Betrieb von oben Familie Aue

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Insektenmast im Stall: Erste vollautomatische Anlage in Bayern gestartet

In Bayern ist erstmals eine vollautomatisierte Anlage zur Mast von Insektenlarven direkt auf einer Schweinemast in Betrieb gegangen. Das System soll neue Möglichkeiten für die Tierfütterung eröffnen. Hinter der Technologie steht das Unternehmen Livin Farms aus Wien.

Auf dem Spitzöderhof in Bayern hat der Schweinemast-Landwirt Manfred Aue gemeinsam mit dem Wiener Unternehmen Livin Farms eine neue Anlage zur Produktion von Larven der Schwarzen Soldatenfliege gestartet. Besonderheit: Die Anlage läuft weitgehend automatisiert und produziert direkt am Hof lebende Insektenlarven. Der Betrieb ist derzeit auf rund 1.000 Tonnen Lebendlarven pro Jahr ausgelegt. In einem nächsten Schritt soll die Produktion auf bis zu 3.000 Tonnen gesteigert werden. Gleichzeitig entsteht dabei ein Nebenprodukt: organischer Dünger aus der Insektenproduktion. Die Anlage nutzt Nebenprodukte aus der Lebensmittel- und Futtermittelproduktion als Futter für die Larven. Dadurch können regionale Kreisläufe entstehen und Reststoffe sinnvoll verwertet werden.

Neue Möglichkeiten für die Schweinefütterung

Ein zentraler Ansatz des Projekts ist die sogenannte Lebendverfütterung. Dabei werden die Larven direkt an Schweine verfüttert, ohne vorher getrocknet oder verarbeitet zu werden. Erste Erfahrungen aus der Ferkelmast zeigen laut Betreiber deutliche Effekte: Die Tiere erreichen höhere Gewichte und zeigen eine bessere Vitalität. Auch Probleme wie Durchfall oder Schwanzbeißen sollen deutlich seltener auftreten. Neben dem Tierwohl spielt auch der Energieverbrauch eine Rolle. Weil die Larven nicht getrocknet werden müssen, entfällt ein energieintensiver Verarbeitungsschritt.

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Gemeinsam mit einem bayerischen Landwirt Manfred Aue hat Livin Farms die erste vollautomatische Produktion für Larven der Schwarzen Soldatenfliege in Deutschland gestartet.

Automatisierte Technik reduziert Arbeitsaufwand

Die Anlage arbeitet mit mehreren robotischen Systemen, die die Produktion weitgehend automatisieren. Ein patentiertes Verfahren sorgt dafür, dass Junglarven bis zu zehn Tage haltbar bleiben und in der Anlage automatisch dosiert werden können. Für Landwirte bedeutet das laut Hersteller einen relativ geringen Arbeitsaufwand im laufenden Betrieb. Künftig soll die Technik sogar noch weiter gehen: In Entwicklung ist ein System, das die geernteten Larven automatisch direkt in die Schweinebuchten transportiert.

Teil eines wachsenden europäischen Netzwerks

Die Anlage in Bayern ist nicht als Einzelprojekt gedacht. Sie ist Teil eines größeren Netzwerks von Insektenanlagen in Europa. Bereits heute werden laut Livin Farms jährlich rund 100.000 Tonnen Nebenprodukte aus der Lebensmittel- und Futtermittelindustrie in Insektenprotein, Fett und Dünger umgewandelt. Rund zehn landwirtschaftliche Betriebe arbeiten in der Region außerdem in einer Erzeugergemeinschaft zusammen, die Vermarktung und Weiterentwicklung der Insektenproduktion vorantreiben soll.

Reportage über Livin Farms lesenDie BauernZeitung hat das Unternehmen in Wien besucht. Hier können Sie die Reportage darüber lesen.

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