Landwirt auf Wiese

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Giftpflanzen im Grünland erfolgreich bekämpfen

Vor allem auf extensiv genutzten Flächen werden Herbstzeitlose und Jakobskreuzkraut zum Problem. Hier einige Tipps zur Erkennung und Bekämpfung.

Die abgestufte Grünlandnutzung und die feste Verankerung von Grünland-Biodiversitätsflächen in den Förderrichtlinien bringt im Hinblick auf standortangepasste Bewirtschaftung und Ökologisierung der Wiesen zahlreiche Vorteile mit sich. Aber auch auf extensiv genutzten Flächen müssen die Bestände genau im Blick behalten werden. Ansonsten droht die Ausbreitung unerwünschter Arten, im schlimmsten Fall breiten sich schlagartig Giftpflanzen aus. Wer diese erst bemerkt, wenn das Mähwerk anläuft, gefährdet potenziell seinen Viehbestand. Oft wird erst am Futtertisch das wahre Ausmaß des Schadens bewusst. Jetzt ist es daher höchste Zeit, die für giftige Unkräuter prädestinierten Flächen gezielt zu kontrollieren und im Bedarfsfall einzugreifen.

Hochgiftige Herbstzeitlose

Auf frischen bis feuchten Standorten breitet sich die Herbstzeitlose meist von Waldrändern oder Gräben und Gewässern in den Schlag aus. Naturschutzflächen und Div-Flächen mit spätem Nutzungszeitpunkt sagen der Herbstzeitlose besonders zu. Die Blätter sind lanzettlich, speckig glänzend und können bis zu 30 Zentimeter lang werden. Die bekannten violetten Blüten erscheinen erst im August, den Winter überdauert die Pflanze in einer Sprossknolle. Das Problem: Die Pflanze zählt zu den problematischsten Giftpflanzen im Grünland. Ihre Toxine halten sich in Futterkonserven (gleich ob Heu oder Silage) über Jahre hinweg, besonders Pferde gelten als anfällig, unerfahrene Jungtiere von Rindern, Schafen und Ziegen können aber ebenso Vergiftungserscheinungen zeigen.

Erfolgt die erste Nutzung spät, kann die Herbstzeitlose im Frühling vollständig Blätter bilden und Reservestoffe in der Knolle einlagern. Die Samenkapseln werden geschoben, deren Inhalt – oft auch nur notreif – bei der Ernte oder aber durch Wind und Tiere verbreitet. Je nach Höhenlage fallen die Samen ab Juni auch von selbst aus.

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Herbstzeitlose im Frühjahr

Die einzige Möglichkeit, die Herbstzeitlose zu schwächen, ist laut Grünlandexperten, ihr im Frühling die grünen Blätter zu entfernen. Das kann durch Mähen, Mulchen oder händisches Ausreißen passieren. Umso weniger Blätter, umso geschwächter die Pflanze und damit auch ihre Knolle. „Werden über zwei bis drei Jahre alljährlich konsequent die Herbstzeitlosenblätter entfernt, erschöpft sich die Pflanze und stirbt schließlich ab“, informiert die LK. Sofern auf der Fläche kein Herbizidverbot besteht, kann auch ein Totalherbizid in Form von Punktbekämpfung Verwendung finden. Wer auf seiner Div-Fläche (Code DIVSZ) Probleme mit dem Unkraut hat, sollte einen Flächenwechsel oder eine Änderung auf die Variante „Nutzungsfreier Zeitraum“ erwägen. Das ist für 2026 noch bis 14. Juni über eine Korrektur im eAMA-Portal möglich. Auf Naturschutzflächen ist die Abteilung des jeweiligen Bundeslandes zu kontaktieren, um einen etwaigen Eingriff zu besprechen.

Jakobskreuzkraut rechtzeitig regulieren

Auf feuchteren Grünlandstandorten und gedüngten Moorwiesen breitete sich in den vergangenen Jahren auch das Jakobskreuzkraut vermehrt aus. Die einheimische Pflanze besiedelt im Grünland vor allem durch Trittschäden oder Bewirtschaftung entstandene Lücken und bevorzugt ebenso extensive Flächen und solche mit später erster Nutzung. Sie hat einen zweijährigen Lebensrhythmus und bildet im ersten Jahr nur eine Blattrosette aus, im zweiten dann die charakteristischen gelben Blüten. Die Rosette ist an den spitzwinkelig abstehenden Seitenfiedern der Blätter zu erkennen.

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Rosette des Jakobskreuzkrauts

Auch bei dieser Giftpflanze reichen besonders bei Pferden bereits geringe Dosen für eine Vergiftung, die zum Tod führen. Kreuzkrautvergiftungen haben oft einen chronischen, über Monate dauernden Verlauf. Das Gravierende ist, dass die Giftstoffe nicht ausgeschieden werden, sondern sich im Körper, vor allem in der Leber, ansammeln, auch bei nur geringer Aufnahme. Bei Rindern sind eine reduzierte Milchleistung und ein abnorm gefüllter Pansen bei fehlender Pansenmotorik die Folge. Schafe und Ziegen vertragen im Verhältnis die höchsten Dosen des Gifts. Eine Heilungsmöglichkeit gibt es nicht. Die größte Gefahr besteht übrigens bei Heu- und Silagenutzung, weil hier der Geruch verloren geht, die Giftstoffe aber erhalten bleiben.

Durch frühe und häufige Nutzung lässt sich die Ausbreitung des Jakobskreuzkrauts über Samen verhindern. Hat es sich allerdings einmal etabliert, greift diese vorbeugende Maßnahme nicht mehr. Auch eine ausreichende Stickstoffversorgung des Bestands schmälert laut Schweizer Forschungsergebnissen das Ausbreitungsrisiko. Selbiges gilt für dichte Bestände. Kreuzkraut ist ein Lichtkeimer und kann sich gegen rasch wachsende Gräser zunächst nicht durchsetzen.

Hat sich die Pflanze erst einmal etabliert, hilft – wo Herbizide, etwa Simplex, nicht zum Einsatz kommen dürfen – nur noch das mechanische Entfernen samt Wurzeln. Aber Achtung: Pflanzenreste sollten nicht auf der Fläche verbleiben, sondern entsorgt werden. Im Handel werden auch eigens angepasste Unkrautstecher für Jakobskreuzkraut angeboten. Für gewöhnlich lassen sich die Pflanzen aber einfach ausreißen. Auch hier ist auf die Auflagen bei Naturschutz- oder Div-Flächen zu achten.

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