Die Zahlen zeigen es eindeutig: Der Selbstversorgungsgrad bei Spargel ist innerhalb von nur drei Jahren von 47 auf 36 Prozent gesunken. „Der Rückgang zeigt, wie stark der Importdruck mittlerweile geworden ist und wie gefährdet die regionale Versorgung ist“, erklärte Franz Waldenberger zum Saisonauftakt am Betrieb der Familie Schiefermair in Kematen an der Krems.
Dabei wäre die Ausgangslage auf den ersten Blick gar nicht so schlecht: Der Pro-Kopf-Verbrauch ist zuletzt sprunghaft von 0,5 auf 0,8 Kilogramm gestiegen – ein deutliches Plus. Doch der Mehrbedarf wird nicht von heimischen Betrieben gedeckt. Stattdessen dominieren Importe, insbesondere aus Ungarn, Spanien und Italien. Diese Länder produzieren unter deutlich niedrigeren Lohn- und Produktionsstandards und können so ihre Ware entsprechend günstiger auf den Markt bringen.
Produktion in anderen EU-Ländern 65 % günstiger
Ein zentraler Wettbewerbsnachteil liegt bei den Lohnkosten. Mit Jahresbeginn 2026 wurde der Kollektivvertragslohn für Saisonarbeitskräfte in Oberösterreich erneut angehoben – von 1.800 auf 1.853 Euro brutto. Für die Betriebe bedeutet das eine zusätzliche Belastung in einem ohnehin angespannten Marktumfeld.
„Die Lohn- und Lohnnebenkosten für Saisonarbeiter sind in keinem Land so hoch wie in Österreich. Wir liegen hier mittlerweile beim Niveau sogar über der Schweiz“, so Ewald Mayr, Obmann des Verbandes der Gemüse-, Erdäpfel- und Obstbauern in Oberösterreich.
Während andere europäische Länder deutlich günstiger produzieren können – teils nur zu 35 Prozent der österreichischen Kosten – fehle hierzulande ein spezifisches Modell zur Entlastung der Saisonarbeit. Zwar werde politisch darüber gesprochen, konkrete Lösungen lassen jedoch auf sich warten. „Momentan gibt es hier wenig Aussicht auf kurzfristigen Erfolg, da die Sozialpartner verweigern“, erklärte Waldenberger.
Die Konsequenz ist klar: Der Marktanteil verschiebt sich weiter zugunsten ausländischer Anbieter. „Spargel ist mittlerweile fast ganzjährig verfügbar – sogar aus Ländern wie Mexiko und Peru. International betrachtet haben wir keine Chance, wenn nur der billigste Preis zählt“, erläuterte Mayr.
Die Lohn- und Lohnnebenkosten für Saisonarbeiter sind in keinem Land so hoch wie in Österreich.
Ewald Mayr
Mangel an qualifizierten Facharbeitskräften
Neben den Kosten bleibt auch die Verfügbarkeit von Arbeitskräften ein Dauerthema. Die Betriebe setzen weiterhin auf erfahrene Saisonarbeiter, vor allem aus der Ukraine, dem Kosovo und Rumänien. Am Hof der Familie Schiefermair sind derzeit rund 20 Arbeitskräfte beschäftigt – teilweise sogar aus Vietnam und Nepal. „Es ist nicht einfach ausreichend Saisonarbeiter zu bekommen“, so Paul und Stefanie Schiefermair. Zwar habe sich die generelle Verfügbarkeit von Erntehelfern zuletzt wieder verbessert, doch bürokratische Hürden bremsen die Betriebe aus. Besonders die sogenannte „Ersatzkraftprüfung“ des AMS wird vom Gemüsebauverband als praxisfern kritisiert. „Sie verzögert die Einstellung dringend benötigter Arbeitskräfte und verursacht gerade bei frühen Kulturen wie Spargel erhebliche Probleme“, so Mayr.
Ein weiteres strukturelles Problem zeige sich bei der Qualifizierung der Arbeitskräfte: Während „einfache“ Erntehelfer wieder ausreichend verfügbar sind, mangle es zunehmend an geschulten Traktorfahrern und Maschinisten. Seit dem Ukrainekrieg habe sich diese Situation weiter verschärft. Gerade im Zuge der Technisierung – etwa durch KI-gestützte Hackgeräte – werde dieser Engpass für viele Gemüsebaubetriebe aber zu einer weiteren Herausforderung.
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Ewald Mayr, Paul und Stefanie Schiefermair und Franz Waldenberger beim Spargel-Saisonauftakt
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