Der „Ferdlbauer“ in Zeillern ist kein gewöhnlicher landwirtschaftlicher Betrieb. Sein Bestehen ist bis ins Jahr 1417 nachgewiesen, der markante Vierkanter prägt seit dem 16. Jahrhundert das Ortsbild. Heute ist rund um die historischen Mauern längst ein moderner Betrieb entstanden.
Seit 2013 führen Stefan und Katharina Schadauer den Hof. Die Kinder Emma, Dominik und Gabriel helfen genauso mit wie Altbauer Franz und seine Frau Inge. Für Bäuerin Katharina Schadauer war der Weg in die Landwirtschaft nicht vorgezeichnet. Sie ist gelernte Bäckerin und ausgebildete Yoga-Lehrerin. Heute verbindet sie beide Welten und bietet sogar Yoga-Kurse direkt am Hof an. „Ich bin da eigentlich hineingewachsen“, sagt sie. „Aber genau das macht es auch spannend.“
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Familie Schadauer vor ihrem Stall in Zeillern: Stefan und Katharina mit ihren Kindern Emma, Dominik und Gabriel sowie den Altbauern Franz und Inge
Gemeinsam haben sie den ehemals gemischten Betrieb konsequent weiterentwickelt und auf Schweinehaltung spezialisiert. Als entscheidenden Vorteil betrachten sie ihr geschlossenes System: Von der Geburt bis zur Schlachtreife bleiben die Tiere am Hof. Das schafft nicht nur Unabhängigkeit, sondern ermöglicht auch eine lückenlose Kontrolle über alle Produktionsschritte.
Weichenstellung Tierwohlstall
Mit dem Bau des Tierwohlstalls im Jahr 2025 hat die Familie eine zentrale Entscheidung für die Zukunft getroffen. Dabei ging es ihnen nicht nur um die Erreichung höherer Standards, sondern auch um wirtschaftliche Perspektiven und die betriebliche Stabilität.
Die Teilnahme am „Fair zum Tier“-Programm des Rewe-Konzerns sicherte den Absatz der Premium-Schweine. Abgerechnet wird auf Basis des gültigen Schweinepreises, allerdings mit festgelegtem Tierwohlzuschlag. Gleichzeitig spielte der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit vom Markt, insbesondere vom Ferkelzukauf, eine entscheidende Rolle. „Wir wollten ein System, das langfristig funktioniert“, bringt es Stefan Schadauer auf den Punkt.
Das System passt sich dem Tier an, nicht umgekehrt.
Stefan Schadauer
Heute umfasst der Betrieb 480 Mastplätze im Tierwohlstall sowie weitere 150 Plätze für Sauen und Ferkelaufzucht nach AMA-Gütesiegel-Standard. Der neue Stall ist funktional aufgebaut und orientiert sich am Pigport-Konzept, das Tierwohl und Arbeitswirtschaft miteinander verbindet. Besonders wichtig war der Familie, dass die täglichen Abläufe effizient bleiben und gleichzeitig die Bedürfnisse der Tiere berücksichtigt werden.
Im neuen Stall sind die Funktionsbereiche klar getrennt. Liegen und Fressen passiert im Inneren, der Kotabsatz im Außenbereich. Pro Tier stehen rund 1,4 Quadratmeter Platz zur Verfügung. Die Tiere können frei zwischen den unterschiedlichen Klimazonen (außen, innen, Kiste) wählen. Eine Kammer für 22 Schweine misst im Innenbereich 2,5 mal 6,8 Meter, im Außenbereich 2,5 mal 6 Meter. Damit erfüllt der Stall die Tierwohlvorgaben und bietet den Tieren ausreichend Platz und Bewegungsfreiheit. Stroh und Heu werden eingestreut, zusätzlich gibt es hängendes Beschäftigungsmaterial. Die Auswirkungen auf das Verhalten der Tiere durch die neuen Reize ist den Bauern zufolge deutlich sichtbar. „Die Schweine sind viel neugieriger geworden“, beschreibt Stefan Schadauer seine Beobachtungen. Die Tiere bewegen sich mehr, sind aktiver und zeigen ein ausgeprägteres Sozialverhalten. Für die Betriebsleiter ist genau das der entscheidende Unterschied: Das System passt sich stärker an die Tiere an und nicht umgekehrt.
Langschwanzhaltung: Anspruch und Realität
Das gilt am Hof auch bei Eingriffen am Tier. Seit geraumer Zeit wird bewusst auf das Kupieren der Ferkel verzichtet. Ein Schritt, den bisher nur wenige Betriebe wagen. Gründe für Zweifel gibt es laut Schadauer genug: das Risiko von Schwanzbeißen steigt, Stresssituationen, etwa durch Wetterumschwünge, Rangkämpfe oder gesundheitliche Probleme, können schnell zu Unruhe führen.
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Das Management muss ihm zufolge daher deutlich intensiver sein: mehr Platz, klar strukturierte Buchten und ausreichend Beschäftigungsmaterial sind Grundvoraussetzungen. Noch wichtiger ist jedoch die konsequente Tierbeobachtung. „Man muss viel genauer hinschauen als früher“, erklärt Katharina Schadauer. Frühzeitiges Erkennen von Problemen ist entscheidend, um Verletzungen zu vermeiden. Gleichzeitig erfordert die Haltung ein gutes Gespür für die Tiere und ihre Bedürfnisse. Trotz der Herausforderungen steht die Familie hinter diesem Weg. Die Langschwanzhaltung wird nicht als kurzfristiger Trend gesehen, sondern als langfristiges Ziel einer tiergerechteren Schweinehaltung. Den Mehraufwand dafür nimmt man in Kauf.
Mehr Aufwand, aber klare Überzeugung
Mit dem Tierwohlstall hat sich auch der Arbeitsalltag grundlegend verändert. Der Aufwand ist gestiegen, insbesondere durch intensivere Kontrollen und die differenzierte Betreuung der Tiere in den verschiedenen Stallbereichen.
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Der im Vorjahr bezogene Tierwohlstall beim „Ferdlbauer“ bietet den Schweinen Außenklimareize, Einstreu und jede Menge Platz.
„Es ist definitiv mehr Arbeit geworden“, sagt Katharina Schadauer. Vor allem im Ferkelbereich ist der Betreuungsaufwand hoch, da hier die Grundlage für eine stabile Entwicklung gelegt wird. Hygiene spielt eine zentrale Rolle: Regelmäßige Reinigung und Desinfektion sind notwendig, um den Krankheitsdruck gering zu halten. Gleichzeitig ist die Fütterung ein wichtiger Faktor für das Wohlbefinden. Gefüttert wird überwiegend trocken, mit einer Mischung aus Gerste, Weizen, Mais und Eiweißkomponenten, selbstverständlich gentechnikfrei.
Trotz Mehrarbeit sieht die Familie klare Vorteile. „Man ist näher bei den Tieren und merkt schneller, wenn etwas nicht passt“, so Stefan Schadauer. Neben den wirtschaftlichen Aspekten ist es vor allem die persönliche Überzeugung, die den Weg bestätigt.
Ein Betrieb mit Perspektive
Die Entwicklung beim „Ferdlbauer“ ist noch nicht abgeschlossen. Weitere Anpassungen im Bereich der Ferkelaufzucht und Abferkelung sind bereits geplant, ebenfalls mit Fokus auf Tierwohlstandards. Ziel sei es, das System konsequent weiterzudenken und noch besser auf die Bedürfnisse der Tiere abzustimmen.
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Der für die Region typische Vierkanthof prägt seit Jahrhunderten das Ortsbild. Nach wie vor bildet er das Herzstück des Bauernhofs.
Betriebsspiegel
Stefan und Katharina Schadauer führen einen Betrieb mit Ferkelaufzucht und Schweinemast
(480 Mastplätze).
Die Schweine werden über das Rewe-Programm „Fair zum Tier“ vermarktet.
• 42 ha Acker,
Kulturen: Gerste, Weizen, Mais
• 7 ha Wald, 1 ha Grünland
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