Milchprodukteregal im Supermarkt

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Strauchelndes Milchgeschäft: Das verlangt die Branche

Auf ein gutes Jahr 2025 folgte der Preisverfall. Der Milchverband Österreich (MVÖ) nimmt nun Politik und Lebensmitteleinzelhandel in die Pflicht.

Mit einem kleinen lachenden, aber einem umso größeren weinenden Auge wurde vergangene Woche die diesjährige Bilanzpressekonferenz der Dachorganisation der heimischen Molkereien in Wien abgehalten. Milchverband-Österreich-Präsident Helmut Petschar zeigte sich zwar insbesondere mit den Ergebnissen des Exportgeschäfts zufrieden (immerhin wurde ein neuer Rekordwert von 1,95 Mrd. Euro erwirtschaftet), musste zugleich aber die seit Jahresende durchschlagenden Preisrückgänge präsentieren.

Ursache seien deutliche Mehranlieferungen in wichtigen Produktionsländern. „Die Gründe dafür liegen in der guten Futtergrundlage, den Spätfolgen der Blauzungenkrankheit in wichtigen Produktionsgebieten und den hohen Kosten, die zu höherer Produktion und Effizienz treiben“, wurde mitgeteilt. Im Jänner lag die Anlieferung in der EU um 5 Prozent über dem Vorjahr. Auch hierzulande stieg die gelieferte Menge ab Juli deutlich und liegt laut AMA-Zahlen nach wie vor über dem Niveau der Jahre 2024 und 2025.

Die Vorjahreszahlen der Milchwirtschaft konnten sich aber sehen lassen. Die Umsätze der heimischen Verarbeiter sind 2025 um insgesamt rund 9 Prozent auf 4,4 Mrd. Euro gestiegen. Die Zahl der Molkereien und Käsereien blieb entsprechend mit 69 Unternehmen konstant. Wenig geändert hat sich allerdings an der Ertragslage. Petschar zitierte eine Auswertung des Raiffeisenverbandes Oberösterreich, wonach das Ergebnis vor Steuern im Molkereigeschäft nach wie vor nur 1 Prozent des Umsatzes betrage. Der Druck zu wachsen und zu optimieren ist auch an den präsentierten Zahlen der Milchbauern abzulesen. Deren durchschnittliche Anlieferung legte um etwas mehr als 10 Prozent zu, zugleich stellten gut 750 Betriebe die Produktion ein. Der Umsatz aus dem Milchverkauf soll 2025 im Vergleich zum Jahr davor gar um im Schnitt 19 Prozent gestiegen sein. „Diese Entwicklung war nach mehreren schwierigen Jahren notwendig, um die Kostensteigerungen auf den Höfen zu bewältigen“, erklärte Petschar.

Von Umsatzsteigerungen dürfte heuer aber keine Rede mehr sein. Betrug der durchschnittliche Bauernmilchpreis im Vorjahr 54,04 Cent je Kilogramm (4,2 % F, 3,4 % E, netto), liegt er mittlerweile gut 10 Cent darunter.

Konsumstimmung: Fehlanzeige

Der MVÖ sieht in mehreren Bereichen Handlungsbedarf, um die Branche aus der Krise zu führen. Da globale Unsicherheiten ohnehin zu massiven Kostensteigerungen allerorten führen, wünscht man sich hierzulande „eine positive Konsumstimmung“. Neue bürokratische Auflagen wie die geplante Plastiksteuer seien da nicht nur kontraproduktiv, sondern eine „überschießende, unnötige Belastung“. Hinsichtlich der zeitgleich angekündigten Mehrwertsteuersenkung auf Lebensmittel teilt man mit, dass sie „grundsätzlich zu begrüßen“ sei. Nachsatz: „Auch wenn Milchprodukte in Österreich im Hinblick auf den Nährwert und ihre Qualität schon jetzt sehr günstig sind.“ Einmal mehr erneuerte der Obmann auch seine Forderung nach einer Herkunftskennzeichnung: „Wir brauchen Rahmenbedingungen, die den erfolgreichen Kurs der heimischen Milchwirtschaft unterstützen, nicht gefährden.“

Auf EU-Ebene fordert Petschar bezüglich der finalisierten Gemeinsamen Marktordnung „sachgerechte Ausnahmeregelungen für den Sektor und für Genossenschaften“ ein und verlässt sich diesbezüglich auf Hausverstand bei der heimischen Umsetzung. Vorsicht sei weiters bei den Neuen Genomischen Züchtungstechniken geboten. Der MVÖ ortet im eingeschlagenen Weg eine „Gefahr für die österreichische Qualitätsstrategie“.

Auch gegenüber der Abnehmerseite wurde beim Pressegespräch die eine oder andere Kritik laut. So sei es der Marktlage nicht zuträglich, wenn weiterhin mehr als die Hälfte der Butter in Aktion ver- beziehungsweise gekauft werden. „Das spiegelt nicht den Wert der Butter wider“, wird betont. Problematisch sei auch, dass diese Aktionen in den von diversen Vereinigungen durchgeführten Preisvergleichen keine Berücksichtigung finden. „Das passt dann vorne und hinten nicht zusammen“, ist man im MVÖ überzeugt.

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