Einem Rind wird eine Narkose gegeben

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Tiergesundheit Österreich: Impfdebatte einmal anders

Die Diskussion zum Austritt der Tierärztekammer aus dem Verein „Tiergesundheit Österreich“ läuft medienwirksam weiter. Das werfen sich die Beteiligten vor.

Um den Dachverband der acht Landestiergesundheitsdienste (TGD), die Tiergesundheit Österreich (TGÖ), wird es nicht ruhiger. Nachdem die Tierärztekammer (ÖTK) im Februar ihren Austritt wegen „unüberwindbarer Hürden in Diskussionen“ bekannt gab, wurde man vergangene Woche konkreter. Laut ÖTK-Präsident Karl Frühwirth habe sich die TGÖ zu „einem Konstrukt mit unklaren Verantwortlichkeiten“ entwickelt. Den Austritt habe man beschlossen, um „die Rolle der Tierärztinnen und Tierärzte als unabhängige medizinische Instanz zu stärken“.

Zwei Themen stoßen den Veterinär-Vertretern besonders auf. Einerseits das unter anderem im AMA-Modul „Tierhaltung Plus“ verankerte „Erweiterte Tiergesundheitsmonitoring“, welches der ÖTK zufolge nur fraglichen Mehrwert liefere. Andererseits ist es eine – offenbar intern geführte – Diskussion um Impfstofffreigaben im Rinderbereich.

Vorwurf der „Täter-Opfer-Umkehr“

In der LK Oberösterreich will man dies so nicht stehen lassen. Die Tierärztekammer setze weiter auf „Eskalation“, etwa durch die – ebenso interne – Behauptung, dass die Landwirtschaft den Antibiotikaeinsatz dem Einsatz von Impfungen vorziehen würde, teilte man per Aussendung mit. Laut LK-Oberösterreich-Präsident Franz Waldenberger sei das Gegenteil der Fall: „Als Landwirtschaft möchten wir einen niederschwelligen Zugang zu Vorsorgeimpfungen, um den Antibiotikaeinsatz weiter zu minimieren. Und genau das nahm die Tierärztekammer zum Anlass, um die Zusammenarbeit im Verein Tiergesundheit Österreich aufzukündigen.“

Er spricht von einer bemerkenswerten „Täter-Opfer-Umkehr“, denn entgegen der ursprünglichen Vereinbarungen hätte die Tierärztekammer zuletzt den dafür zuständigen Fachausschuss der TGÖ mit Spitzenfunktionären besetzt und diese damit „für rein standespolitische Diskussionen missbraucht“. Waldenberger appellierte dennoch an die ÖTK, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, ansonsten würde sie ihre Mitglieder bei der Weiterentwicklung von Tiergesundheitsprogrammen isolieren. „Sie erweisen damit nicht nur den Nutztieren, sondern auch ihren Berufskollegen, die in den Nutztierpraxen und auch in den Tiergesundheitsdiensten einen hervorragenden Job machen, einen wirklichen Bärendienst“, so Waldenberger.

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