Obstbauer Franz Riegler

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Obst- und Gemüsebau zwischen Frost und Fachkräftemangel

Einer Gruppe interessierter Agrarjournalisten besuchte kürzlich steirische Obst- und Gemüsebaubetriebe mit der Frage, welche Probleme sie derzeit am meisten beschäftigen. Dazu zählen die schwerwiegenden Folgen des Klimawandels sowie der Verlust an verfügbaren Pflanzenschutzmitteln.

Die Steiermark ist das Land der agrarischen Vielfalt. Davon konnten sich Redakteure auf Einladung des Verbandes der Agrarjournalisten in Österreich (VAÖ) vor Ort ein Bild machen. Zwei Tage lang besuchten sie steirische Obst- und Gemüsebaubetriebe. Mit 7.936 Hektar nimmt die Steiermark im Obstbau eine klar dominierende Rolle ein. Mit deutlichem Abstand folgen Niederösterreich (2.881 Hektar), Oberösterreich (1.357 Hektar) und Burgenland (648 Hektar).

Laut der jüngsten Agrarstrukturerhebung gibt es in Österreich insgesamt 13.484 Hektar Obstflächen, davon werden 34,2 Prozent biologisch bewirtschaftet. Die mit Abstand wichtigste Kultur ist der Apfel mit insgesamt 6.522 Hektar. Davon entfallen 4.935 Hektar auf die Steiermark. Eine weitere zentrale Rolle spielt das Beerenobst mit 2.400 Hektar, wobei auch hier die Steiermark mit 985 Hektar führend ist. Auf das meist sehr extensiv bewirtschaftete Schalenobst entfallen 1.254 Hektar. Ebenfalls stark vertreten sind die Kulturen Marille (958 Hektar), Holunder (780 Hektar) und Birne (688 Hektar).

Der Gemüseanbau in Österreich nahm im Vorjahr eine Gesamtfläche von 19.630 Hektar ein. Hier dominiert Niederösterreich mit einer Fläche von 11.668 Hektar. Dahinter folgen Oberösterreich (2.039 Hektar), Steiermark (1.708 Hektar), Tirol (1.683 Hektar), Burgenland (1.433 Hektar), Wien (542 Hektar), Kärnten (292 Hektar), Salzburg (145 Hektar) sowie Vorarlberg (121 Hektar).

Zwischen den Bundesländern bestehen große Unterschiede hinsichtlich der angebauten Kulturen. In Niederösterreich wird beispielsweise viel Gemüse für die Tiefkühlindustrie produziert. Tirol wiederum setzt einen starken Fokus auf intensive Frischgemüsekulturen. Die flächenstärksten Gemüsearten in Österreich sind Zwiebel (3.563 Hektar), Grünerbsen (2.168 Hektar), Karotten (1.933 Hektar), unterschiedliche Salatarten (1.573 Hektar), Gemüsesoja oder Edamame (1.016 Hektar), Zuckermais (965 Hektar), Käferbohne (895 Hektar) und Speisekürbis (803 Hektar).

Neben den großflächigen Kulturen gibt es eine Reihe spezialisierter Gemüsearten mit regionalen Schwerpunkten. Dazu zählen der Kren (Schwerpunkt Steiermark) mit 322 Hektar, Spargel weiß und grün (Niederösterreich) mit 761 Hektar, Industriekraut (Oberösterreich) mit 195 Hektar, Gurken unter Glas (Wien) mit 154 Hektar und Paprika (Burgenland) mit 129 Hektar.

Angst vor dem Frost

Drei Themen sind Dauerbrenner. Das sind zum einen die Folgen des Klimawandels. Heuer schrammten zum Beispiel viele Obstbaubetriebe mehrmals an der nächsten Frostkatastrophe vorbei. Franz Riegler, mit 17 Hektar Steiermarks größter Kirschenproduzent, erzählt: „Dreimal haben wir fünf Hektar mit Paraffinkerzen beheizt.“ Pro Hektar braucht der Oststeirer 300 bis 400 Stück solche Kerzen. Deren Brenndauer beträgt etwa sechs Stunden. „Es ist wichtig, dass wir genug Kerzen auf Lager haben. Was hilft es, wenn wir zweimal Kerzen anzünden und dann gibt es zum dritten Mal Frost und wir können nichts mehr dagegen machen?“

Auch Gemüsebauer Johannes Oberer aus Markt Hartmannsdorf hatte heuer wieder einige schlaflose Nächte. „Zu den Eisheiligen hatten wir in der Ebene minus 2,5 Grad. Im Tunnel mit doppelter Folie ist das kein Problem, im einfachen Tunnel setzen wir die Heizkanone ein. Aber auf den Freiflächen ist das alles ganz schwierig.“

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Richard Oberer im Folientunnel wo die Paradeissorte Ochsenherz gedeiht.

Arbeitskraft als „riesen Herausforderung“

Das nächste Problem sind die Pflanzenschutzmittel. Obstbau-Verbandsobmann Manfred Kohlfürst betont: „Ohne Pflanzenschutz geht es nicht. Wir brauchen die Pflanzenschutzmittel als Werkzeuge, um produzieren zu können.“ Seine große Sorge: „Uns fallen immer mehr Pflanzenschutzmittel weg. Wir müssen verstärkt auf Notfall-Zulassungen zurückgreifen.“

Häufig klagen die Obst- und Gemüsebetriebe über fehlende Arbeitskräfte. Die bisherigen Helfer aus Rumänien, Polen oder Ungarn bleiben aus. Deswegen sind auf den Betrieben in jüngster Zeit auch schon Saison-Arbeitskräfte aus Asien (Vietnam, Nepal, Sri Lanka) zu sehen. So auch bei Familie Oberer: „Wir haben Mitarbeiter aus Nepal und Sri Lanka. Sie sind gewissenhaft, fleißig und fröhlich“, sagt Johannes Oberer. Allerdings: Für Arbeitskräfte aus Drittstaaten gibt es nur ein bestimmtes Kontingent. „Dieses Kontingent wird heuer nicht reichen. Das wird noch eine Riesenherausforderung“, berichtet Kohlfürst. Er ging auf die drohende Gefahr von neuen Schädlingen im Obst- und Gemüsebau ein: „Die Kirschessigfliege ist ein Riesenthema geworden. Wenn wir diesen Schädling nicht in Griff bekommen, werden die Betriebe reihenweise zusperren.“ LK-Präsident Andreas Steinegger betonte, wie wichtig die Zusammenarbeit der landwirtschaftlichen Beratung mit Forschung und Wissenschaft ist: „Das ist für die Weiterentwicklung der Obst- und Gemüsebaubetriebe bedeutend!“

Agrarlandesrätin Simone Schmiedtbauer zeigte ein Beispiel auf, wie die Politik mit einer konkreten Maßnahme die Betriebe unterstützen und die Obstproduktion im Land absichern kann. Das ist die in Österreich einzigartige Förderung von Investitionen für Bewässerungsanlagen mit bis zu 65 Prozent. „Wir nehmen als Land Geld in die Hand, um unseren Familienbetriebe – dort wo es möglich ist – bei der Errichtung von Teichen und Bewässerungsanlagen unter die Arme zu greifen“, sagte Schmiedtbauer. Für 130 Betriebe ist diese Förderung schon positiv abgeschlossen worden.

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