Pflanzenschutz im Wintergetreide erfolgt stark regionsabhängig und beginnt hinsichtlich der Schädlingsthematik (Getreidelaufkäfer, Blattläuse, Zikaden) meist schon im Herbst. Da zum aktuellen Zeitpunkt in vielen Regionen vor allem die schadgräserbetonten Herbizidmaßnahmen bereits abgeschlossen sind und vereinzelt nur mehr Korrekturbehandlungen (Distel, Klettenlabkraut etc.) anstehen, konzentriert sich dieser Beitrag in erster Linie auf die richtige Strategie zum Schutz vor Blatt- und Ährenkrankheiten.
Generell sind die Wintergetreidebestände aktuell etwas schwächer entwickelt als in den vergangenen Jahren. Die im heurigen Winter fehlenden Vegetationsphasen führten zu einem großen Entwicklungsunterschied zwischen früh- und spätgebauten Weizen-, Triticale- und Winterdurumbeständen. Selbst bei Wintergerste wirkte sich in diesem Jahr der Saatzeitpunkt stärker auf die Bestandesentwicklung aus als üblich.
Vorsicht bei Blattkrankheiten
Das anhaltende trübe, kühle und feuchte Herbstwetter ließ ursprünglich doch einen stärkeren Ausgangsbefall an Blattkrankheiten (Netzflecken, Mehltau, Schneeschimmel etc.) zu Vegetationsbeginn erwarten. Der trockene März bremste aber vielerorts die Ausbreitung der bereits vorhandenen Infektionen. Trotzdem sollte man sich dadurch nicht in falscher Sicherheit wiegen und ein ähnlich geringes Krankheitsauftreten wie im Frühjahr 2025 erwarten.
Septoria-Blattdürre
Es gibt keine allgemein gültige Fungizidstrategie, welche auf alle Regionen im österreichischen Getreideanbaugebiet angewendet werden kann.
Zu groß sind die klimatischen Unterschiede hinsichtlich Niederschlägen und Temperaturverhältnissen auf örtlicher Ebene. Beispielsweise dominiert bei Weizen in den meisten Jahren Septoria tritici vor allem in den feuchteren Regionen (NÖ-Westbahn, Oberösterreich, Steiermark). Die Krankheit kann aber in manchen Jahren sehr wohl auch im Trockengebiet schädigen.
Ramularia auch im Trockengebiet Thema
Ein ähnliches Bild zeigen auch die schwer zu bekämpfenden Ramularia-Infektionen bei Winter- und Sommergerste. Diese traten 2024 erstmals auch ertragswirksam im Trockengebiet auf. Neben Regionsunterschieden gibt es bei vielen Blatt- und Ährenkrankheiten auch deutliche Sortenunterschiede. Beispielsweise hat das aktuelle Wintergerstensortiment bei der Ramularia-Sprenkelkrankheit eine Range von APS 5 (mittelanfällig) bis APS 8 (hochanfällig). Das beeinflusst entsprechend den idealen Einsatzzeitpunkt der Fungizidbehandlung. In Hochrisikogebieten empfiehlt sich bei anfälligen Sorten auf jeden Fall eine Zweifach-Strategie, wobei die zweite Applikation mit den richtigen Wirkstoffen (meist als Kombination mit dem Wirkstoff Folpet) für die Dauerwirkung so spät als möglich erfolgen sollte. Im klassischen Trockengebiet wird man bei einer durchschnittlichen regionstypischen Witterung mit einer Einmalbehandlung meist das Auslangen finden.
Wichtige Hilfsmittel sind neben der firmenspezifischen Beratungstätigkeit (Sorte und Pflanzenschutz) die Beschreibende Sortenliste der Ages und der Warndienst der Landwirtschaftskammern. Beide Instrumente werden stetig weiterentwickelt und an den aktuellen Wissensstand angepasst. Das betrifft vor allem etwaige nachlassende Sortenresistenzen oder Veränderungen im allgemeinen Rassenspektrum der einzelnen Erreger (z. B. Rostkrankheiten).
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Gegen Ramularia rückt man in der Gerste im Risikogebiet am besten doppelt aus.
Bei Halmbruchgefahr rechtzeitig reagieren
In getreidebetonten Fruchtfolgen, vor allem bei reduzierter Bodenbearbeitung, sind auch die Fußkrankheiten wie Halmbruch oder Stängelfusariosen ein latentes Thema. Bei erhöhter Halmbruchgefahr weicht entsprechend die Bekämpfungsstrategie oft vom ortsüblichen Verfahren ab. Der ideale Einsatzzeitpunkt liegt hier eindeutig bereits zu Beginn der Schossphase im Stadium BBCH31/32 mit entsprechend wirksamen Präparaten. Grundsätzlich kann hier zwischen günstigen Spezialprodukten (z. B. Wirkstoff Cyprodinil) oder breiter wirksamen Azolkombinationen unterschieden werden. Letztgenannte wirken dann auch gegenüber bereits latent vorhandenen Blattkrankheiten (Netzflecken, erste Rostinfektionen, Septoria etc.).
Echter Mehltau in Durum, Triticale und Gerste
Der echte Mehltau ist bei Winterweizen meist nur ein optischer Makel, während es bei Wintergerste, Winterdurum und vor allem bei Triticale (Gefahr der Ähreninfektion) doch zu erheblichen Ertragsausfällen kommen kann. Durumweizen hat im Gegensatz zu Weichweizen eine genetisch stark begrenzte Kornzahl pro Ähre und daher auch nicht die Fähigkeit, dünnere Bestände mit einer höheren Einzelährenbekörnung auszugleichen. Daher ist die Erhaltung der Triebdichte und schlussendlich der ährentragenden Halme vor allem in Staulagen ein absolutes Kriterium der Bestandesführung.
Mehltauinfektionen führen eben zu diesen Triebreduktionen und müssen durch einen angepassten Fungizideinsatz hintangehalten werden. Meist empfiehlt sich daher in der Winterdurumproduktion eine Zweifach-Strategie mit den Schwerpunkten Mehltau- und Ährenfusarienbekämpfung. Bei Mehltau gibt es ebenso Sortenunterschiede, hinsichtlich Fusarien sind im Grunde alle Durumsorten aufgrund der offeneren Blüte hochgradig anfällig. Die Bekämpfung der Ährenfusarien muss bei feuchtwarmer Witterung unbedingt in die Blühphase mit fusarienwirksamen Präparaten (Wirkstoffe Prothioconazol, Tebuconazol, Metconazol) erfolgen, Aufwandmengenreduktionen sind bei Infektionswetter auf jeden Fall zu unterlassen.
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Der echte Mehltau ist einzig bei Weichweizen zu vernachlässigen.
Fusarium im Weichweizen
Ährenfusariosen dürfen aber nicht nur auf die Durumweizenproduktion reduziert werden, denn auf einem erheblichen Teil der österreichischen Maisfläche wird im Folgejahr Weizen oder Triticale angebaut. Im Vorjahr war dies auf 295.000 Hektar der Fall. Aus arbeitswirtschaftlichen Gründen steigt natürlich auch der pfluglos bewirtschaftete Anteil dieser Flächen und damit exponentiell auch das Fusariumrisiko. Natürlich ist beim Weizen- oder Triticaleanbau nach Mais bei Pflugverzicht die Sortenwahl ein nicht unwesentlicher Teil der Bekämpfungsstrategie. Im Gegensatz zu Durumweizen gibt es bei diesen Kulturen doch auch deutliche Unterschiede in der Fusariumtoleranz (Triticale APS 2 bis APS 7, Winterweizen APS 3 bis APS 7). Für die gezielte Fusariumspritzung gelten aber auch hier die bereits beim Winterdurum beschriebenen Grundsätze zu Zeitpunkt und Produktwahl.
In den Feucht- und Übergangslagen, in manchen Jahren auch im Trockengebiet, ist Septoria tritici neben den Rosten die am stärksten schädigende Krankheit im Weizen- und Triticaleanbau. Während Braun- und Gelbrost beim Sichtbarwerden erster Symptome noch absolut zufriedenstellend zu regulieren sind, gestaltet sich die Bekämpfung von Septoria-tritici-Infektionen aufgrund der mehrwöchigen Inkubationszeit (Zeit zwischen Infektion und Sichtbarwerden der ersten Symptome) als ungleich schwieriger. Da die Fungizidapplikation infektionsnah passieren muss, ist der Warndienst (warndienst.at) ein unerlässliches Hilfsmittel für den Bekämpfungserfolg.
Die Bestandesführung bei Wintergetreide findet bekanntlich unter freiem Himmel statt und gestaltet sich von einem zum anderen Jahr oft sehr differenziert. Entscheidend für den Landwirt ist die Beachtung der generellen Grundsätze in Kombination mit der betriebsspezifischen Erfahrung. Die Beratungsangebote der offiziellen Stellen sowie der Sorten- und Pflanzenschutzanbieter gilt es für den Betriebserfolg zu nutzen. Durch die Optimierung der Pflanzenschutzmaßnahmen können nicht nur die Erträge und Qualitäten gesteigert werden, oft führt eine Anpassung der Strategie auch zu erheblichen Kosteneinsparungen.
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