Zwei Generationen lang wurde der Gmoarieglhof in der oststeirischen Marktgemeinde Markt Hartmannsdorf nicht mehr selbst bewirtschaftet. In den letzten Jahren hat sich das geändert, weil Martin Gollowitsch (36) und seine Ehefrau Lisa-Marie (33) mit ihren drei Kindern als bäuerliche Quereinsteiger für neues Leben am Hof sorgen. „Wir wohnten in einer kleinen Wohnung, wollten aber unseren Kindern zeigen, wo die Lebensmittel herkommen und wie sie entstehen“, beginnt Lisa-Marie zu erzählen.
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Von der Wohnung zurück auf den Hof
„So haben wir vor sechs Jahren mit der Zucht von seltenen Hühnerrassen begonnen. Für uns war jeder Tag ein Abenteuer und gleichzeitig eine Herausforderung, denn am Hof gab es weder einen Stall noch Maschinen, sieht man von einem alten Traktor ab.“ Gatte Martin wird präziser: „Dieser Traktor ist ein Deutz D 4006.“ Im Laufe der Jahre kamen weitere Maschinen und Geräte hinzu – alle gebraucht gekauft, um den kleinen Betrieb mit sechs Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche und zwei Hektar Wald selbst bewirtschaften zu können. Die junge Oststeirerin ist ausgebildete Floristin, konzentriert sich mittlerweile aber gänzlich auf ihre Rollen als Mutter und Bäuerin. Ihr Mann Martin ist gelernter Maurer und als solcher immer wieder über den Maschinenring im Einsatz.
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Neumaschinen sucht man bei Gollowitschs vergebens. Der Deutz 4006 aus den 1970er-Jahren – einst meistverkaufter Traktor der BRD – ist ihr Allrounder.
Im Betrieb ist das Brotbacken ein wichtiges Standbein geworden. „Vor vier Jahren errichteten wir gemeinsam mit Nachbarn einen Lehmbackofen“, erzählt Lisa-Marie, „aber da habe ich noch nicht im geringsten ans Brotbacken für den Verkauf gedacht.“
Zwei Backtage pro Woche
Im Jahr 2024 ist das anders geworden. In den beiden Nächten von Donnerstag auf Freitag und dann auf Samstag ist am Gmoarieglhof Backtag. Martin ist der Heizer und „Broteinschießer“, Lisa-Marie die Bäckerin. „Mit einer Partie backen wir im Ofen rund 25 Ein-Kilo-Laibe“, lassen sie wissen. Gebacken werden vier verschiedene Brotsorten (Bauern-, Zwiebel-, Nuss- sowie Dinkel-Buchweizenbrot). Damit beliefern sie fünf Hofläden. Am Samstagvormittag wird zudem ein eigener Verkaufsstand am Bauernmarkt in Sinabelkirchen betreut. „Es sind immer zwei anstrengende Tage, aber unsere Kundschaft ist ständig gewachsen. Dankbar bin ich dafür, dass mir so viele erfahrene Brotbäckerinnen und Bäuerinnen mit Rat und Tat zur Seite gestanden sind und mir auch heute noch wichtige Tipps geben“, sagt die Bäuerin.
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Mit vier verschiedenen Brotsorten ist die Familie in der Direktvermarktung breit aufgestellt. Auch die eine oder andere Pizza kommt aus dem Backofen.
Für uns war jeder Tag ein Abenteuer und gleichzeitig eine Herausforderung.
Lisa-Marie Gollowitsch
Paten für die Hühnerschar
Immer weitere Kreise zieht ihr Patenhuhn-Projekt. Menschen, die selbst keinen Platz oder keine Zeit haben, Hühner zu halten, übernehmen eine Patenschaft für eine Henne. Sie geben ihrem Patenhuhn einen eigenen Namen und können ihm sogar via Internet beim Eierlegen oder Körnerpicken zuschauen. „Einmal im Monat bekommen die Paten eine Hühnerpost mit zwölf oder 24 Eiern zugeschickt“, berichtet die Bäuerin. Die meisten Kunden kommen aus dem urbanen Raum. „Plötzlich bekommt für diese Menschen so ein selbstverständliches Lebensmittel wie das Ei einen ganz besonderen Wert. „Sie wollen mehr über die Hühner und Eier wissen und hinterfragen viele Dinge“, erklärt Lisa-Marie Gollowitsch.
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Lisa-Marie Gollowitsch hat sich der Zucht seltener Hühnerrassen verschrieben und für deren Haltung ein findiges Marketingkonzept entwickelt.
Der Hühner-Pate ist am Betrieb jederzeit willkommen. „Besonders für Stadtkinder ist das ein reizvolles Angebot“, weiß Lisa-Marie zu berichten. Sie liebt es, ihr Wissen vor allem an die Kinder weiterzugeben. „Wir sind auch ein ‚Schule am Bauernhof‘-Betrieb“, betont sie und merkt an: „Meine Hauptbotschaft lautet immer, dass es ohne Bäuerinnen und Bauern keine Lebensmittel gibt und dass wir die Lebensmittel wertschätzen sollen.“
Veranstaltungen am Hof
Voll Freude blicken sie und ihr Mann schon auf die Veranstaltung „Krimi am Hof“. Diese findet Ende Juni am Gmoarieglhof statt. Fünf namhafte Krimi-Autoren lesen an diesem Tag aus ihren Werken. Dazu gibt es Musik, Speis und Trank sowie eine große Tombola. „Auf unserer Homepage kann man bereits Karten für diesen Krimi-Tag erwerben“, sagt Lisa-Marie. Das ist nicht die erste Veranstaltung, mit der das junge Ehepaar auch Werbung für seinen Bauernhof macht. In den vergangenen Jahren gab es hier auch schon Hoffeste, Ostermärkte, verschiedene Kurse sowie eine Heubodenlesung für Kinder.
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Auf dem „Schule am Bauernhof“-Betrieb lernen auch die Jüngsten aus Stadt und Land die Produktion von Lebensmitteln kennen und schätzen.
„Vifzack“ für findiges Betriebskonzept
Vor einigen Tagen erfuhren beide eine besondere Ehrung. Sie wurden mit dem steirischen Agrarinnovationspreis „Vifzack“ ausgezeichnet. „Das bestätigt uns, dass wir mit unserer Arbeit auf dem richtigen Weg sind“, sagt Martin Gollowitsch. Und seine Frau Lisa-Marie ergänzt: „Diese Auszeichnung macht mich überglücklich!“
Betriebsspiegel
Martin und Lisa-Marie Gollowitsch
Oed, Markt Hartmannsdorf
6 Hektar LN, 2 Hektar Wald
Bauernbrot, Paten-Hühner, Zucht von seltenen Hühnerrassen, Krainer Steinschafe, Hofladen
Sieger des steirischen Agrarinnovationspreises Vifzack 2026
www.gmoarieglhof.at
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