Zuckerrüben

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Zuckerrüben: Genügt die Flächenreduktion?

Bei der Generalversammlung des Rübenbauernbundes für Niederösterreich und Wien wurde vergangene Woche intensiv über die verfahrene Situation am Zuckermarkt und mögliche Auswege aus der Krise debattiert.

Alljährlich vor Beginn der Anbauarbeiten trommelt die Interessenvertretung der rund 3.200 Rübenbauern in Wien und Niederösterreich ihre Mitglieder zur Generalversammlung zusammen. Und alljährlich erhalten die Mitglieder dort auch einen umfassenden Überblick über die Situation im Zuckergeschäft. Heuer schwang bei der Sitzung in der Bundeshauptstadt ein Hauch von Zweckoptimismus mit.

Die Voraussetzungen sind bekannt. Seit der Liberalisierung des Zuckergeschäfts war die Lage für EU-Produzenten – mit Ausnahme der Jahre 2022 und 2023 – angespannt. Im Vorjahr spitzte sich die Situation derart zu, dass die Agrana-Zuckerfabrik Leopoldsdorf, neben vier anderen Anlagen in der EU, für immer geschlossen wurde. Vor diesem Hintergrund sprach Rübenbauern-Präsident Ernst Karpfinger von „der schwersten Krise seit der Liberalisierung des Marktes“.

Rübenpreis über 40 Euro pro Tonne

Das Problem seien nicht nur die sinkenden Zucker- und damit Rübenpreise, sondern sei vielmehr die auseinandergehende Schere zwischen Preisen und Kosten. Laut Karpfinger konnte dies über Jahre durch Produktivitätssteigerungen, Züchtung und effizientere Technik ausgeglichen werden. Doch damit sei jetzt Schluss. Karpfinger: „Wir haben keine Pflanzenschutzmittel mehr und weil wir die Neuen Züchtungstechniken nicht wollen, bringen wir auch dort nichts weiter. Die Krankheiten und Schädlinge werden aber mehr.“ Der Rübenbauern-Präsident untermauerte die Krise auch mit Zahlen aus den LK-Arbeitskreisen. Bei den heuer zu erwartenden Rübenpreisen von knapp über 40 Euro pro Tonne (die konkreten Auszahlungspreise sind noch offen) bräuchte man auf Flächen ohne Beregnung demnach einen Ertrag von 80 Tonnen Rüben, um die Vollkosten der Produktion zu decken. Wo beregnet wird, seien 100 Tonnen notwendig.

Anbaudisziplin gefragt

Um eine vollständige Entkoppelung der Kosten von den erzielbaren Preisen zu verhindern, ist die Industrie europaweit um Flächenreduktion bemüht. Denn auch dort ist der Zucker derzeit ein Verlustgeschäft, wie Agrana-CEO Stephan Büttner erklärte. Demnach reduziert etwa die Südzucker die Anbaufläche deutlich, in Norddeutschland werden Prämien für Reduktionen ausbezahlt, auch Belgien, Frankreich und Polen senkten die Kontraktflächen. Hierzulande setzen heuer 900 der insgesamt 4.400 Rübenbauern den Anbau aus. „Wenn all diese Reduktionen greifen, sollte sich die Situation zumindest stabilisieren“, so Büttner. Nachsatz: „Vorausgesetzt, dass nicht wieder zusätzliche Mengen in die EU hereinkommen.“

Dauerthema Freihandel

Gemeint sind hier die Zuckerimporte, welche durch Freihandelsabkommen und Erleichterungen für die Ukraine weiter an Bedeutung gewinnen. Ernst Karpfinger bezog dazu erneut klar Position: „Ohne rasche politische Kurskorrekturen drohen weitere Produktionsrückgänge und ein Verlust der Versorgungssicherheit mit Zucker aus heimischen Zuckerrüben.“ Laut Rübenbauern habe insbesondere das zollfreie Ukraine-Abkommen dem Zuckerabsatz der Agrana geschadet, da diese für den Konzern wichtige Absatzmärkte in Osteuropa versorgte. „Während Europas Zuckerfabriken schließen und immer mehr Betriebe aus dem Rübenanbau aussteigen, wächst der Importdruck weiter. Wenn Europa seine Zuckerproduktion erhalten will, sind jetzt klare handelspolitische Grenzen und faire Wettbewerbsbedingungen notwendig“, ist Karpfinger überzeugt.

Agrana-Chef Büttner schilderte indes, wie sich der Frucht-, Stärke- und Zuckerkonzern für die weiteren Entwicklungen rüstet. So stehe etwa die Agrana-Zuckerfabrik in Rumänien vor dem Aus. Im gut laufenden Fruchtsektor stellt man sich noch breiter auf. „Wir werden das Zuckergeschäft mittel- und langfristig so aufgestellt haben, dass wir absolut wettbewerbsfähig sein werden“, teilte er außerdem mit. Und ein Satz dürfte den hiesigen Produzenten Hoffnung machen: „Der Standort Tulln wird hier das Flaggschiff sein.“

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