Preisanzeige einer Tankstelle in Oberösterreich im März 2026

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Iran-Krieg: Mit diesen Auswirkungen auf die Landwirtschaft ist zu rechnen

Die Luftangriffe der USA und Israels auf den Iran und die Reaktion des Regimes in Teheran bringen die globalen Warenströme gehörig ins Wanken. Das hat direkt und indirekt auch Konsequenzen für die Landwirtschaft in Österreich und Europa.

Auch in der zweiten Woche nach Beginn des Krieges gegen das iranische Mullah-Regime sitzt der Schock nach wie vor tief. Die Eskalation sorgt weltweit für erhebliche wirtschaftliche Turbulenzen.

Bekanntlich gab die Regierung in Teheran kurz nach dem Angriff bekannt, die für den Ölexport aus den Golfstaaten essenzielle Straße von Hormus südlich des Iran für den Schiffsverkehr zu sperren. Der Iran werde „nicht einen Liter Öl“ durch die Meerenge lassen, wurde betont. Zeitgleich wurde mit dem Bombardement von Ölproduktionsstätten in der Region begonnen.

Ölpreis jenseits der 100 Dollar pro Fass

Ein fataler Schritt, denn nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) werden rund 30 Prozent des weltweit auf dem Seeweg transportierten Erdöls durch das Nadelöhr an der Insel Hormus verschifft. Ähnliches gilt für Erdgas: Etwa ein Fünftel des globalen Handels mit Flüssigerdgas (LNG) passieren die Straße von Hormus, vor allem Lieferungen aus dem wichtigen Produktionsland Katar.

Experten zufolge sei es das erklärte Ziel, dass durch die Blockade eines Großteils der weltweiten Energieversorgung einen Keil zwischen die USA und ihre Verbündeten am Golf treiben kann, die einen schweren wirtschaftlichen Schlag erleiden würden, wenn die effektive Blockade der Straße von Hormus durch den Iran aufrechterhalten wird. Tatsächlich reagierte der Ölpreis prompt. An den asiatischen Börsen betrug er diesen Montag etwa zwischenzeitlich 120 US-Dollar pro Fass. Ein Ölpreis um 100 Dollar treibe dabei die globale Inflation im Schnitt um 0,7 Prozent an, zitiert Reuters Analysten des Wertpapierhandelsunternehmens Goldman Sachs.

Teurer Diesel

Während US-Präsident Donald Trump in den sozialen Medien von „einem sehr geringen Preis für die Sicherheit der USA und der Welt“ spricht, waren die Auswirkungen auf die Treibstoffpreise unmittelbar zu spüren. Ein Faktor, der just zu Beginn der Saison natürlich auch die Landwirtschaft betrifft.

Ein Szenario wie in der Ölkrise 1974 zeichnet sich nicht ab.

Franz Sinabell

Wifo-Ökonom

Die BauernZeitung hat bei Wifo-Ökonom und Agrarmarkt-Experten Franz Sinabell nachgefragt, wie er die Lage einschätzt. Eine physische Knappheit bei Diesel sei derzeit noch nicht zu bemerken. „Ein Szenario wie in der Ölkrise 1974 zeichnet sich nicht ab“, so Sinabell. Private Lagerhaltung oder ähnliches sei deshalb nicht notwendig. Für solche Fälle gebe es schließlich die staatlichen Reserven.

Am Preishoch ändert das vorerst natürlich nichts. LK-Österreich-Präsident Josef Moosbrugger meinte dazu in Richtung Bundesregierung: „Eine deutliche Entlastung unserer Bäuerinnen und Bauern im Treibstoff-Kostenbereich ist von größter Bedeutung.“ Auch aus den Bundesländern wurde der Ruf nach Eingriffen laut. Die Bundesregierung hat zum Wochenbeginn die Prüfung von Maßnahmen angekündigt und sich vorerst auf Einschränkungen bei Preissteigerungen an den Tankstellen geeinigt.

Bald wohl auch teurer Dünger

Ebenso absehbar, wenn auch nicht im selben Tempo wie bei Treibstoffen, ist laut Franz Sinabell ein Preisanstieg beim Stickstoffdünger. Denn auch die dafür entscheidenden Gaspreise reagierten auf die Entwicklungen im Iran: Der europäische Großhandelspreis für Gas lag kurz nach Kriegsbeginn bereits bei 55,30 Euro pro Megawattstunde und damit auf dem höchsten Niveau seit mehr als zwei Jahren.

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Laut den jüngsten Analysen der AMA-Marktabteilung zeigten sich die Kalkammonsalpeterpreise im europäischen Großhandel in deutschen Ostseehäfen davon in der Vorwoche aber noch unbeeindruckt. Sie lagen mit 378 Euro pro Tonne auf demselben Niveau wie vor der Sperre der Meerenge. An den Terminbörsen schlägt die Entwicklung aber bereits durch, etwa an der US-Börse „Chicago Board of Trade“ (CBoT). Die Notierung für Harnstoff mit Fälligkeit im April ging vergangene Woche für 547 US-Dollar (umgerechnet 471 Euro) aus dem Handel. Das entspricht einer Preissteigerung von gut 100 Dollar.

Rapspreise im Aufwind

Nichtsdestotrotz bringen die jüngsten Entwicklungen auch Dynamik in die Preise für global gehandelte Agrargüter, allen voran bei Ölsaaten. Im Zuge des eskalierenden Krieges legte der Kurs auf Rapssaat an der Pariser Terminbörse Euronext/Matif mit Fälligkeit im Mai vergangene Woche auf 503,75 Euro pro Tonne zu.

Aktuelle Zahlen von den TerminmärktenHier eine Zusammenfassung der jüngsten Entwicklungen an den Börsen

Auch dafür hat Sinabell prompt eine Erklärung parat: „Wenn fossiler Treibstoff teurer wird, wird auch Pflanzenöl teurer. Das wirkt sich durch Substitutionseffekte auch bei Sonnenblumenöl und Butter aus.“ Ein Blick nach Kanada dämpft für den Raps aber allzu große Erwartungen an die noch in weiter Ferne liegende Ernte. So hat der dortige Statistische Dienst eine Umfrage zur geplanten Canola-Produktion veröffentlicht, die eine Flächenausweitung um gut 8,8 Mio. Hektar vorsieht.

Verhaltenes Plus für Weizen und Mais

Ebenso reagierten die Getreidekurse an den Terminbörsen, ob der hohen Lagerstände jedoch moderater. In Paris stieg die Weizennotierung etwa um drei Prozent. Mais – als Ethanol-Rohstoff ebenfalls Profiteur der Kraftstoffpreisspirale – legte kräftiger zu. Für den Wifo-Ökonom keine überraschende Entwicklung: „Steigen die Energiekosten, steigen erfahrungsgemäß auch die Agrargüterpreise.“

Für die Bauern ist das im besten Fall ein Nullsummenspiel.

Franz Sinabell

Wifo-Ökonom

Ob sich die Effekte letztlich ausgleichen, sei derzeit schlicht nicht abzuschätzen und hänge natürlich mit den weiteren Entwicklungen im Kriegsgebiet zusammen. „Für die Bauern ist das im besten Fall ein Nullsummenspiel. Im schlimmsten Fall müssen sie die Mehrkosten tragen“, dämpft Sinabell allzu große Hoffnungen auf eine Erholung.

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