Sillerhof Rinn

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Am Tiroler Sillerhof gibt es drei Betriebszweige unter einem Dach

Der Sillerhof in Rinn in Tirol zeigt, wie vielseitige Landwirtschaft heute funktionieren kann. Mit Milchviehhaltung, eigenem Hofladen und einem Holzschlägerungsunternehmen setzt Familie Kiechl auf verschiedene Standbeine.

Südöstlich von Innsbruck, am Fuße des Patscherkofels, liegt das Dorf Rinn. Eingebettet in grüne Wiesen und ländliches Dorfidyll befindet sich der ­Sillerhof von Familie Kiechl. Geführt wird der Betrieb seit 2020 von André und Franziska Kiechl. In der Bewirtschaftung stützt man sich auf drei Standbeine: ein Holzschlägerungsunternehmen, die Milchproduktion sowie die Direktvermarktung der hofeigenen Produkte.

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„Die Arbeitsweise meiner Eltern wollten wir nach der Hofübergabe beibehalten“, betont André Kiechl. 2021 fiel die Entscheidung, den Anbindestall zu einem modernen Laufstall umzubauen. Indem der vorhandene Altbestand in den Neubau integriert wurde, konnte dies auf möglichst ressourcenschonende Weise umgesetzt werden. Rund 300 Festmeter Holz wurden selbst geschlägert. Ein Melkroboter erleichtert heute die Arbeit im Stall und sorgt für mehr Flexibilität. Mit dem Stallumbau erfüllte der Betrieb schließlich auch die Voraussetzungen als Biobauernhof.

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Familie Kiechl

Rund 30 Stück Milchkühe der Rasse Braunvieh werden ganzjährig am Betrieb gehalten. Das Jungvieh hingegen, ebenfalls etwa dreißig Tiere, verbringt den Sommer auf der Alm. Da in den Sommermonaten gleichzeitig mehr Forstarbeit anfällt, lasse sich die Arbeit so gut koordinieren, erklärt André Kiechl. Unerlässlich sei dabei die Unterstützung der gesamten Familie. Vater Josef übernimmt nach wie vor zahlreiche Aufgaben im landwirtschaftlichen Betrieb, während Mutter Theresia die bereits 1995 gegründete Käserei führt.

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Der moderne Laufstall qualifiziert den Sillerhof zum Biobetrieb.

Regionalität als Grundlage

Rund ein Fünftel der produzierten Milch wird direkt am Hof verarbeitet. Daraus entsteht eine breite Auswahl an Milch- produkten – darunter Butter und Buttermilch, Fruchtmolke, verschiedene Käsesorten, Joghurt und Topfen. Ergänzt wird das Sortiment im Hofladen durch regionale Produkte anderer Betriebe wie Eier, Getreide, Nudeln und saisonales Gemüse.

Auf Vielfalt legt André Kiechl beim Sortiment besonderen Wert: „Unser Ziel ist, dass man den gesamten Einkauf an einem Ort erledigen kann und nicht mehrere Geschäfte anfahren muss. Alle wichtigen Grundnahrungsmittel findet man bei uns.“ Motiviert werde man dabei unter anderem durch den positiven Zuspruch der Kundschaft.

Um alle Arbeiten zu schaffen, muss die ganze Familie zusammen­helfen. Es ist schön zu sehen, wie gut das funktionieren kann.

André Kiechl

Ein großer Vorteil: Der Hofladen ist als Selbstbedienungsladen konzipiert und täglich von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Besonders die Einkaufsmöglichkeit am Sonntag werde im ländlichen Raum geschätzt. Dass die Regale stets gut gefüllt sind, dafür sorgt unter anderem Franziska Kiechl, die neben der Betreuung der drei Kinder auch halbtags als Physiotherapeutin tätig ist. Den Trend zu regionalen Lebensmitteln sieht Theresia Kiechl wieder im Aufschwung: „Nach dem ersten Corona-Lockdown ist die Nachfrage stark gestiegen. Vor allem bei der jüngeren Generation bemerke ich, dass die nachvollziehbare Herkunft von Lebensmitteln an Bedeutung gewinnt.“

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Der Hofladen am Sillerhof ist von Montag bis Sonntag geöffnet.

Mehrere Standbeine

Seit 2008 führt André Kiechl ein Holzschlägerungsunternehmen, das sich als Rundumanbieter für Waldbewirtschaftung und Forsttechnik versteht. Von der Risikofällung, über die Bringung bis zur Rodung reicht das Angebot. An seinem Beruf schätzt Kiechl vor allem die Vielseitigkeit, aber auch den familiären Zusammenhalt: „Um alle Arbeiten zu schaffen, muss die ganze Familie zusammenhelfen. Es ist schön zu sehen, wie gut das funktionieren kann.“

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Ein Einkauf in einem Hofladen: Alle Grundnahrungsmittel sind hier vorhanden.

Betriebsspiegel

Familie Kiechl bewirtschaftet den Sillerhof in Rinn in Tirol als Biobetrieb. Zum Hof gehören 23 ha Grünland. Der Schwerpunkt liegt auf der Milchwirtschaft mit rund 30 Braunviehkühen. Weitere 30 Stück Jungvieh verbringen den Sommer auf der Alm. Ein Teil der Milch wird in der hofeigenen Käserei verarbeitet und im Hofladen gemeinsam mit regionalen Produkten vermarktet. Zusätzlich führt André Kiechl ein Holzschlägerungsunternehmen.

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