Mitten im März liegt über Altenmarkt noch einmal ein Hauch von Winter. In der Nacht hat es geschneit, feiner Neuschnee bedeckt die Sträucher, die bereits Knospen tragen. Vom Vorderkuchlberghof aus reicht der Blick weit über das Tal – von Zauchensee bis tief ins Ennstal: „So einen Ausblick findet man auch nicht oft“, sagt Thomas Walchhofer zur Begrüßung auf seinem Vorderkuchlberghof stolz. Den Betrieb bewirtschaftet er gemeinsam mit seiner Frau und unter Mithilfe seiner fünf Kinder. Neben Eiern und Milch produziert Familie Walchhofer hier seit mehr als 20 Jahren Energie aus Gras, Mais und Gülle.
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Fixer Bestandteil der Bioenergie
Biogasanlagen wie jene der Familie Walchhofer sind in Österreich vergleichsweise selten. Rund 270 landwirtschaftliche Biogasanlagen sind derzeit im ganzen Land in Betrieb, nur vier davon in Salzburg. Zusammen erzeugen sie jährlich etwa 520 Gigawattstunden Strom und rund 430 Gigawattstunden Wärme. Damit ist Biogas zwar ein fixer Bestandteil der Erneuerbaren-Energie-Produktion im Land, spielt im Vergleich zu Wasserkraft, Wind oder Photovoltaik aber eine untergeordnete Rolle. Fachleute sehen dennoch großes Potenzial – vor allem in der Vergärung von Wirtschaftsdüngern, die in den Ställen ohnehin anfallen. Der Vorderkuchlberghof gehört damit zu jener kleinen Gruppe bäuerlicher Betriebe, die schon früh begonnen haben, aus landwirtschaftlichen Reststoffen Energie zu gewinnen.
Mir gefiel das Konzept, Heizöl zu sparen und durch den eigenen, nachwachsenden Rohstoff zu ersetzen.
Thomas Walchhofer
Bewusste Entscheidung
Als Anfang der 2000er-Jahre klar war, dass Thomas mit seiner Frau Rosi den elterlichen Betrieb übernehmen wird, startete er damit, diesen auf nachhaltige Energie umzustellen. „Begonnen hat alles mit unserem eigenen Fernwärmenetz – das zu Beginn noch mit Holz beheizt wurde. Mir gefiel das Konzept, Heizöl zu sparen und durch den eigenen, nachwachsenden Rohstoff zu ersetzen. Mit der Biogasanlage haben wir 2004 begonnen“, erzählt Thomas Walchhofer. Damals haben er und seine Frau die bewusste Entscheidung getroffen, statt in einen größeren Milchviehstall in die Energieproduktion zu investieren.
Heute läuft die Anlage rund um die Uhr. Sie deckt den gesamten Strombedarf des Betriebes und liefert zusätzlich Energie für etwa 150 bis 180 Haushalte in der Umgebung. Auch die entstehende Wärme wird weiter genutzt: Über das eigene Fernwärmenetz wird der Wärmebedarf von knapp 50 Haushalten gedeckt. Für Walchhofer ist die Biogaserzeugung damit längst mehr als ein Experiment – sie ist zu einem festen Bestandteil der betrieblichen Entwicklung geworden.
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Durch die Vergärung von Gras- und Maissilage gemeinsam mit der anfallenden Rindergülle entsteht im Fermenter hochwertiges Biogas.
Hohe Kosten und aufwendige Verfahren
Doch Betriebe wie jener der Familie Walchhofer sind selten. Der Einstieg in die Biogaserzeugung ist mit hohen Investitionen und einigen Genehmigungsverfahren verbunden. „Wenn man heute eine Anlage bauen will, braucht es einen hohen Aufwand an Bürokratie und sehr viele Gutachten, um die notwendigen Bewilligungen zu erhalten – das kostet Zeit und Geld“, sagt Walchhofer. Zudem hätten sich die Förderbedingungen in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Garantierte Einspeisetarife, die früher Planungssicherheit boten, gebe es kaum mehr. Gerade kleinere landwirtschaftliche Betriebe würden deshalb oft davor zurückschrecken, in diesen Bereich einzusteigen. „Wir alle wollen nachhaltiger leben und nachhaltige Energie konsumieren, sind aber nicht bereit, die Kosten dafür zu bezahlen“, bringt Walchhofer die wirtschaftliche Realität auf den Punkt. Diese Situation und das immer noch ausständige Erneuerbare-Gase-Gesetz auf Bundesebene bringe auch viele bestehende Betreiber von Biogasanlagen langfristig in eine schwierige Situation. „Ändert sich die Situation nicht bald, wird das für viele Anlagen das ‚Aus‘ bedeuten“, weiß Walchhofer, der vor allem in der Nutzung von Wirtschaftsdüngern noch großes Potenzial für die Energiewende sieht.
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Im neu errichteten Laufstall liefern die Kühe nicht nur Milch, sondern mit ihren Ausscheidungen auch eine wichtige Grundlage für die Biogasproduktion.
Anfängliche Skepsis bei den Nachbarn ist gewichen
Im Alltag wirkt die Energieproduktion am Vorderkuchlberghof unspektakulär. Gras- und Maissilage werden gemeinsam mit Rindergülle in den Fermenter eingebracht, dort entsteht durch Vergärung Biogas. Ein Generator wandelt dieses schließlich in Strom und Wärme um. Nur das gleichmäßige, wahrzunehmende Brummen der Anlage erinnert daran, dass hier rund um die Uhr Energie erzeugt wird. Zu Beginn sorgten Geruchsemissionen und die Nähe zur Siedlung noch für Skepsis bei einigen Anrainern. Heute habe sich vieles beruhigt, erzählt Walchhofer. Der ausgegorene Dünger sei deutlich geruchsärmer und lasse sich besser ausbringen.
Während über Altenmarkt langsam der Frühling Einzug hält, denkt die Familie an die Zukunft des Betriebes. Für Walchhofer steht fest: In der Nutzung landwirtschaftlicher Reststoffe steckt noch viel ungenutzte Energie – und vielleicht auch die Chance, bäuerliche Betriebe langfristig unabhängiger zu machen.
Betriebsspiegel:
Der Vorderkuchlberghof der Familie Walchhofer liegt in Altenmarkt im Pongau. Der Hof steht auf drei Standbeinen: Milchviehhaltung mit 30 Kühen, Eierproduktion für den Direktvertrieb mit 180 Legehennen sowie Energieproduktion. Die 2004 errichtete Biogasanlage hat eine elektrische Leistung von 100 kW und versorgt damit etwa 150 bis 180 Haushalte mit Strom. Zusätzlich wird für die Abwärmeein Fernwärmenetz unterhalten.
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