Bayrische Eier mit fraglicher Verpackung

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Aufregung um Import-Eier reißt nicht ab

Seit gut einer Woche ist bekannt, dass neuerdings in heimischen Supermarktregalen auch ausländische Eier angeboten werden. Nun wurden neue Lücken in puncto Transparenz publik.

Dass der Supermarkt-Branchenprimus Spar derzeit Eier aus Bayern anbietet, sorgte in der Vorwoche bei hiesigen Legehennenhaltern für Unmut. Der Verein „Land schafft Leben“ hat nachgeforscht und wurde im Großraum Wien erneut fündig. Demnach zeigen die Verpackungen der besagten Import-Eier Hühner im Freiland, obwohl es sich laut Kennzeichnung um Eier aus Bodenhaltung handelt. „Laut Wiener Marktamt ist der Verdacht der Irreführung evident“, teilt der Verein dazu mit.

Wenn Bildsprache und tatsächlicher Inhalt nicht eindeutig zusammenpassen, dann entsteht Unsicherheit.

Günther Wenninger

Obmann der EZG-Frischei

Wie die Geflügelwirtschaft Österreich (GWÖ) informiert, wurden seitens der Behörde entsprechende Maßnahmen und Sanktionen eingeleitet. Ein Gutachten einer akkreditierten Prüfstelle komme zu dem Ergebnis, dass die konkrete Gestaltung der Verpackung als potenziell irreführend im Sinne der geltenden Kennzeichnungsvorschriften beurteilt werden kann. „Für uns ist entscheidend, dass Konsumentinnen und Konsumenten sich auf die Darstellung auf der Verpackung verlassen können. Wenn Bildsprache und tatsächlicher Inhalt nicht eindeutig zusammenpassen, dann entsteht Unsicherheit und Vertrauen geht verloren“, so Günther Wenninger, Obmann der EZG-Frischei.

Ungestempelte Eier gefunden

Doch damit nicht genug. Offenbar gleichzeitig gab das Wiener Marktamt gegenüber „Land schafft Leben“ bekannt, bei einer Lkw-Kontrolle kürzlich mehr 75.000 ungestempelte Eier aus der Ukraine aus dem Verkehr gezogen zu haben. Der Fahrer wurde mit seiner Fracht zurückgeschickt. „Wohin die Eier geliefert werden sollten, ist bislang unklar“, heißt es. Diese dürften wohl für die Verarbeitung vorgesehen gewesen sein, wird in informierten Kreisen spekuliert. Denn in Fertigprodukten, Back- und Teigwaren, die in Österreich verkauft werden, sind bekanntlich oft ausländische Eier enthalten.

Laut GWÖ nicht selten solche aus Käfighaltung, welche andernorts noch erlaubt ist. „Und das gänzlich ohne Kennzeichnungspflicht“, wird seitens des Verbandes angemerkt. Hier gelte es rasch nachzuziehen und die lückenlose Kennzeichnungspflicht aus dem Frischeiersegment auch auf die Verarbeitung zu erweitern, heißt es sinngemäß.

Verbraucher halten heimischer Produktion die Stange

„Es ist absolut unverständlich, warum plötzlich Import-Eier im Supermarktregal landen, die noch dazu in die Irre führen.“, ist auch Land-schafft-Leben-Obmann Hannes Royer sauer. Einen Engpass bei österreichischer Ware hätte sein Team bei den Überprüfungen in der Bundeshauptstadt nämlich nicht feststellen können. Dass dennoch Importeier verkauft werden, schmeckt auch den Verbrauchern nicht, wie der Verein mit einer „Blitzumfrage“ unter Kunden im Lebensmitteleinzelhandel bestätigen will. „Rot-weiß-rote Eier vor Importware“ sei demnach immer noch der Wunsch der heimischen Konsumenten.

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Die umstrittene Import-Charge liegt im Raum Wien im Supermarktregal.

Auch Bauernbund-Jugendsprecherin Viktoria Hutter sieht in den jüngsten Entscheidungen des Handels „ein völlig falsches Signal“: „Es ist ausreichend heimische Ware vorhanden. Deshalb dürfen ausländische Frischeier nicht im Supermarktregal landen. Unsere Bäuerinnen und Bauern produzieren Eier in bester Qualität, mit hohen Standards und transparenter Herkunft. Diese Qualität darf nicht durch Importware unter Druck gesetzt werden“.

Die Legehennenbetriebe haben laut Hutter seit dem Auslaufen der Käfighaltung 2009 konsequent in Qualität, Kontrolle, Rückverfolgbarkeit und moderne Stallungen investiert. „Unsere Betriebe haben geliefert. Sie haben investiert, sich weiterentwickelt und Standards aufgebaut, auf die Österreich zurecht stolz sein kann. Wenn ein großer Lebensmittelhändler nun ausländische Eier ins Regal legt, obwohl heimische Ware vorhanden ist, ist das für uns völlig inakzeptabel“, so die Bauernbündlerin.

Wir scheuen den Wettbewerb nicht, aber wir erwarten Wettbewerb auf Augenhöhe.

Viktoria Hutter

Bauernbund-Jugendsprecherin

Die junge Generation in der Landwirtschaft müsse sich darauf verlassen können, dass ihre Produkte auch morgen noch einen Platz im österreichischen Regal haben, so Hutter. Wenn stattdessen Importware hereingeholt wird, nehme man jungen Betrieben ein Stück Planungssicherheit und Zukunftsperspektive. Nachsatz: „Wir scheuen den Wettbewerb nicht, aber wir erwarten Wettbewerb auf Augenhöhe. Wenn das Beispiel Import-Eier Schule macht und künftig billigere Ware mit im Regelfall niedrigeren Produktionsstandards verstärkt auf den heimischen Markt drängt, geraten jene österreichischen Mehrleistungen unter Druck, auf die unsere Konsumenten zurecht vertrauen.“

Die VorgeschichteDas sagt Spar zur entbrannten Debatte um die bayrischen Eier.

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