Getreide ist mehr als ein Grundnahrungsmittel: Es ist Forschungsgegenstand, Innovationsfeld und Spiegel gesellschaftlicher Verantwortung. Dieser Tenor prägte den Getreidetechnologietag, der kürzlich an der Fachhochschule Wels stattgefunden hat. Etwa 60 Fachleute aus Wissenschaft, Industrie und Ausbildung nahmen an der gemeinsamen Veranstaltung der Lebensmittel-Cluster Oberösterreich und Niederösterreich teil. Entsprechend weit wurde der thematische Bogen gespannt: Von der Mikrobiologie bis zur KI, von neuen Rohstoffen bis zu globalen Herausforderungen bei der Versorgung.
Monitoring und Analyse für Lebensmittelsicherheit
Nach der Begrüßung durch Julian Weghuber von der FH Oberösterreich rückte Claudia Probst, Leiterin des Studiengangs Agrartechnologie und -management, Mykotoxine in den Mittelpunkt. Diese giftigen Stoffwechselprodukte bestimmter Schimmelpilze können sowohl während des Wachstums am Feld als auch bei der Lagerung entstehen. „Witterung, Anbaupraktiken und Lagerbedingungen zählen dabei zu den wesentlichen Faktoren. Um Risiken von Rohweizen sowie verunreinigter Futtermittel frühzeitig zu erkennen und negative Auswirkungen auf den Endkonsumenten von Fleisch und Molkereiprodukten ausschließen zu können, muss die Lebensmittelsicherheit durch Monitoring- und Analyseverfahren gewährleistet werden“, betonte die Expertin.
Sorghum als ein „Rohstoff von morgen“
Regine Schönlechner und Rafaela Scheibelberger von der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien hoben die künftige Rolle von Sorghum in der Lebensmittelproduktion hervor: „Sorghum gilt als klimaresistent und als potenzieller Weizenersatz. Forschungsergebnisse zeigen, dass sich diese Getreideart grundsätzlich für verschiedene Anwendungen eignet, jedoch technologische Anpassungen in der Verarbeitung notwendig sind, um op-timale Back- und Teigeigenschaften zu erzielen.“ Erste Produkte, nämlich Krapfen von „Kuchen-Peter Backwaren“, konnten bei der Veranstaltung verkostet werden.
Anhaltender Boom bei pflanzlichen Proteinen
Auf die zunehmende Bedeutung pflanzlicher Proteine und Leguminosen sowie das Allergenpotenzial von Hülsenfrüchten in Getreideprodukten ging Elisabeth Reiter von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) ein. Sie unterstrich: „Antinutritive Stoffe, Allergene und Kontaminationen stellen Risiken dar. Mit der steigenden Nutzung pflanzlicher Rohstoffe nehmen auch die Anforderungen an Analytik, Qualitätskontrolle und Kennzeichnung zu.“ Einen ernährungswissenschaftlichen Blick lieferte auch Sabine Chmelar von der Fachhochschule St. Pölten. Worauf es ihrer Meinung nach ankommt: Wissenschaftlich fundierte Ernährungsempfehlungen sowie eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Medizin, Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften.
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Von links: Gschaider, Wenger-Öhn, Hochreiter, Chmelar, Wieser, Schönlechner, Stallberger, Reiter, Meischl, Scheibelberger, Resch und Kollegger
Digitalisierung und KI in Produktionsprozessen
Wie Digitalisierung in der Lebensmittelindustrie aussehen kann, zeigte Michael Kollegger von der FOTEC Forschungs- und Technologietransfer GmbH. Er resümierte: „Internet of Things, Cloud Computing und datenbasierte Analyseverfahren tragen dazu bei, Produktionsabläufe effizienter zu gestalten und Prozesse besser zu überwachen.“
Auch Künstliche Intelligenz (KI) hält Einzug in die Branche: Oliver Raferzeder von Brotsüchtig und Volkmar Wieser vom Software Competence Center Hagenberg (SCCH) nutzen Modelle, um sich Produktionsmengen und Absatzentwicklungen prognostizieren zu lassen. „Das erleichtert die Planung von Produktionskapazitäten“, betonten die beiden Experten. Peter Stallberger von der Good Mills Österreich GmbH sprach über die Versorgungssicherheit bei Rohstoffen. Er gab einen Einblick in globale Warenströme, klimabedingt sinkende Erträge und geopolitische Unsicherheiten. Über die Lagerbestände sagte er: „Europa ist mit Weizen gut versorgt, exportiert aber viel und hat nur geringe Vorräte.“ Langfristig belaste außerdem der Klimawandel die Versorgungssituation. Stallberger appellierte daher: „Wir müssen Klimaschutz leben und unsere Ernährungsgewohnheiten ändern – mehr pflanzliche, weniger tierische Nahrungsmittel.“ Schülerinnen der HTL für Lebensmitteltechnologie haben sich das bereits zu Herzen genommen und ein veganes Sugo aus Okara, einem Nebenprodukt bei der Tofuherstellung, entwickelt. Eine Kostprobe war bei der Veranstaltung mit dabei.
Potenziale von Nebenströmen
Wie sich Nebenströme aus der Lebensmittelproduktion durch biotechnologische Prozesse sinnvoll weiterverarbeiten lassen, stand bei den Lebensmitteltechnologinnen Bettina Zieher und Ines Briglauer (beide FH OÖ, Campus Wels) im Mittelpunkt. Sie bezogen sich auf Forschungsergebnisse aus dem Projekt Blackbox Umami, das der Lebensmittel-Cluster in Oberösterreich begleitet: „Ein besonderer Fokus liegt auf enzymatischen Reaktionen, die zur Bildung von Umami-Geschmacksstoffen beitragen.“
Bei einem weiteren Projekt, an dem der Lebensmittel-Cluster beteiligt ist, bringen Energieaudits Erkenntnisse. Lukas Knoll (Knoll Mühle) und Josef Buchinger („ConPlusUltra“) brachten es bei ihrer Präsentation auf den Punkt: „Das EU-Projekt ‚EENOVA‘ zeigt, dass Energieeffizienz nicht nur einen Beitrag zum Klimaschutz leistet, sondern auch zur wirtschaftlichen Optimierung von Produktionsprozessen im Lebensmittelsektor.“
Durch die Veranstaltung führte Gisela Wenger-Öhn, Direktorin der HTL für Lebensmitteltechnologie in Wels. Die Schule fungiert als Kooperationspartner der Veranstaltung.
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