Im März freute sich Boku-Rektorin Eva Schulev-Steindl im Rahmen einer Veranstaltung im Festsaal der Universität darüber, dass bereits vor 50 Jahren, 1976, mit einem „Regenwurm-Symposium“ an der Boku über den Biolandbau diskutiert wurde. Studierende schlugen vor, Alternativstrategien zu der in dieser Zeit auf Wachsen oder Weichen ausgerichteten Agrarpolitik mit Produktivitätssteigerung und Rationalisierung zu entwickeln.
Es begann mit 40 Biobauern
In den 1970er-Jahren gab es hierzulande nur etwa 40 Biobauern. Aufbauend auf Lehren von Rudolf Steiner (1861/1925) sowie Hans Müller (1891/1989)sind als geistige Väter vor allem Josef Willi, langjähriger Berater in der LK Tirol, und der erste Lehrbeauftragte für Biolandbau an der Boku, Gerhard Plakolm, zu erwähnen. Wer sich trotz heftiger Widerstände im akademischen Senat der Universität mit Konsequenz für einen eigenständigen Lehrstuhl Biolandbau einsetzte, war der langjährige Professor für Tierzucht, Alfred Haiger.
In den 1980er-Jahren wurden die Auswirkungen der intensiven Landwirtschaft mit hohem Betriebsmitteleinsatz (Dünger, Pflanzenschutz) im Ackerbau immer sichtbarer. Mit der Veranstaltung „Ökologie und Ökonomie“ des Landwirtschaftsministeriums im Jahr 1984 wurden erstmals Konzepte für den Bodenschutz und gegen den fortschreitenden Flächenverbrauch von Wissenschaftlern der Boku erarbeitet und vorgeschlagen, die Bildungs- und Beratungsarbeit der Landwirtschaftskammern stärker auf eine pflanzengerechte Düngung sowie auf eine schonende Bodenbearbeitung auszurichten.
Josef Rieglers Kurswechsel
Josef Riegler leitete als Landwirtschaftsminister (1987 bis 1989) mit dem Programm für eine ökosoziale Landwirtschafts- und Förderungspolitik, vielfältigeren Fruchtfolgen und mit einer Düngermittelabgabe den Kurswechsel ein. Die 1953 gegründete Düngerberatungsstelle wurde aufgelöst und 1989 im Landwirtschaftsministerium die Abteilung „Biologischer Landbau“ eingerichtet. Im Jahre 1991 wurde an der Boku eine Gastprofessur für den Ökolandbau finanziert und 1996 mit einem eigenen Institut etabliert. Die Leiterin des heutigen Instituts für Biologischen Landbau ist Sabine Seidl.
Öko heute eine Milliardengeschäft
Weltweit beträgt die Öko-Landbaufläche fast 99 Millionen Hektar, das sind 2,6 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche. In Europa nahm in den letzten Jahren der Biolandbau um vier Prozent auf 19,5 Millionen Hektar zu. Der Öko-Umsatz in der Europäischen Union betrug 2024 rund 54,7 Milliarden Euro und ist nach den USA (59 Mrd. Euro) der zweitgrößte Markt.
Der Biologische Landbau, heute politischer Konsens in Österreich, entwickelte sich in den vergangenen 50 Jahren von einem skeptisch beurteilten Produktionszweig zu einem agrarpolitischen Erfolgsmodell.
Rund 24.000 Biobetriebe bewirtschafteten 2025 rund 697.500 Hektar, in der EU 433.350 Höfe etwa 17,7 Millionen Hektar. Das Österreichische Umweltprogramm (Öpul) hat seit dem EU-Beitritt 1995 die ökologische Landwirtschaft befeuert und den seinerzeit belächelten Biopionieren in der Wissenschaft, Verwaltung und vor allem in der Praxis gerechtfertigte Anerkennung verschafft.
:quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:quality(60))
:format(jpeg):quality(60))
:quality(60))
:format(jpeg):quality(60))