Nahaufnahme Korb flechten

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Das Korbflechten: Altes bäuerliches Handwerk mit Zukunft

Körbe aus Weidenruten gehörten über Jahrhunderte zum Alltag auf heimischen Bauernhöfen. Heute erlebt das alte Handwerk vielerorts eine kleine Renaissance. Kurse und Workshops zeigen, dass das Wissen wieder stärker gefragt ist.

Korbflechten zählt zu den ältesten Handwerkstechniken der Menschheit. Das Grundprinzip ist über ­viele Jahrtausende nahezu unverändert geblieben. Schon als die Menschen sesshaft wurden, brauchten sie Behälter für Transporte und Lagerung. Körbe aus Naturmaterialien erfüllten diese Aufgabe zuverlässig. Auch in Österreich hatte das Flechthandwerk lange einen festen Platz im bäuerlichen Alltag. Geflochten wurde mit Materialien aus der unmittelbaren Umgebung: vor allem mit Weidenruten, aber auch mit Stroh oder gespaltenem Holz. In vielen Regionen war das Korbflechten früher ein typisches Hausgewerbe.

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Marion Müllauer-Amstötter hat sich seit mehr als zehn Jahren der Korbflechterei verschrieben.

Geduld und Zeit sind gefragt

Der Niederösterreicherin Marion Müllauer-Amstötter ist es ein großes Anliegen das Traditionshandwerk am Leben zu erhalten. Sie absolvierte vor mehr als zehn Jahren eine Ausbildung zum Flechten und gibt mittlerweile selbst Kurse, unter anderem beim Ländlichen Fortbildungsinstitut (LFI). Laut ihr ist der erste wichtige Schritt, sich genügend Zeit für die Vorbereitung zu nehmen: „Die Weidenruten müssen nach dem Schnitt getrocknet und fünf bis zwölf Tage, je nach Länge, vor dem Flechten ins Wasser eingeweicht werden“.

Mir ist es sehr wichtig, dass dieses Handwerk wieder seinen ursprünglichen Wert zurückbekommt.

Marion Müllauer-Amstötter

Sie selbst baut Weiden im Garten an oder hat Kontakte zu Bauern, die noch alte Bäume ihr Eigen nennen. „Bei den Kursen bringe ich gerne auch Stecklinge mit, damit die Teilnehmer selbst, Weiden pflanzen können“. Prinzipiell kann laut der Expertin jeder das Korbflechten erlenen, es braucht aber Zeit, Geduld und etwas Geschick. Denn wie vieles andere auch ist das Flechten „ein Lehrberuf und umso öfter man es tut, desto besser und schneller wird man.“

Die Basis ist die Weide

Die Weide gilt als ideales Flechtmaterial. Sie wächst schnell, ist biegsam und lässt sich gut verarbeiten. In vielen Regionen Österreichs wurden früher spezielle Flechtweiden kultiviert oder regelmäßig geschnitten, damit neue, lange Triebe nachwachsen. „Für einen größeren Korb brauche ich etwa 100 Weidenruten“, erzählt die Expertin. Diese werden üblicherweise ab dem Spätherbst geschnitten, sobald die Bäume ihr Laub verloren haben. Dann befindet sich die Pflanze in der Ruhephase und die Ruten lassen sich gut schneiden und weiterverarbeiten.

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Die eigens für die Beerntung gezogenen Bäume werden Kopfweiden genannt.

Vom Ast zum fertigen Korb

Der Weg von der frisch geschnittenen Weidenrute bis zum fertigen Korb erfordert Geduld und handwerkliches Geschick. Zunächst müssen die Ruten sortiert und vorbereitet werden. Anschließend beginnt das eigentliche Flechten, meist vom Korbboden ausgehend, bevor Seitenwand und Rand entstehen. „Für einen Korb braucht man als Anfänger ungefähr einen Tag und mit der Zeit wird man schneller. Natürlich hängt die tatsächliche Arbeitszeit stark von Erfahrung, Korbgröße und Flechttechnik ab“, weiß Marion Müllauer-Amstötter. Bei Kursen lernen die Teilnehmer Schritt für Schritt den Aufbau eines Korbes, sprich vom Boden bis zum Randgeflecht. „Bei den Anfängerkursen beginne ich meist mit einem Dekostück und erst im zweiten Schritt lernt man das Korbflechten.“

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Für einen größeren Korb benötigt man etwa 100 Weidenruten.

Handwerk zum Weitergeben

Obwohl industriell gefertigte Behälter heute vielerorts Körbe ersetzt haben, bleibt das Flechthandwerk lebendig. Bildungseinrichtungen und landwirtschaftliche Organisationen bieten Kurse an, in denen Interessierte den Umgang mit Weiden­ruten und traditionelle Techniken kennenlernen können. Viele dieser Angebote richten sich bewusst auch an Bäuerinnen und Bauern. „Mir ist es sehr wichtig, dass dieses alte Handwerk wieder seinen ursprünglichen Wert zurückbekommt“, so Müllauer-Amstötter. Korbflechten verbindet bäuerliche Kultur und handwerkliches Wissen. Gerade in Zeiten zunehmender Nachhaltigkeitsdebatten gewinnt das alte Handwerk wieder an Bedeutung. Körbe aus Weide sind langlebig, reparierbar und vollständig aus heimischen Rohstoffen gefertigt.

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Begonnen wird mit dem Korbboden.

Die Expertin

Marion Müllauer-Amstötter ist Kindergärtnerin in Niederösterreich. Nebenbei absolvierte sie vor zwölf Jahren eine Ausbildung zur Korbflechterin. Seit einiger Zeit bietet sie auch selbst Kurse an und möchte dabei immer den Wert des (bäuerlichen) Handwerks vermitteln.

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