Unterwöger

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Hof trifft Herd: Wo Land- und Gastwirtschaft zusammengehören

Im Traditionsgasthof Unterwöger in Obertilliach (Osttirol) ist die Landwirtschaft nicht nur Teil der Geschichte, sondern Grundlage des Betriebs. So greifen mitten im Ort Lebensmittelproduktion, Gastronomie und Hotellerie ineinander.

Zwischen Stall und Gaststube liegen bei Familie Lugger im Osttiroler Obertilliach nur wenige Minuten. Mitten im Herzen des Hochgebirgsdorfes liegt der Traditionsgasthof Unterwöger. Seit Generationen ist das denkmalgeschützte Wirtshaus fest im Dorf verwurzelt und heute das Zentrum eines Gebäudekomplexes, der die Zimmer im Nebenhaus und im Neubau mit dem Wirtshaus, den Stuben, dem Wellnessbereich und dem Schwimmbad verbindet. Geführt wird der Gasthof Unterwöger in dritter Generation von Familie Lugger, die vierte Generation steht bereits in den Startlöchern und hilft am Betrieb tatkräftig mit. Der Anspruch, Herkunft spürbar zu machen durchzieht den ganzen Betrieb und zeigt, wie gut die Symbiose von Gast- und Landwirtschaft funktionieren kann.

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„Die Möglichkeiten der Landwirtschaft schöpfen wir für die Gastwirtschaft aus – wir sind unser eigener Zulieferbetrieb. Das wurde traditionell immer so betrieben“, erklärt Josef Lugger, Gast- und Landwirt. Gast- und Landwirtschaft sind im Lauf der Zeit stetig gewachsen. Heute zählt der Gasthof 120 Betten und etwa 30 Mitarbeiter.  Bewirtet werden die Gäste mit dem, was man selbst erzeugt, pflegt und lebt. Zusätzlich liefern 80 Hektar Wald jährlich rund 900 Kubikmeter Holz für die hauseigene Hackgutheizung.

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Familie Lugger bewirtschaftet den Gasthof Unterwöger in dritter Generation, die vierte steht bereits in den Startlöchern.

Alles aus einer Hand

Rind-, Lamm-, Ziegen- und Schweinefleisch aus eigener Landwirtschaft finden den Weg in die Küche des Gasthofes. 120 Legehennen liefern dazu ca. 35.000 Eier im Jahr. Ein entscheidender Teil des zusammenhängenden Kreislaufes: Lebend verkauft wird von den Tieren keines, sondern in der hofeigenen Metzgerei geschlachtet. Diese liegt direkt neben dem historischen Wirtshaus, nicht einmal einen Kilometer von der Landwirtschaft entfernt – kürzer kann ein Transportweg wohl kaum sein. So weit möglich, stammen Fleisch- und Räucherwaren aus eigener Erzeugung. Ergänzt wird mit Erzeugnissen von Betrieben aus Osttirol und Umgebung.

„Die Verarbeitung der Tiere erfolgt aus einer Hand und ist eng mit Verantwortung und Respekt gegenüber dem Tier verbunden. Die Kunst ist dabei, nicht nur die Edelteile, sondern das ganze Tier zu verwerten. Dass Regionalität auch für unsere Gäste immer wichtiger wird, merken wir ganz deutlich. Langfristig wird sich diese Qualität durchsetzen“, ist Wirtin Helene Lugger überzeugt.

Sorgfältig, ruhig, ohne Eile: So lautet der Anspruch bei der Weiterverarbeitung.

Zwei Köche in weißer Arbeitskleidung schneiden Fleisch in einer gewerblichen Küche. Einer lächelt, während sie konzentriert arbeiten.

Was aus der eigenen Landwirtschaft stammt, wird auch im Haus verarbeitet.

Person hält zwei vakuumverpackte rohe Rindersteaks in Händen, die in durchsichtiger Folie eingewickelt sind. Studiohintergrund.

Gekocht wird mit Respekt vor dem, was verarbeitet wird.

Steak in a skillet with cherry tomatoes, green beans, and herbs on a stovetop, next to a pan with a cooked dish.
Ein Mann mit Mütze streichelt in einem Stall ein Kalb. Weitere Kälber sind im Hintergrund sichtbar.

70 Prozent Stammgäste

Familiäres Miteinander beschränkt sich am Gasthof Unterwöger nicht nur auf Familie Lugger, sondern inkludiert auch die Gäste. Für Seniorchef Josef Lugger ist diese Bindung zentral: „Der persönliche Bezug zwischen Gast und Gastgeber stand für mich immer im Vordergrund. Heute haben wir eine Stammgastquote von etwa 70 Prozent – sogar die Kinder früherer Gäste kommen heute wieder mit ihren Kindern her.“ 

Entscheidend ist für Familie Lugger auch die Transparenz für den eigenen landwirtschaftlichen Betrieb. Im Rahmen einer Betriebsführung inklusive Metzgerei können Gäste einmal in der Woche den Bauernhof der Familie besichtigen, im Sommer dazu die Arbeit auf der zugehörigen Alm kennenlernen.

Die Landwirtschaft besteht aus ursprünglich zwei Gehöften, Unterwöger- und Außerwinklerhof. Diese wurden 2020 nach neuesten Tierwohlstandards umgebaut. Ein Teil des Schadholzes, das nach dem Windwurf Vaia 2018 und Schneebruch in den Jahren 2019/20 anfiel, wurde 2020 für den Stallbau genutzt. 

Wer Gastwirtschaft als Teil des Familienlebens und die Verknüpfung von Land- und Gastwirtschaft aktiv vorlebt, dem geht die Arbeit nicht aus. Kein Problem für Josef Lugger: „Neben der Pflichterfüllung, die nie ausbleibt, kann sich aufgrund der Vielfältigkeit unseres Betriebes doch jedes Familienmitglied in seinen Präferenzen entfalten. Mit Augenmaß und einem respektvollen Anspruch an das eigene Tun ist das für mich sehr erfüllend.“

Schafe mit Nummernetiketten fressen Heu in einem Stall.

Wie bei den Rindern, Schafen, Ziegen und Schweinen, entspricht auch die Haltung der gut 120 Legehennen dem Stand der Technik.

Brown chickens in a poultry farm, walking on a grated floor, with feeding stations above them.
Einsames Holzgebäude in schneebedeckter Berglandschaft mit umliegendem Wald und entfernten Häusern im Hintergrund.
Schwarzes Schaf schaut neugierig in die Kamera, umgeben von anderen Schafen in einem Stall mit Stroh.
Two cows with black and white coats peek their heads through wooden rails in a barn, surrounded by hay.
Blick durch eine offene Tür in eine warme, gemütliche Küche mit Holzmöbeln und einem gedeckten Esstisch im Hintergrund.

Betriebsspiegel

Der Traditions-Gasthof Unterwöger liegt auf 1450m Seehöhe in Obertilliach. Familie Lugger bewirtschaftet 20 Hektar Grünland und 80 Hektar Wald. 20 Grauvieh-Mutterkühe mit Nachzucht (Kreuzung mit WB-Belgier), 50 Mutterschafe der Rasse braunes Bergschaf mit Nachzucht (Kreuzung mit Jura), acht Ziegen, 16 Schweine pro Jahr und 120 Legehennen versorgen die Gastwirtschaft mit Fleisch und Eiern. Der Gesamtbedarf in der Küche wird mit Qualitätsprodukten aus Österreich ergänzt. Geschlachtet und verarbeitet wird in der eigenen Metzgerei. Den Sommer verbringen Rinder und Schafe auf der hofeigenen Alm. 2013 wurde der Gasthof, der heute 120 Betten umfasst, zum „Bewusst Tirol“-Betrieb ausgezeichnet. Ein umfassender Wellnessbereich mit Schwimmbad, Dampfbad und Sauna ergänzt das Angebot. „Im Rahmen der Bäuerinnen-Erholungswoche wissen das auch Gäste mit landwirtschaftlichem Hintergrund zu schätzen“, informiert die Familie. 

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