Mulch bei Schnittlauch

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Mulch statt nackter Erde: So kann der Gemüsebau davon profitieren

Mulchsysteme gelten im Gemüsebau als Schlüsseltechnologie gegen Trockenstress, Erosion und Nährstoffverluste. Ein Überblick.

In der Natur ist Boden fast nie unbedeckt. Mulch bildet dieses Prinzip am Acker nach. Eine organische Auflage aus Kleegras, Wick-Roggen-Gemengen, Heu oder Wiesenschnitt schützt den Oberboden vor Hitze, Austrocknung und Schlagregen und liefert gleichzeitig Futter für das Bodenleben. Beobachtungen der LK Niederösterreich zeigen, dass unter Mulch die Bodentemperatur deutlich niedriger bleibt als auf nackter Erde und die Verdunstung massiv sinkt, was gerade in Hitzeperioden ein stabileres Mikroklima rund um die Kulturpflanze schafft. „In Regionen mit Wassermangel oder Erosionsrisiko spricht sehr viel für den Einsatz von Mulch“, betont Andrea Pölz, LK-Beraterin für Bio-Gemüsebau.

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In heißen Sommern hemmt eine Mulchschicht die Überhitzung des Bodens.

Neben klimatischen Vorteilen am Feld, wie weniger Erosion oder mehr Humusaufbau, bringt Mulch auch pflanzenbauliche Vorteile. Eine ausreichend dicke Schicht von acht bis zehn Zentimetern unterdrückt Samenunkräuter und kann je nach Material wie ein organischer Mehrnährstoffdünger wirken. Regenwurmzählungen in Mulchsystemen zeigen zudem deutlich höhere Besatzdichten, was auf eine stabile, krümelige Bodenstruktur und eine steigende Bodenfruchtbarkeit hinweist.

Wo Mulchauflagen Sinn ergeben

Mulch lohnt sich vor allem dort, wo Kulturen lange am Feld stehen und der Arbeitsaufwand für Hacken und Jäten hoch ist. „Umso länger eine Kultur am Feld steht, desto mehr zahlt sich der Einsatz von Mulch aus“, fasst Pölz zusammen. Geeignet sind insbesondere Kohlarten wie Grünkohl, Kohlsprossen und Kraut, aber auch Zwiebel, Lauch, Knoblauch und Knollensellerie. Im Gewächshaus bieten sich auch Tomaten an. Für kurzzeitige Kulturen wie Salat, Spinat oder Radieschen wird Mulch dagegen kaum eingesetzt, weil der hohe Arbeits- und Materialeinsatz während der kurzen Standzeit nicht rentabel sei. Wichtig sei laut der Beraterin die richtige Abstimmung von Mulchmaterial, Kultur und Standort. Kleegrassilage, Wick-Roggen-Gemenge oder mehrjährige Leguminosen-Gras-Mischungen liefern hohe Trockenmasseerträge und je nach Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis (C/N-Verhältnis) eine beachtliche Düngewirkung, die vor allem Starkzehrer wie Kohl oder Lauch über die gesamte Vegetationsperiode mit Nährstoffen versorgen kann. Pölz berichtet aus der Beratungspraxis: „Eine Gemüseproduzentin aus dem Süden Österreichs hat mir gesagt: ‚Ohne Mulch geht bei mir im Sommer sowieso nichts mehr‘ – Starkregen und Erosion wären sonst ein Dauerproblem.“

Umso länger eine Kultur am Feld steht, desto mehr zahlt sich der Einsatz von Mulch aus.

Andrea Pölz

Praxis am Betrieb: ­Material, Technik, Timing

Es gibt zwei Wege zur Mulchdecke: Transfermulch von einer Geberfläche und In-Situ-Mulch direkt aus der Zwischenfrucht. Transfermulch nutzt Kleegras- oder Wick-Roggen-Bestände von eigenen Flächen oder zugekauftes Material, das geerntet, gegebenenfalls siliert und mit Mist- oder Kompoststreuer auf die Gemüsebeete ausgebracht wird. „Grundsätzlich funktioniert die Ausbringung mit einem Streuer gut“, so Pölz. Entscheidend seien ein gleichmäßiges Streubild und die nötige Schichtdicke.

Beim In-Situ-System wird die Zwischenfrucht zur Vollblüte gewalzt oder gemulcht und die Folgekultur direkt in die Mulchdecke gepflanzt, ohne vorherige Bodenbearbeitung. Voraussetzung sind eine gute Bodengare, möglichst wurzel­unkrautfreie Flächen und passende Technik für Pflanzung oder Direktsaat unter Mulch. In beiden Fällen gilt: Der ideale Ausbringungszeitpunkt liegt im späten Frühjahr, wenn der Boden bereits gut erwärmt ist. Wird zu früh gemulcht, kann die Bodenerwärmung verzögert werden. Das ist vor allem bei wärmebedürftigen Kulturen wie Kürbis, Melone oder frühen Tomaten im Folientunnel ein Risiko.

Beim Mulchmaterial empfiehlt sich, wenn möglich, die Eigenproduktion über Grünland oder in die Fruchtfolge integrierte Flächen. Das senkt Zukaufkosten und schließt innerbetriebliche Nährstoffkreisläufe. Gleichzeitig lassen sich C/N-Verhältnis, Schnittzeitpunkt und Qualität des Materials besser steuern. „Der größte Kostenpunkt ist die zusätzliche Arbeitszeit für die Ausbringung, gegebenenfalls auch für das dafür beauftragte Lohnunternehmen“, sagt Pölz, „auf der anderen Seite spart man Arbeitsstunden beim Unkrautjäten, Bewässerungskosten und langfristig Dünger.“

Futter für den Boden

Im Zuge eines EIP-Projektes wurde 2024 die Bodenstruktur bei verschiedenen Mulchmaterialien untersucht. Flächen unter Hanfstroh wiesen im Herbst eine verbesserte Strukturstabilität auf. Dies ist vor allem auf den langsameren Abbau von Hanfstroh zurückzuführen. Vereinfacht gesagt hat das Bodenleben länger Futter. Somit haben auch Materialen mit einem weiten C/N-Verhältnis eine Existenzberechtigung. Die Nährstoffbindung durch die Rotte ist aber zu beachten.

Grenzen der Verfahren

So groß die Chancen, so klar sind auch die Grenzen des Systems. „Wenn man auf der Fläche mit Wurzelunkräutern zu kämpfen hat, sollte man nicht mulchen“, warnt Pölz, „die Wurzelunkräuter kommen durch die Mulchdecke durch und sind dann schwieriger zu bekämpfen.“ Auf frostgefährdeten Standorten könne die isolierende Mulchschicht die Abstrahlung der Bodenwärme behindern und das Risiko von Spätfrostschäden erhöhen, etwa bei empfindlichen frühen Kulturen. Auch die langsamere Bodenerwärmung im Frühjahr sowie mögliche Stickstoff-Blockaden bei sehr weitem C/N-Verhältnis verlangen eine sorgfältige Planung von Materialwahl und Ausbringung.

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Mulchmaterial mit engem C/N-Verhältnis ist auch für Starkzehrer geeignet.

Außerdem gibt es derzeit noch keine Förderprogramme für das Mulchverfahren im Gemüsebau. Dabei zeigen betriebswirtschaftliche Auswertungen aus Mulch-Systemen, dass sich trotz höherer Maschineninvestitionen und zusätzlichem Flächenbedarf für Biomasseproduktion Vollkosten senken und Gewinne steigern lassen, vor allem durch geringere Lohnkosten für die Unkrautregulierung sowie Ausgabenreduktionen für Dünger und Beregnungswasser.

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