Melkroboter im Einsatz

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Moderne Milchproduktion: mit Melkroboter und unter Leistungskontrolle

Lokalaugenschein am Hof von Stefan Grabmayr in Prambachkirchen in Oberösterreich: Kontrolle durch den Landesverband für Leistungsprüfung und Qualitätssicherung sorgt auch auf Melkroboter-Betrieben für Weiterentwicklung.

Braunvieh und Holsteinkühe tummeln sich im Laufstall am Betrieb Grabmayr in Prambachkirchen. Auch zwei Roboter sind dort zu finden – einer zum Melken, einer zum Futteranschieben. Heute steht aber noch jemand im Melkstand: Fabian Doblmayr, Kontrollassistent im Landesverband für Leistungsprüfung und Qualitätssicherung (LfL). Er hantiert gerade am sogenannten „Shuttle“, einer am automatischen Melksystem angehängten Box, in der unzählige kleinen Fläschchen aneinandergereiht sind. Doblmayr erklärt, wie eine Milchprobenahme abläuft, wenn am Betrieb ein Melkroboter im Einsatz ist (siehe QR-Code zum Online-Video rechts unten). Schließlich wird das automatisierte Melken immer mehr – vor allem in Oberösterreich: 960 Betriebe sind hierzulande bereits mit Melkrobotern bestückt, davon stehen 925 (mit 51.600 gemolkenen Kühen) unter Leistungskontrolle. Oberösterreich nimmt damit eine führende Rolle ein. Bundesweit waren es per Jahresanfang 2.260 Betriebe, auf denen rund 121.000 Kühe automatisch gemolken werden. „Die Landwirtschaft wird oft als altbacken wahrgenommen. Daher wollen wir aufklären, wie modern sie und etwa auch die Milchproduktion mittlerweile funktioniert“, sagt Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Waldenberger.

Wie ein Mähdrescher – aber täglich im Dienst

Das Melken ist neben dem Füttern eine der zeitintensivsten Tätigkeiten. Hier greift der Roboter ein und reduziert den täglichen Druck, den fixe Melkzeiten entstehen lassen. „Wir waren als Schulmilch-Betrieb in der Früh immer sehr gefordert. Schon 2010 haben wir mit damals 23 Kühen einen Melkroboter in Betrieb genommen. Das hat uns flexibler gemacht“, erinnert sich Karl Grabmayr. Aber auch die Kommentare von anderen hat er noch im Kopf. „Am häufigsten wurde ich gefragt, ob das denn wirtschaftlich ist“, so Grabmayr, der die damalige 150.000-Euro-Investition gerne mit einem Mähdrescher vergleicht. „Mit dem Unterschied, dass der Melkroboter jeden Tag läuft“, so der Landwirt. Und: „Es war eine der teuersten Investitionen, aber auch die beste. Zurück möchte ich nie wieder“, so Grabmayr. Gemeinsam mit seinem Sohn Stefan als Betriebsübernehmer wurde 2018 der Laufstall neu gebaut und auf 52 Milchkühe vergrößert. Dass er weiterhin auf die Milchleistungsprüfung setzt, steht für den 28-Jährigen außer Frage. Schließlich bedeutet das auch, das Milchleistung, Gesundheit und Fruchtbarkeit von jeder Kuh regelmäßig und systematisch erfasst und ausgewertet wird.

Thomas Hartl, Obmann des Landesverbandes für Leistungsprüfung und Qualitätssicherung in OÖ, verweist auf die Bedeutung der erhobenen Leistungsdaten, sie seien das „Rückgrat für die Rinderzucht“. „Als Landwirt, der selbst mit einem Melkroboter arbeitet, weiß ich, wie wichtig verlässliche Daten für das tägliche Herdenmanagement sind. Die Kombination aus den Daten der Milchleistungsprüfung und dem automatischen Melksystem sind für uns die perfekte Mischung und unverzichtbar“, so Hartl.

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Vielzahl an Daten als Grundlage für Fortschritt

Bei den regelmäßigen Betriebsbesuchen – im Schnitt neun Kontrollen pro Jahr, egal ob automatisch oder konventionell gemolken wird – werden von allen Kühen Milchproben genommen und eine Vielzahl von Daten erhoben. Die Proben werden im Qualitätslabor Österreich (QLÖ) ausgewertet, die Daten bilden die Grundlage für Herdenmanagement, Zuchtwertschätzungen, genetische Trends und die gezielte Weiterentwicklungen der Herden.

Daneben bietet der LfL OÖ weitere Dienstleistungen an. Zum Beispiel die bakteriologische Milchuntersuchung, mit der Eutererkrankungen frühzeitig erkannt werden können, oder die Trächtigkeitsuntersuchung auf Milchbasis. Auch die Trinkwasseruntersuchung zählt zum Leistungsangebot.

„Es ist auch für die Außensicht wichtig, dass die Qualitätssicherung auch von offizieller Seite erfolgt“, sagt Karl Grabmayr. Auf seinem Betrieb wurden 2025 555.000 Kilogramm Milch erzeugt. Etwa 40 Prozent wird in Form von Jogurt, Käse und pasteurisierter Vollmilch direkt vermarktet. Beliefert werden Kur- und Altenheime sowie Krankenhäuser.

Franz Waldenberger, Karl Grabmayr, Thomas Hartl, Stefan Grabmayr (v.l.)

Franz Waldenberger, Karl Grabmayr, Thomas Hartl, Stefan Grabmayr.
Blick in den Laufstall

LfL OÖ: 133.000 Milchkühe unter Kontrolle

Der Landesverband für Leistungsprüfung und Qualitätssicherung (LfL) OÖ betreut aktuell 3.391 Milchviehbetriebe in OÖ. Knapp 133.000 Kühe stehen damit in regelmäßiger Prüfung, 39 Prozent davon werden per Melkroboter gemolken. Im LfL sind 120 Mitarbeiter in der Leistungsprüfung im Außendienst tätig.

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