Ein Korb voller heimischer Bio-Produkte.

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Bio als treibende Kraft bei Lebensmitteln: Nachfrage aus dem In- und Ausland steigt

Der Bio-Markt ist auf Wachstumskurs. Eine treue Kundschaft, stabile Preise und neue Exportchancen sorgen für Dynamik.

Bio-Lebensmittel haben sich 2025 als treibende Kraft im Lebensmitteleinzelhandel entpuppt: Während der Gesamtmarkt zuletzt nur verhalten zulegte, begab sich der Bio-Sektor auf deutlichen Wachstumskurs, getragen von stabiler Inlandsnachfrage und einer zunehmend wichtigen Exportdynamik. Besonders von der guten Entwicklung am deutschen Bio-Markt konnte die heimische Produktion profitieren.

Deutscher Bio-Boom zieht auch Österreich mit

Mit einem Umsatzplus von 6,5 Prozent und einem Mengenwachstum von 2,3 Prozent übertraf der Bio-Bereich 2025 in Österreich deutlich die Entwicklung des gesamten Lebensmittelhandels (minus 0,7 Prozent mengenmäßig, plus 2,5 Prozent Umsatz). Gleichzeitig verzeichnete Deutschland ein noch stärkeres Wachstum von 8,7 Prozent im Bio-Segment. Für Oberösterreichs Landwirtschaft ergibt sich daraus eine klare Sogwirkung: In vielen Bereichen – etwa bei Bio-Milch und Geflügel – ist der deutsche Markt ein wachsender Abnehmer, der für stabile Preise sorgt. So hat Österreich in den vergangenen vier Jahren etwa Dänemark als wichtigsten Bio-Milchexporteur nach Deutschland überholt. Generell hat Österreich im Vorjahr mit 18,1 Prozent den mit Abstand höchsten Bio-Milchanteil in der EU erreicht.

Auch die heimische Nachfrage bleibt ein verlässlicher Faktor. Der Bio-Anteil im Lebensmitteleinzelhandel stieg auf 11,9 Prozent, die Pro-Kopf-Ausgaben erreichten mit durchschnittlich 359 Euro einen neuen Höchstwert. „Bio ist längst keine Nische mehr“, betont Oberösterreichs Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Waldenberger. Bio habe „eine sehr treue Kundenschicht, die vor allem auch stark auf das Thema Qualität und österreichische Herkunft setzt“, so Waldenberger.

Bio hat eine sehr treue Kundenschicht, die stark auf das Thema Qualität und österreichische Herkunft setzt.

Franz Waldenberger

Präsident Landwirtschaftskammer OÖ

Globale Markteinflüsse treffen Bio weniger

Rund 4500 Biobetriebe gibt es in Oberösterreich – etwa jede fünfte Landwirtschaft wird damit bereits biologisch geführt. Zuletzt kamen zehn neue Betriebe hinzu. Aktuell zeigt sich der Bio-Sektor auch widerstandsfähiger gegenüber globalen Markteinflüssen. „Natürlich haben wir auch mit den Treibstoffpreisen unsere Herausforderungen, aber von den gestiegenen Düngerpreisen ist der Biolandbau eben viel weniger betroffen“, so Waldenberger.

Die Nachfrage nach Bio verteilt sich auf eine breite Produktpalette. Besonders hohe Bio-Anteile werden bei Trinkmilch und Frischgemüse (jeweils 24 Prozent), bei Mehl (30 Prozent) sowie bei Eiern (18 Prozent) erzielt. Auch im Fleischbereich wächst die Bedeutung weiter: Bio-Geflügel und Bio-Fleisch haben 2025 erstmals die Acht-Prozent-Marke überschritten. Gerade im Geflügelsektor zeigt sich die Verbindung von heimischer Produktion und Nachfrage – auch aus Deutschland – besonders deutlich. „Momentan gibt es gerade sehr viel Interesse von Betrieben an Bio-Geflügelhaltung, nachdem diese einen stabilen Markt erwarten lässt“, erklärt Waldenberger.

Die gute Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln wirkt sich in Summe positiv auf die Rohstoffmärkte aus. „Das äußerst sich in einem stabilen Preisverhalten der Bio-Rohstoffe. Auch das Sorgenkind Bio-Ackerfrüchtemarkt hat sich 2025 wieder erholt, der Ausblick für heuer ist positiv“, sagt Magdalena Barth, Obfrau von Bio Austria OÖ.

Der Bio-Ackerfrüchtemarkt hat sich erholt, der Ausblick auf das heurige Jahr ist positiv.

Magdalena Barth

Obfrau Bio Austria OÖ

Um den eingeschlagenen Wachstumskurs im Bio-Segment abzusichern, müsse der Absatz weiter gesteigert werden. Die Landwirtschaftskammer OÖ pocht daher auf eine konsequent hohe Bio-Quote in der öffentlichen Lebensmittelbeschaffung. Andererseits brauche es gezielte Förderanreize für Um- und Neueinsteiger, um die steigende Nachfrage auch künftig bedienen zu können. Ein Signal an alle umstellungsinteressierten Betriebe sei etwa, dass das Top-up auf die UBB-Prämie in der Höhe von 80 Euro je Hektar für Neueinsteiger auch ab 2027 weitergeführt werde, betont Waldenberger.

Preiszuschläge machen gute Nachfrage deutlich

In den vergangenen Wochen gestiegen sind die Bio-Zuschläge für Bio-Rindfleisch, auch für Bio-Milch haben die Molkereien im ersten Quartal 2026 die Zuschläge erhöht. Gesucht sind Bio-Schweine: „Laut den Verarbeitungsbetrieben wären steigende Absätze möglich, wenn mehr Bio-Schweinefleisch verfügbar wäre“, sagt Barth.

Die Vielfalt des heimischen Bio-Angebots unterstreicht ein neuer Einkaufsführer mit zahlreichen Adressen von Direktvermarktern (siehe Infobox).

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Neuer Bio-Einkaufsführer für OÖ

Bio Austria OÖ hat einen neuen Einkaufsführer herausgebracht. Das 200 Seiten umfassende Büchlein enthält mehr als 300 Adressen von Bio-Direktvermarktern, gegliedert nach Regionen und Bezirken, samt deren Produktangebot. Zu finden sind darin auch Adressen von Bio-Gastronomiebetriebe und Anbeitern von Seminarräumen und Catering sowie eine Auflistung von Bauernmärkten mit Bio-Angebot. Der Einkaufsführer kann kostenlos unter [email protected] bestellt werden.

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Franz Waldenberger und Magdalena Barth

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