Am Fischzuchtbetrieb der Familie Kroisleitner im oststeirischen Rettenegg gibt es jetzt besonders viel zu tun. „Die Hauptsaison beginnt bei uns Mitte März und dauert bis Ende Mai, denn das ist die klassische Zeit für den Besatz“, berichtet Franz Kroisleitner. Nach dem Ablaichen kommen die befruchteten Eier in das Bruthaus. Dort entwickeln sie sich in etwa eineinhalb Monaten zum sogenannten Augenpunktei. „Das ist ein Stadium, wo man die Eier gut transportieren kann. Wir sind spezialisiert für den Flussbesatz oder stellen sie anderen Fischzuchten zur Verfügung“, berichtet der Oststeirer. „Weiters produzieren wir Setzlinge und natürlich auch Speisefische.“
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Eigentlich ist der Bauernhof der Familie Kroisleitner vulgo Feldbauer ein klassischer Forst- und Milchviehbetrieb. „Aber mein Vater hat mit vier Erdteichen und einem Brutbecken im alten Hühnerstall begonnen und damit ein zusätzliches Standbein geschaffen. Mich hat schon als Kind die Fischzucht immer sehr interessiert. So ist mein Hobby zum Beruf geworden“, gesteht der 43-jährige Fischereimeister.
Ein Speisefisch braucht zweieinhalb bis vier Jahre, bis er auf dem Teller landet.
Franz Kroisleitner
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Sohn Jakob hilft bereits fleißig mit.
Fischzucht im Schwimmbad
Vor 15 Jahren übernahm Franz Kroisleitner gemeinsam mit seiner Frau Renate den Betriebszweig Fischzucht und baute ihn ständig aus. Zuerst wurde am Bauernhof in ein neues Bruthaus, eine Fischverarbeitung und Lagerhalle investiert. In der Region wurden mehrere Fischzuchten gepachtet. In Wenigzell wurde sogar das aufgelassene Freibad gekauft und umgebaut.
Jetzt wird die Fischzucht schon an sechs Standorten in den Gemeinden Lafnitz, Schwarzau im Gebirge, Wenigzell, St. Lorenzen am Wechsel, Mönichwald und Rettenegg betrieben.
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In Wenigzell erfolgt die Fischzucht in einem aufgelassenen Freibad.
Schaufischzucht
In Rettenegg wurde sogar eine einzigartige Schaufischzucht errichtet. Im Zuge seiner Ausbildung zum Fischerei-meister in Scharling am Mondsee im Jahr 2011 wurde die Idee dazu geboren. „Meine Projektaufgabe damals war die Errichtung einer Schaufischzucht im Vollbetrieb“, so Kroisleitner. Durch den Erwerb eines 1,5 Hektar großen Grundstücks mitsamt einer Quelle, die durchschnittlich 90 Liter pro Sekunde schüttet, nahm dieses Vorhaben immer konkretere Formen an. Innerhalb von drei Jahren entstanden am Ortsrand von Rettenegg ein Bruthaus, eine Fischhälteranlage, eine Fließkanalanlage, eine Fischverarbeitung, ein Gastronomiebetrieb sowie Räumlichkeiten für 17 Mitarbeiter.
Vor einem Jahr gab es die Eröffnung. Schon im ersten Jahr konnten rund 2.500 Besucherinnen und Besucher in der Schaufischzucht gezählt werden. Vor allem Seniorengruppen, Schulklassen und Fischer-Vereine nutzten bisher die Gelegenheit, um mehr über die Fischzucht zu erfahren und abschließend Fischspezialitäten zu genießen. Bei den Führungen versucht Familie Kroisleitner zu vermitteln, wie viel Arbeit dahintersteckt, bis man zum Beispiel eine Forelle tatsächlich essfertig auf dem Teller hat. „Je nach Größe und Sorte sind das zwischen zweieinhalb und vier Jahre“, erklärt der Oststeirer.
Schaufischzucht in Rettenegg
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Eine Mitarbeiterin beim „Ausnehmen“ einer Forelle.
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Nicht nur Forellen und Saiblinge
Die Fisch-Vielfalt im Betrieb ist groß. Sie reicht von Regenbogen-, Bach-, See-, Gold- und Lachsforelle bis hin zu Bach- und Seesaibling, Tigerfisch und Stör. Besonders stolz ist Franz Kroisleitner auf die Zucht der Aalrutte. „Das ist der einzige heimische Dorsch und schon sehr selten geworden“, informiert der Fisch-Spezialist. Die Vermarktung beginnt mit der Auslieferung von Augenpunkt-Eiern für den Wiederbesatz in Fließgewässern oder für andere Fischzüchter. Weiter geht es mit Setzlingen in den Größen von fünf bis 25 Zentimetern. Dazu kommt der Verkauf von Frisch- und Räucherfischen sowie von hauseigenen Spezialitäten.
In unserer Schaufischzucht haben wir schon im ersten Jahr 2.500 Besucher zählen können.
Franz Kroisleitner
„Wir sind mit unserer Fischzucht in einer Zeit durchgestartet, in welcher der heimische Fisch wieder populär geworden ist“, bemerkt der Rettenegger. Er weist allerdings darauf hin, dass der Klimawandel auch in seiner Branche ein ernstzunehmendes Thema ist. „Die Hitze und Unwetter machen uns und den Fischen zu schaffen“, sagt Kroisleitner. Dazu kommen die Fischräuber wie Reiher, Eisvogel und Fischotter. Für die Zukunft wünscht er sich, den zwei Kindern – Sohn Jakob macht gerade die Fischereilehre im elterlichen Betrieb – einmal einen gesunden Betrieb übergeben zu können. „Neue Anlagen sind nicht geplant, denn wir haben in den letzten 15 Jahren ständig gebaut“, schmunzelt Franz Kroisleitner, der auch Gemeinderat und Jäger ist.
Betriebsspiegel:
Franz und Renate Kroisleitner betreiben an sechs Standorten im steirischen Joglland eine Fischzucht (Forelle, Saibling, Stör, Aalrutte). Der Hauptstandort befindet sich in Rettenegg. Hier wurde im Jahr 2025 auch eine Schaufischzucht samt Gastronomiebetrieb eröffnet. Daneben wird der Bergbauernhof vulgo Feldbauer (im Bild links) mit Milchwirtschaft (18 Kühe) und Forstwirtschaft gemeinsam mit den Eltern geführt.
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