Von einer saisonalen Verknappung kann längst nicht mehr die Rede sein. Der gedrosselte Eiermarkt trifft zudem auf einen kontinuierlich steigenden Konsum. Warum die Versorgung europaweit gerade schwierig ist, hat mehrere Gründe: Zum einen ist ein EU-weiter Umbau von der Haltung in ausgestalteten Käfigen zu alternativen Haltungsformen im Gange, was die Erträge vorübergehend minimiert. Zum anderen hat die Vogelgrippe zuletzt den Markt so stark wie selten zuvor geprägt: Seit Oktober 2025 sind allein im Legehennenbereich etwa zwölf Millionen Tiere, speziell im Norden Europas, verloren gegangen. Österreich sei von der Vogelgrippe zwar deutlich weniger betroffen gewesen, dafür hätten viele Betriebe zwischen 2020 und 2024 aufgrund hoher Baukosten, volatiler Märkte und fehlender Hofnachfolge keine neuen Stallungen errichtet oder gar die Produktion eingestellt, wie es von Seiten der Landwirtschaftskammer heißt.
„Das heißt für uns, die Lage ist angespannt, aber beherrschbar“, so LK-Präsident Franz Waldenberger. Punktuell würden insbesondere Freiland- und Bioeier fehlen, Handelsketten und Packstellen hätten aber auch in Richtung Ostern bereits eine stabile Lieferfähigkeit signalisiert.
Mehr Legehennen in Oberösterreich
Vor diesem Hintergrund und auch angesichts des steigenden Verbrauchs (siehe Infobox) soll die Legehennenhaltung in Oberösterreich nun ausgebaut werden. Laut Landwirtschaftskammer würden derzeit bereits mehrere Betriebe Erweiterungen planen. „Von der Entscheidung bis zum ersten Ei vergehen aber eineinhalb bis zwei Jahre“, gibt Waldenberger zu bedenken. Bundesweit rechne die Branche mit einer Aufstockung um etwa 500.000 Tiere auf einen Legehennenbestand von circa acht Millionen bis 2028. Investiert werde überwiegend in Freilandhaltung.
Wichtig sei es, Produktionserweiterungen kontrolliert und mit dem Blick auf ein funktionierendes Marktgefüge anzugehen, damit die Erzeugerpreise nicht unter Druck geraten, betont Waldenberger.
In einem nicht ausgelobten Osterei kann sich auch ein ukrainisches Käfigei verstecken.
Gerold Sterrer
Obmann der Geflügelwirtschaft OÖ
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Gerold Sterrer (l.) und Franz Waldenberger
Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie gefordert
Die heimische Geflügelwirtschaft drängt indes auf eine strukturelle Reform: „Die Transparenz, die im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel gelebte Praxis ist, brauchen wir auch in der Gastronomie“, betont Georld Sterrer, der Obmann der Geflügelwirtschaft OÖ. Nur so könnten Konsumenten den Vorteil heimischer Eier – käfigfrei und rückverfolgbar bezüglich Herkunft und Haltung bis zum einzelnen Betrieb – auch erkennen. In Hotels, Großküchen und Touristengebieten würde oft auch zu Importware gegriffen, für die es keine Haltungsstandards beziehungsweise Kennzeichnung derselben gibt. Alleine aus der Ukraine, wo nach wie vor in Käfiganlagen investiert wird, hätten sich die Importe seit Kriegsbeginn verzehnfacht.
„Nur mit einer verpflichtenden Herkunfts- und Haltungskennzeichnung in der Gastronomie bekommt der Konsument die Wahl, welches Produkt er in seinem Essen haben will. Dann wird er auch zur österreichischen Ware greifen“, ist Sterrer überzeugt.
Käfigeier können sich aber nicht nur in der Gastronomie sowie in Fertig- und Industrieprodukten verstecken: „Auch in einem nicht ausgelobten Osterei ist das möglich“, so Sterrer. Für gekochte und gefärbte Eier gibt es keine Kennzeichnungspflicht. Für Ostereier heimischer Herkunft gibt es jedoch seit Jahren das AMA-Gütesiegel.
Weltweit dominiert noch die Käfighaltung
Europaweit schreitet der Strukturwandel in der Legehennenhaltung voran. Die ausgestalteten Käfige – einst europäischer Standard – sind bereits auf unter 40 Prozent gefallen, erstmals hat die Bodenhaltung mit fast 39 Prozent die Führung übernommen. Am Weltmarkt bleibt es aber weitgehend beim Alten. Geschätzt wird, dass weltweit etwa 90 Prozent der vermarkteten Eier von Hühnern kommen, die in Käfigen gehalten werden.
Steigender EI-Konsum
Der Eierverbrauch in Österreich steigt kontinuierlich an: Allein in den vergangenen fünf Jahren ist er um 14 Eier pro Kopf gestiegen, konkret von 236 auf 250 Stück pro Jahr.
Zurückgeführt wird das auf mehrere Trends: Viele würden aufgrund der Inflation häufiger zu preiswerten, proteinreichen Lebensmitteln greifen. Zudem gewinne flexitarische und proteinreiche Ernährung an Bedeutung. Nicht zuletzt steigt die Nachfrage auch aufgrund des Bevölkerungswachstums.
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