Wirtschaftlichkeit steigern: Die Rolle der Buchführung im Grünen Bericht

Alljährlich zeigt der Grüne Bericht, wo die österreichische Landwirtschaft wirtschaftlich steht. Grundlage dafür sind die Angaben der sogenannten Buchführungsbetriebe zu ihren Einnahmen und Ausgaben, darunter auch jener der Familie Engelhart-Getzinger. Ein Blick hinter die Kulissen.

Patrizia im Büro

Copyright © Katharina Berger

Anfangs war der Aufwand hoch, aber „jetzt habe ich alle Zahlen innerhalb weniger Sekunden auf Knopfdruck“, sagt Patrizia Engelhart-Getzinger. Gemeint ist die Buchführung für den Grünen Bericht, bei der die Bäuerin mitmacht. Vor fünf Jahren hat sie gemeinsam mit ihrem Mann Christian den Biohof „Grüner Engel“ im niederösterreichischen Inzersdorf von ihren Eltern übernommen. Gleichzeitig entschied sich Engelhart-Getzinger bei der Datensammlung für den Grünen Bericht mitzumachen. Die Voraussetzung dafür ist, alle Betriebsdaten offen zu legen. „Zu Beginn war es hart, die gesamten Ausgaben und Einnahmen darlegen zu müssen. Da sie für die Öffentlichkeit anonym sind, haben wir den Schritt gewagt.“ Mittlerweile möchte die Bio-Bäuerin nicht mehr zurück, denn einen so detaillierten und aktuellen Überblick zu haben, empfindet sie als großen wirtschaftlichen Vorteil.

Zu Beginn war es hart, die gesamten Ausgaben und Ein­nahmen darlegen zu müssen

Patrizia Engelhart-Getzinger

Kürbis und Grünspargel

Patrizia Engelhart-Getzinger führt den etwa 45 Hektar großen Betrieb gemeinsam mit ihrem Mann. Spezialisiert haben sich die beiden auf den Anbau von Grünspargel, Speise- und Ölkürbis in Bioqualität. Die Fruchtfolge wird nun nur noch durch verschiedene Getreidearten und Luzerne aufgelockert.

In näherer Zukunft möchte die Familie ihre Flächen erweitern und sich auf die Speisekürbisproduktion für Tiefkühlware fokussieren. Neben Hokkaido bauen die Niederösterreicher auch die Sorte Langer von Neapel an, den sie gewürfelt vakuumieren. „Das machen wir vor allem für die Großküchen, die wir beliefern. Diese können dadurch frisches und regionales Gemüse länger anbieten.“ Ein Drittel ihrer Produkte wird im Hofladen am Betrieb vermarket. Ein weiteres Drittel geht an Großküchen und der Rest an den regionalen Handel.

Copyright © Katharina Berger

Patrizia und Christian Engelhart-Getzinger entwickeln ihren Gemüsebaubetrieb ständig weiter.

Der Überblick ermöglicht neue Wege

Aufgrund der dokumentierten Daten in der Buchführung weiß Patrizia Engelhart-Getzinger, welche Sparte ihres Betriebs aufgrund der Nachfrage und Kooperationen am besten läuft. Mit Stolz kann sie sagen: „Wir sind durch die Buchführung wirtschaftlich besser geworden. Somit können wir mögliche Umstrukturierungen genauestens berechnen und planen.“ Daraus folgte auch die Entscheidung den Kartoffelanbau zu reduzieren, da der Aufwand wesentlich höher war als der Ertrag. „In unserer Region gibt es viele Erdäpfel-Lieferanten und da wir hauptsächlich Großküchen beliefern, kamen zunehmend spezielle Anforderungen, etwa nach vorgegarten oder vakuumierten Produkten.“ Im Laufe der Zeit habe sich gezeigt, dass die Erdäpfel nicht mehr ins Betriebskonzept passen. „Wir bauen sie heute nur mehr für den Eigengebrauch und für den Ab-Hof-Verkauf an.“

Stattdessen setzt Familie Engelhart-Getzinger alles auf Kürbis und Grünspargel. Denn dort zeigt sich laut den Aufzeichnungen für den Grünen Bericht, dass die Erträge besser zum Aufwand passen. Deshalb zahlt es sich laut den Gemüsebauern aus, die Kürbisse auch vakuumiert anzubieten. Eine Stunde pro Monat verbringt die Gemüsebäuerin durchschnittlich für die Aufzeichnungen vor dem Computer. „Da ich monatlich alle Abrechnungen erledige, kommt nie zu viel auf einmal“.

Neben Hokkaido bauen die Niederösterreicher auch die Sorte Langer von Neapel an, den sie zerstückeln und vakuumieren.

Kürbis geschnitten

Bereits seit 30 Jahren gibt es am Biohof Grünspargel. Dieser wird nach der Ernte direkt am Hof sortiert, gewaschen und frisch vermarktet.

Sortierung der Spargel

Zeitersparnis als großer Vorteil

Zu Beginn erhielt die Bäuerin eine Einschulung in das System der LBG Österreich, also jenes Unternehmens, welches die Aufzeichnungen im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums sammelt und analysiert. Da die gesamten Einträge digital erfolgen, wurde auch die sogenannte Zettelwirtschaft weniger. „Wir haben nach wie vor unsere Ordner und drucken die wichtigsten Dokumente aus. Wenn ich aber schnell eine Rechnung suche, dann finde ich sie mit wenigen Klicks“. Das gesamte Buchhaltungssystem wird den Teilnehmern kostenlos zur Verfügung gestellt. Außerdem erhält jeder Betrieb eine Betreuungsperson, die bei Fragen erreichbar ist. Für den Aufwand der Buchhaltung und das Preisgeben der gesamten Daten, erhalten die Teilnehmer eine Aufwandsentschädigung von 100 Euro pro Jahr. Ab dem sechsten Jahr erhöht sich dieser Betrag auf 150 Euro.

Wenn ich schnell eine Rechnung suche, dann finde ich sie mit wenigen Klicks.

Patrizia Engelhart-Getzinger

Copyright © Katharina Berger

Bevor die Grünspargel-Saison beginnt, findet man im Hofladen Kürbiskernöl und Köstlichkeiten aus den Waldgärten.

Angaben für die Allgemeinheit

2024 lagen Buchführungsdaten von 1.905 land- und forstwirtschaftlichen Betrieben aus ganz Österreich vor. All diese unterscheiden sich in der Größe, Betriebsform und Struktur und gelten stellvertretend für alle heimischen Betriebe. Dadurch wird ein objektiver Einblick in die Branche gewährleistet. Für Familie Engelhart-Getzinger ist das auch ein wenig mit Stolz verbunden, denn nicht jeder Bauernhof kann mitmachen. „Es ist schon so, dass zuerst kon­­trolliert wird, ob man überhaupt in Frage kommt.“ Denn wenn es bereits genügend buchführen­de Betriebe der gleichen Struktur gibt, dann kann es auch sein, dass man vorerst nicht teilnehmen darf. Für Familie Engelhart-Getzinger zahlt sich die Teilnahme jedenfalls aus und sie bleiben auch weiterhin dabei.

Betriebsspiegel:

  • Biohof Grüner Engel

  • Familie Engelhart-Getzinger

  • Inzersdorf, Niederösterreich

  • Spezialisiert auf Grünspargel, Speise- und Ölkürbis

  • Direktvermarktung ab Hof und Zusammenarbeit mit Gastronomie, Großküchen und regionalen Händlern

Weitere Artikel