Agrargüter und Landtechnik: Der Rubel rollt auch in Russland nicht mehr

Marktfruchtbau scheint auch in Russland momentan nicht der große Devisenbringer zu sein. Das Geschäft mit Landtechnik stockt ebenso seit Jahren. So reagiert der Kreml.

Russische Landmaschinen

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Spätestens seit den EU-Sanktionen nach der Krim-Invasion vor mehr als zehn Jahren wurde in Russland massiv in die nationale Agrarbranche investiert. So konnte Moskau durch gezielte Beihilfen die Inlandsproduktion mit landwirtschaftlichen Produkten ausweiten und da und dort vom Netto-Importeur zum Exporteur avancieren.

Ob der anhaltend schwächelnden globalen Getreidepreise scheint sich nun aber auch in Russland die Ausrichtung des Sektors zu drehen, wie ein Blick in die offiziellen Exportstatistiken des flächenmäßig größten Landes der Erde zeigt. So wurden 2024 laut einem Bericht des Pressedienstes Agra-Europe noch 37 Prozent der Exporteinnahmen durch Getreideausfuhren erzielt. Im Vorjahr ging dieser Wert um 10 Prozent zurück, auf umgerechnet 9,3 Mrd. Euro. Getreide behielt zwar den ersten Platz unter den Exportgütern, das soll sich dem Agrarministerium in Moskau zufolge aber ändern. Demnach soll es bis 2030 nur noch ein Viertel der Ausfuhren ausmachen. Ziel sei es, mehr höherwertige Produkte ins Ausland zu verkaufen, verlautete es aus dem Kreml.

Offenbar sieht man im reinen Marktfruchtbau für den Welthandel vorerst nicht mehr das große Geschäft. Andere Produktgruppen verzeichneten indes 2025 Zuwächse. So wuchs der Anteil an Öl- und Fettexporten auf mehr als ein Fünftel an den gesamten Agrarausfuhren, Fisch stieg von 11 auf 14 Prozent. Das relativ größte Plus wurde bei den Erlösen aus exportierten Fleisch- und Milchprodukten verzeichnet. Diese stiegen binnen zwölf Monaten um stolze 20 Prozent. Insgesamt nahm die russische Volkswirtschaft im Vorjahr offiziellen Zahlen zufolge umgerechnet 34,6 Mrd. Euro durch Agrarausfuhren ein.

Flaute bei Landtechnik

Die guten Außenhandelsgeschäfte schlagen scheinbar nicht auf die Landwirtschaft durch, wie ein Blick auf den dortigen Landtechnikmarkt zeigt. Laut einem Bericht des russischen Magazins „Agroinvestor“ sind die russischen Landwirte und Agrarholdings zunehmend zögerlicher bei Investitionen. Die Nachfrage sank 2025 demnach das dritte Jahr in Folge.

Der nationale Verband der Landmaschinenhändler schlüsselte die Zahlen wie folgt auf. Im Vorjahr sei rund ein Viertel weniger Landtechnik „Made in Russia“ als 2024 gekauft worden, gegenüber 2023 beträgt das Minus 30 Prozent. Bei importierten Fabrikaten sank der Absatz als im Vergleich zu 2024 um ein Drittel. Der Händlerverband nannte diese Entwicklung einen „Markttiefpunkt“. Wiewohl ein noch stärkeres Einbrechen der Nachfrage nicht auszuschließen sei. Auch von einer „Systemkrise“ ist dort schon die Rede.

Als Hauptgründe für die geringe Kaufbereitschaft macht man die niedrigen Erzeugerpreise für Getreide und das hohe Zinsniveau in Russland aus. Die russische Regierung versucht indes laut Agra-Europe mit einem Bündel an Maßnahmen, die Verfügbarkeit von heimischer Landtechnik zu erhöhen. Dazu gehören Leasingangebote und subventionierte Kredite. Belastend wirkt für viele Betriebe allerdings die sogenannte „Recyclinggebühr“, die beim Kauf ausländischer Landmaschinen anfällt. Diese hat sich seit Anfang vergangenen Jahres verfünffacht und soll bis 2030 jährlich um 15 Prozent steigen. Mit dieser Zahlung soll der Absatz heimischer Landtechnik gefördert werden.

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