. Gleichzeitig glauben die Landwirtinnen und Landwirte jedoch, dass sich nur etwa elf Prozent der Bevölkerung für ihre Arbeit interessieren. Diese Fehleinschätzung sei enorm und offenbare eine der größten ungenutzten Chancen der heimischen Landwirtschaft, ist Key Quest-Geschäftsführer Johannes Mayr überzeugt.

Die Studie zeigt deutlich, dass nicht mangelnde Wertschätzung das Problem ist, sondern fehlende Einblicke in die tägliche Realität auf den Höfen. Vor allem bei Lebensmittelqualität, Herkunft und Tierwohl ist das gesellschaftliche Interesse groß. Gleichzei­tig wird der Wunsch nach mehr Transparenz und direkter Kommunikation klar erkennbar.

Junge Zielgruppen via soziale Medien erreichen

Besonders aufschlussreich: Persönliche Kommunikation bleibt die wichtigste Informationsquelle, während soziale Medien vor allem bei jungen Zielgruppen stark an Bedeutung gewinnen. Wer künftig verstanden werden will, muss dort präsent sein, wo Meinungen entstehen und Bilder von Landwirtschaft geprägt werden.

„Die Landwirtschaft hat in Österreich eine starke gesellschaftliche Basis. Das Vertrauen ist da, das Interesse ist da“, betont Mayr, „aber der direkte Bezug zur Landwirtschaft ist schwächer geworden. Gerade deshalb ist es entscheidend, die Menschen bei jenen Themen abzuholen, die sie wirklich bewegen: Herkunft, Qualität und Tierwohl.“

Apropos Tierwohl: Auch Land­wirtinnen und Landwirte beschäftigen sich intensiv mit diesem Thema und sind bereit, dafür zu investieren. „Was fehlt, ist aber vor allem Planungssicherheit“, so Mayr.

Interesse der Menschen wird unterschätzt

Für NTÖ-Obmann und Geflügelbauer Markus Lukas bestätigt die Studie, was viele in der Branche unterschätzen: Die Bevölkerung steht der heimischen Landwirtschaft deutlich positiver gegenüber, als Bäuerinnen und Bauern das selbst für möglich halten. Darin sieht er einen klaren Auftrag: „Wir müssen raus aus der Verteidigungshaltung und rein in die Erklärung: Wie arbeiten wir? Warum arbeiten wir so? Was bedeuten Tierwohl, Qualität und Verantwortung konkret auf unseren Betrieben?“, so Lukas, „die Menschen wollen keine Werbesprache. Sie wollen sehen, wie Landwirtschaft tatsächlich funktioniert – echte Gesichter, echte Ställe, echte Arbeit. Das schafft Glaubwürdigkeit.“

Genau diesen Ansatz verfolgt die NTÖ mit ihrer SocialMedia-Initiative „StadtLandTier“: authentische Einblicke in den bäuerlichen Alltag, direkt und ungefiltert. „Social Media ist für uns kein Nebenschauplatz, sondern ein Kanal mit enormem Zukunftspotenzial. Besonders, um junge Menschen zu erreichen, die Landwirtschaft heute oft nur noch aus der Distanz kennen“, betont Lukas.

Schweinebäuerin Petra Wimmer aus Sattledt öffnet ihren Hof regelmäßig für Schulklassen und Besuchergruppen und erlebt beinahe täglich, wie schnell aus fehlendem Wissen echtes Interesse entsteht. „Die Unwissenheit über Landwirtschaft ist riesengroß. Das ist ein klarer Auftrag an uns Bäuerinnen und Bauern, wieder sichtbar zu werden“, so Wimmer. „Wir müssen zeigen was wir in unseren Ställen machen, um das Vertrauen der Bevölkerung weiter zu stärken. Dann können wir auch jene Wertschöpfung erreichen, die wir uns alle wünschen“, appelliert die Oberösterreicherin an ihre Berufskollegen.

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